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Verkehr

Mega-Baustelle sorgt für B85-Sperrung

Spezialkräne heben an diesem Wochenende bei Roding tonnenschwere Bauteile für eine Brücke ein. Der Verkehr wird umgeleitet.
Von Bastian Schreiner

In Roding schweben die zwölf Stahlverbundträger für die neue Brücke ein. Foto: Schreiner
In Roding schweben die zwölf Stahlverbundträger für die neue Brücke ein. Foto: Schreiner

Roding.Der leere Streckenabschnitt der B 85 zwischen Roding und Mitterdorf erinnert an autofreie Sonntage in den 70er Jahren. Grund für die Sperre ist jedoch ein spektakuläres Ereignis: Zwölf tonnenschwere Brückenteile für das neue Bauwerk über den Regenfluss werden mit vier Spezialkränen eingehoben. Während ein paar Schaulustige die Szenerie gebannt aus der Distanz verfolgen, ist bei den Baufachleuten Präzisionsarbeit gefragt.

Die bestehende Brücke dient als Parkplatz für die Tieflader. Zwölf Stück, sechs am Samstag und sechs am Sonntag, sind aus Neumarkt angerollt. Dort wurden die Stahlverbundträger für die 133 Meter lange Regenbrücke, die sich seit dem Frühjahr im Bau befindet und aus drei Feldern besteht, gefertigt. Zunächst wird das neue Bauwerk südlich neben der Bestandsbrücke aus dem Jahr 1964 errichtet. Später wird die alte Brücke abgebrochen und durch einen Neubau an selber Stelle ersetzt.

Es geht um Millimeter

Die Fertigteile werden millimetergenau auf Widerlager und Pfeiler gehievt. Foto: Schreiner
Die Fertigteile werden millimetergenau auf Widerlager und Pfeiler gehievt. Foto: Schreiner

Die orangefarben gekleideten Arbeiter wirken zwischen den Fertigteilen und Kränen wie Playmobil-Männchen. „Die vier mittleren Brückeneile sind je- weils 55 Meter lang und wiegen 110 Tonnen, die acht äußeren sind jeweils 39 Meter lang und 65 Tonnen schwer“, berichtet Michael Breu vom Staatlichen Bauamt Regensburg. Die Stahlverbundbrücke sei zwar teurer als die Spannbetonbrücke, erklärt er, könne aber durch ihr geringes Gewicht schlanker gebaut werden. Ein Fertigteil ist 2,90 Meter breit.

Bürger filmen und beobachten, wie ein 39 Meter langes und tonnenschweres Trägerstück, das von zwei Spezialkränen vom Tieflader gehoben und gehalten wird, vorsichtig mithilfe von GPS auf Widerlager und Pfeiler gehievt wird. „So etwas sieht man nicht alle Tage in Roding“, sagt eine junge Frau. Ein Mann fotografiert seinen Enkel – im Hintergrund die schweren Maschinen.

Sehen Sie zum Thema auch dieses Video:

Tanz der Schwergewichte über der B85

Die Hubkraft der vier Kräne, die aus München und Deggendorf stammen, ist nicht minder eindrucksvoll: 750, 500, 400 und 200 Tonnen. „Diese Maschinen muss man mindestens ein Vierteljahr vorher buchen“, informiert der Abteilungsleiter Konstruktiver Ingenieurbau. Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass die Firma Max Bögl die Unterbauten rechtzeitig fertiggestellt hat.

„Diese Maschinen muss man mindestens ein Vierteljahr vorher buchen“

Michael Breu, Abteilungsleiter Konstruktiver Ingenieurbau

„Das wäre der Worst Case gewesen, wenn wir den Termin absagen hätten müssen“, sagt Breu. Das Wochenende im September war von Anfang an geplant. Eine Verschiebung der Maßnahme hätte ihm zufolge erhebliche Auswirkungen auf den Baufortschritt der Gesamtmaßnahme. Der vierspurige Ausbau zwischen Altenkreith und Piendling kostet rund 39 Millionen Euro und soll 2021 fertiggestellt sein. Die Kosten für die beiden Brücken samt Abbruch des alten Bauwerks belaufen sich auf 13 Millionen Euro.

Abbruch statt Sprengung

Die Architektur der Regenbrücke orientiert sich am Bestand. Was die Gestaltung betrifft, hat sich das Staatliche Bauamt für eine lichtbeständige Farbe entschieden – einen Blau-Ton, der an das Element Wasser erinnert. Anstelle einer Sprengung soll die 54 Jahre alte Brücke schonend abgerissen werden. „Eine Sprengung ist ausgeschlossen, da das ganze Material im Regen landen würde“, macht Breu deutlich. Über die Südbrücke soll noch heuer der Verkehr rollen, spätestens aber Anfang 2019. Die neue Nordbrücke soll voraussichtlich Mitte 2020 fertig sein, so Breu.

Viele Impressionen von der Baustelle auf der B85 sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Neue B85-Brücke bei Roding

Das von manchen befürchtete Verkehrs-Chaos in und um Roding bleibt aus. Das Vorhaben am Wochenende durchzuführen ist also die richtige Entscheidung. Die ersten vier Träger sind bis Samstagnachmittag bereits befestigt. Opa und Enkel hoffen, dass es rasch weitergeht. Doch der Brückenexperte des Staatlichen Bauamtes bremst die Erwartung: „Der Einhub ist zwar spektakulär, doch die Millimeterarbeit nicht immer kurzweilig.“

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