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Wissenschaft

Mehr Geld für Geodäsie in Wettzell

Das Personal soll um die Hälfte aufgestockt und die Zusammenarbeit mit der TH Deggendorf verbessert werden.
Von Stefan Weber

In einem ersten Schritt sollen neun neue Mitarbeiter in Wettzell eingestellt werden, das freute auch die Vertreter der Politik.
In einem ersten Schritt sollen neun neue Mitarbeiter in Wettzell eingestellt werden, das freute auch die Vertreter der Politik.

Bad Köttzting.Jeder, der schon einmal in der Stadt war, kennt sie, die großen weißen „Schüsseln“ hoch über der Stadt, die zum Geodätischen Observatorium im Ortsteil Wettzell gehören. Die Aufgaben sind vielfältig, die Arbeit sehr komplex; doch ohne es zu wissen nutzten viele Menschen weltweit die Ergebnisse, die in Wettzell täglich mit den großen Radioteleskopen gewonnen werden – oder wer käme heute noch ohne ein Navi im Auto aus? Am Dienstag setzte Dr. Markus Kerber, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, seine Unterschrift unter eine Projektvereinbarung, die den weiteren Ausbau der Einrichtung zur Folge haben soll.

Einrichtung: Das BKG betreibt gemeinsam mit der Forschungseinrichtung Satellitengeodäsie der TU München am Standort Wettzell ein geodätisches Observatorium (GOW). Das GOW wurde 1972 in Betrieb genommen. Foto: S. Weber
Einrichtung: Das BKG betreibt gemeinsam mit der Forschungseinrichtung Satellitengeodäsie der TU München am Standort Wettzell ein geodätisches Observatorium (GOW). Das GOW wurde 1972 in Betrieb genommen. Foto: S. Weber

Bislang arbeiten 19 Wissenschaftler in Wettzell, noch in diesem Jahr soll – entsprechend der Vereinbarung – das Personal um neun Stellen, also rund 50Prozent, aufgestockt werden. Zu diesem Anlass kam auch der Präsident des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG), Prof. Paul Becker, nach Wettzell, ebenso mehrere Vertreter aus der Politik.

Für eine bessere Auslastung

Für Dr. Kerber war es alleine schon darum „ein schöner Tag“, weil der Termin Gelegenheit gab, sich die Einrichtung einmal persönlich anzusehen. Er wollte die Zusage von nun erst einmal neun, später sogar von noch mehr neuen Stellen, auch als strukturpolitische Maßnahme sehen, die attraktive Jobs in die Region bringen werde. Auch Prof. Becker zeigte sich überzeugt, dass „das Geld hier gut angelegt“ sei. Wie der stellvertretende Leiter des Observatoriums, Thomas Klügel, erklärt, werden die neuen Stellen erst einmal dazu dienen, die Arbeit der Einrichtung zu verbessern und auszuweiten – denn mit der derzeitigen Besetzung sei es gar nicht möglich, die Leistung der Radioteleskope voll auszunutzen. Darüber hinaus könnten die Wettzeller Daten dann nicht mehr nur erfassen, sondern in einem ersten Schritt bereits weiterverarbeiten, „prozessieren“, nennt er das.

Arbeit: Die Station ist eine von wenigen Einrichtungen weltweit, die als sogenannte Fundamentalstationen arbeiten und als Ankerpunkt für alle Anwendungen mit Raumbezug (zum Beispiel Fahrzeugnavigation) fungieren oder Erdbeben registrieren. Foto: Geodäsistation
Arbeit: Die Station ist eine von wenigen Einrichtungen weltweit, die als sogenannte Fundamentalstationen arbeiten und als Ankerpunkt für alle Anwendungen mit Raumbezug (zum Beispiel Fahrzeugnavigation) fungieren oder Erdbeben registrieren. Foto: Geodäsistation

Prof. Becker hatte aber noch eine zweite Unterschrift zu leisten, dieses Mal gemeinsam mit dem Präsidenten der Technischen Hochschule Deggendorf, Prof. Peter Sperber. Die THD arbeite schon längere Zeit auf dem Gebiet der Forschung mit dem Observatorium zusammen, so Prof. Paul Becker. Seien es Bachelor- oder Masterarbeiten oder auf dem Gebiet der technischen Weiterentwicklung. Beide Bereiche sollen in Zukunft weiter ausgebaut werden. „Wir haben Studiengänge, die hier gut reinpassen würden“, erklärt Prof. Sperber, der selbst schon hier gearbeitet hatte – und vielleicht werde ja der eine oder andere Student später auch in Wettzell bleiben, wenn nun ohnehin mehr Stellen geschaffen würden.

Gesellschaftlich: Die Mitarbeiter der Station sind auch gesellschaftlich aktiv in der Stadt – ob es nun um den Bau des Planetenweges oder die Einrichtung eines Museums im Sinocur oder auch viel beachtete Fachvorträge in der Station geht – auch so profitieren die Bürger vom Wissen. Foto: Rabl-Dachs
Gesellschaftlich: Die Mitarbeiter der Station sind auch gesellschaftlich aktiv in der Stadt – ob es nun um den Bau des Planetenweges oder die Einrichtung eines Museums im Sinocur oder auch viel beachtete Fachvorträge in der Station geht – auch so profitieren die Bürger vom Wissen. Foto: Rabl-Dachs

Ein Projekt, das schon bald gemeinsam in Angriff genommen werden solle, sei die genauere Bestimmung von Weltraumschrott: Alte Satelliten, Zündstufen von Raketen und vieles mehr – rund 20000 Teile in der Größe ab zehn Zentimeter sind derzeit bekannt, erklärt Klügel. Eine Gefahr auch für aktive Satelliten, die im Moment aufgrund der relativ ungenauen Radar-Ortung etwa unnötig viele Ausweichmanöver vollführen müssten, um nicht mit dem Schrott zu kollidieren. „Wir können das mit Lasern auf den Zentimeter genau machen“, erklärt Klügel, und das spare viele Ausweichmanöver.

Einmalig und besonders

Nach der Unterzeichnung der beiden Papiere freute sich der Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier, dass für diese „deutschlandweit einmalige und weltweit besondere Einrichtung“ zwei Schritte in Richtung Ausbau und Forschung gegangen worden seien. Landrats-Stellvertreter Markus Müller zeigte sich stolz darüber, dass der Standort Wettzell noch mehr an Bedeutung gewinnen werde und Bürgermeister Markus Hofmann war seinerseits stolz, im „Bergdorf“ Wettzell weitere hochwertige Arbeitsplätze zu bekommen.

Zukunft: Das GOW soll zu einer geodätischen Referenzstation ausgebaut werden, vergleichbar zu Greenwich in Großbritannien. Damit wäre es für die Bildung des Ausgangswertes für sämtliche Zeitzonen und Uhrzeiten auf der ganzen Welt zuständig. Foto: R. Schlecht
Zukunft: Das GOW soll zu einer geodätischen Referenzstation ausgebaut werden, vergleichbar zu Greenwich in Großbritannien. Damit wäre es für die Bildung des Ausgangswertes für sämtliche Zeitzonen und Uhrzeiten auf der ganzen Welt zuständig. Foto: R. Schlecht

Noch fehlt zwar die Zustimmung durch den Bundestag für die finanziellen Mittel, doch die werde sicher kommen, so Holmeier. Das glaubt man auch in Wettzell – die Planungen für ein neues Bürogebäude laufen bereits, so Thomas Klügel.

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