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Reaktionen

Max Schierer – er war immer Mensch

Der 48-jährige Unternehmer aus Cham starb bei einem Hubschrauber-Unglück in den Alpen. Seine Freunde sind fassungslos.
Von Frank Betthausen und Johannes Schiedermeier

Das Rad muss rollen – das war ein Dauerthema und Motto für den Chamer Unternehmer Max Schierer. Foto: Archiv, Klöckner
Das Rad muss rollen – das war ein Dauerthema und Motto für den Chamer Unternehmer Max Schierer. Foto: Archiv, Klöckner

Cham.Am Sonntag wurde zur traurigen Gewissheit, was viele am Samstag gerüchteweise gehört hatten: Der Chamer Unternehmer Max Schierer junior ist am Freitag bei einem tragischen Zusammenstoß eines Hubschraubers mit einem Kleinflugzeug im italienischen Aostatal ums Leben gekommen. Der 48-jährige Vater hinterlässt seine Frau Martina und zwei Buben im Alter von zehn und 14 Jahren. Der Tod ereilte ihn beim Heli-Skiing, einem Hobby, dem er seit vielen Jahren leidenschaftlich nachging.

Tragödie

Max Schierer ist tödlich verunglückt

Der Unternehmer aus Cham starb, wie aus Wirtschaftskreisen verlautet, beim Zusammenstoß eines Helikopters mit einem Flugzeug.

In Cham löste die Nachricht Bestürzung aus. IHK-Geschäftsführer Richard Brunner erklärte, Schierer sei ein herzlicher, zupackender, positiver Mensch gewesen. „Das ist ein Wahnsinnsverlust für seine Familie, das Unternehmen und die Wirtschaftsregion.“ Brunner war tief betroffen: „Er hat mit mir noch einen Termin ausgemacht nach seinem Skiurlaub. Da wollte er mir unbedingt erzählen, was in seiner Firma vorgeht: Wir haben viel vor, hat er gesagt. Das ist mir jetzt nachträglich richtig reingefahren!“

„Er war ein g’höriger Mensch!“, sagte Bürgermeisterin Karin Bucher über Max Schierer. „Das ist das größte Kompliment, das ich zu vergeben habe. Und das gilt für die ganze Familie Schierer.“ Schierer sei eine große Unternehmer-Persönlichkeit gewesen, aber er habe sich diese Tatsache nie heraushängen lassen. „Das ist eine absolute Katastrophe, dass so etwas passieren kann. Mir tun die Angehörigen so leid“, sagte die Bürgermeisterin.

Auf die Frage nach einer Charakterisierung von Max Schierer sagte sein Wegbegleiter, der Rechtsanwalt Dr. Andreas Stangl, wie aus der Pistole geschossen: „Immer Mensch!“ Stangl war zwei Jahre mit Schierer im Vorstand der Wirtschaftsjunioren: „Das war die schönste Zeit. Ich bin total fassungslos!“

Er verbreitete gute Laune

Die Familie Schierer – hier ein Foto von der Eröffnung des StilHauses in Straubing 2016 – ist in tiefer Trauer über den Tod von Max Schierer (r.): Martina Schierer, die Frau des verunglückten Geschäftsführers, Seniorchefin Helma Schierer, Schwester Sonja Schierer und Max Schierer senior (v. l.). Foto: Archiv/Klöckner
Die Familie Schierer – hier ein Foto von der Eröffnung des StilHauses in Straubing 2016 – ist in tiefer Trauer über den Tod von Max Schierer (r.): Martina Schierer, die Frau des verunglückten Geschäftsführers, Seniorchefin Helma Schierer, Schwester Sonja Schierer und Max Schierer senior (v. l.). Foto: Archiv/Klöckner

Max Schierer sei einer gewesen, der bei allen Treffen die Laune sofort um ein paar Plusgrade gehoben habe. „Er ist immer ein bisserl Lausbub geblieben und war immer für eine Überraschung gut. Irgendwann sind wir auf dem Weg zu einer Tagung in Regensburg eingekehrt und er hat gesagt: Eigentlich ist die Tagung langweilig. Da sind wir halt dann sitzen geblieben.“ Stangl führte das an, was alle anderen auch meinten: „Seine Unternehmenskultur und sein Umgang mit den Mitarbeitern waren beispielhaft. Er hatte das Herz am rechten Fleck – ich kann das alles immer noch nicht glauben.“

„Der Wirtschaftsraum Ostbayern hat mit Maximilian Schierer einen höchst engagierten Unternehmer und großartigen Menschen verloren“, betonte Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, in einer Stellungnahme vom Montag. „Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Ehefrau Martina, seinen beiden Söhnen und allen Angehörigen und Freunden.“

Schierer habe die Entwicklung der Region stets im Blick gehabt. Als ehrenamtliches Mitglied habe er sich in zahlreichen Organisationen und Vereinen viele Verdienste erworben. Seit 2008 war der 48-Jährige laut Helmes Mitglied der IHK-Vollversammlung und des IHK-Gremiums Cham.

Im Verkehrsausschuss und im Handelsausschuss der IHK engagierte sich Schierer seit 2013. Helmes: „Seine Expertise war auch überregional sehr geschätzt – er wurde 2013 deshalb auch in den Handelsausschuss des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) berufen.“

„Der Wirtschaftsraum Ostbayern hat mit Maximilian Schierer einen höchst engagierten Unternehmer und großartigen Menschen verloren.“

Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim

In ehrenden Worten erinnerte am Montag auch die Fußballabteilung des ASV Cham an den verunglückten Unternehmer. Max Schierer, heißt es in einem Beitrag auf der Facebook-Seite der Fußballer, sei mit Johannes Ederer derjenige gewesen, der mit den Max Schierer Hallentagen eine überregionale Großveranstaltung ins Leben gerufen habe. Jahr für Jahr nahmen daran mehr als 200 Mannschaften mit etwa 2000 Spielern teil.

In der Stellungnahme heißt es weiter: „Auch abseits dieser Veranstaltung stand Max uns jederzeit finanziell und vor allem mit Rat und Tat zur Seite. Wo würde der ASV Cham mit seinen fast 20 Mannschaften und dem neuen Sportzentrum stehen, gäbe es nicht Persönlichkeiten wie Max Schierer?“

Die menschliche Lücke, die Max Schierer hinterlasse, sei riesig und nicht zu füllen. Mit seiner jahrelangen Vereinserfahrung beim ASV Cham sei er immer „ein perfekter Ratgeber“ für die Abteilungsführung um Matthias Altmann sowie für die Jugendleitung um Christian Eidenhardt gewesen. „Die ASV-Fußballfamilie wird Max nie vergessen, und nicht zuletzt durch die Max Schierer Hallentage hat er sich in Cham ein sportliches Denkmal für die Ewigkeit gesetzt.“

Bei der Siegerehrung der Skirennfahrer des FC Chammünster nach den Rennen des SV Grainet und des Skiklubs Bischofsmais am Wochenende erinnerte der Vorsitzende der Abteilung Ski und Inline im FC Chammünster, Sigi Zistler, an den tragischen Todesfall. Er wünschte Max Schierers Familie „viel Kraft in diesen schweren Stunden“.

Max Schierer junior sei ein absolut authentischer und begeisterter Unterstützer des Skirennsports im Bayerwald gewesen. So war das Skirennen am Geißkopf vom Wochenende wie seit vielen Jahren Bestandteil der Wertung zum Max-Schierer-Bayerwaldcup, der als Ansporn für den Skisport in der Region gestiftet worden war.

Mehr als 400 Mitarbeiter

Max Schierer junior, Geschäftsführer der gleichnamigen GmbH in Cham, die als Baustoffhändler und Rund-um-Partner fürs Bauen, Renovieren und Modernisieren Standorte in der östlichen Oberpfalz, in Niederbayern und Tschechien unterhält, war Mittelständler aus Leidenschaft. Das Unternehmen, das sein Vater Max senior mit der gleichen Hingabe zu überregionaler Bedeutung geführt hatte, hat deutlich mehr als 400 Mitarbeiter und kommt auf einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro.

Nachruf

Danke dafür, lieber Maxl!

Was schreibt man an so einem Tag? Wenn ich noch meine Schreibmaschine hätte und Papier, dann wäre der Papierkorb jetzt voll. Das sind sie, die Momente,...

Nach dem Abitur 1989, der Bundeswehrzeit und seinem BWL-Studium in Siegen heuerte Schierer als Vorstands-Assistent beim einst drittgrößten deutschen Baustoffhändler, der Mühl AG, in Berlin an. Bei der 2002 in die Insolvenz abgerutschten Firma bereitete sich der Oberpfälzer zwei Jahre auf den Einstieg ins 1898 gegründete Familien-Unternehmen Schierer in Cham vor. Dass er dort einmal die Nachfolge seines Vaters Max senior antreten sollte, „war von langer Hand geplant“, erzählte er einmal in einem Interview.

Am Ende war er dennoch hin- und hergerissen und dachte darüber nach, in Berlin zu bleiben. Umso mehr, als sein damaliger Chef extra nach Cham reiste, um ihn bei der traditionsreichen Schierer GmbH loszueisen. Doch die Initiative führte ins Leere. Nach einem „klaren Gespräch“ mit seinem Vater stieg er 1999 in den Betrieb ein – und machte sich daran, sich dort einen Stand zu erarbeiten. „Ich war zwar der Juniorchef, aber ohne die Würden eines Geschäftsführers oder Prokura“, erinnerte er sich.

Dem Vater zur Seite gestanden

„Er ist immer ein bisserl Lausbub geblieben“, sagte sein Wegbegleiter Andreas Stangl am Sonntag über Max Schierer, der im Alter von 48 Jahren auf tragische Weise starb. Foto: Archiv/Tschannerl
„Er ist immer ein bisserl Lausbub geblieben“, sagte sein Wegbegleiter Andreas Stangl am Sonntag über Max Schierer, der im Alter von 48 Jahren auf tragische Weise starb. Foto: Archiv/Tschannerl

So stand er seinem Vater zur Seite, der als Vorsitzender des Bundesverbands des Deutschen Baustoffhandels viel unterwegs war. Sein Sohn packte in den ersten Jahren vor allem die Themen IT, Controlling, Marketing, Finanzbuchhaltung und Mitarbeiterführung an. „Ich habe Abläufe professionalisiert und Kunden kennengelernt“, erklärte er in dem Gespräch.

All das geschah in einer Zeit, die alles andere als einfach war. Zwischen 1995 und 2005 steckte die Baubranche in einer tiefen Krise. Diese Phase hatte Max Schierer zu meistern – und fast hinter sich, als ihm sein Vater 2004 die Firma offiziell übergab. Seit 2015 trug er als alleiniger Gesellschafter die Verantwortung für den Traditionsbetrieb, der in den vergangenen Jahren große Projekte verwirklichte. So entstanden 2016 für 13 Millionen Euro in Straubing ein neues Baufachzentrum (Baufachmarkt und StilHaus) und eine Eisenbiegerei. Im April 2018 übernahm die GmbH den Betrieb und die Mitarbeiter der Schreinerei Erwin Heigl in Cham-Windischbergerdorf.

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