MyMz
Anzeige

„Mehr tun für die Lebenden!“

Elias Dray ist Rabbiner in Amberg. Im Interview spricht er über neuen Antisemitismus, Sicherheit und Stolpersteine.
Von Ernst Fischer

Elias Dray, Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Amberg
Elias Dray, Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Amberg

Der Amberger Rabbiner Elias Drey fühlt sich in einigen Teilen Deutschlands nicht mehr sicher. Im Interview betont er aber auch, dass er das Gefühl hat, dass die bayerische Staatsregierung das Thema Antisemitismus ernst nimmt.


Herr Dray, Sie sind Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Amberg, zu der auch Cham gehört. Jüdisches Leben ist hier in Cham nicht sichtbar. Warum?

In Cham gibt es wohl keine Juden mehr. Wir haben auch höchstens ein, zwei Leute aus dieser Region, die zu unserer Gemeinde mit etwa 130 Mitgliedern gehören.

„Durch die steigende Akzeptanz in der Bevölkerung fühlen sich die Rechtsextremisten noch stärker.“

Nach dem Angriff auf die Synagoge in Halle: Müssen Juden heute Angst haben, ihren Glauben offen zu zeigen?

In Bayern fühle ich mich noch einigermaßen sicher. Hier trage ich auch noch die Kippa, in den neuen Bundesländern oder in Berlin aber nicht mehr. In Berlin wollten mich Leute schon einmal schlagen, als ich mit Kippa auf der Straße unterwegs war. Ich musste davonlaufen.

Und wie werten Sie die neuen rechtsradikalen Strömungen in Deutschland?

Wir sind sehr besorgt. Die kleinen Gruppen von Rechtsradikalen, die sind sehr gut vernetzt. Und es gibt auch mehr Akzeptanz in der Bevölkerung. Dadurch fühlen sich die Rechtsextremisten noch stärker.

Wie schützt sich die jüdische Gemeinde in Amberg vor Angriffen wie in Halle?

Ich habe das Gefühl, Ministerpräsident Söder und Innenminister Hermann nehmen das Thema sehr ernst. Gerade erst war der Minister in Amberg. Synagoge und Gemeindehaus werden umgebaut, um die Sicherheit zu erhöhen.

Ein Chamer Lehrer hat gerade auf Eigeninitiative einen Gedenkstein für die ermordeten Chamer Juden im Stadtpark aufstellen lassen, weil er sonst ein Zeichen in der Stadt vermisste. Verdrängen wir gerne bewusst die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen?

Das würde ich nicht sagen. Es gibt sehr viele Initiativen der Erinnerung, zum Beispiel die Stolpersteine. Aber. Wir Juden sagen: Es ist einfacher, etwas für einen toten Juden zu tun als für einen lebenden.

„Manchmal würde ich mir wünschen, wir würden mehr machen, um zu zeigen, wie lebendig das Judentum heute ist.“

Manchmal würde ich mir wünschen, wir würden mehr machen, um zu zeigen, wie lebendig das Judentum heute ist. In Amberg zum Beispiel gibt es einen Verein Den Anderen Kennenlernen, wir machen Workshops mit Schulklassen, und mit einem Gymnasium wurden 15 Stolpersteine in der Stadt gesetzt.

In Cham gibt es keinen einzigen Stolperstein...

Ja, das ist schon schade. Dabei wäre das schon wichtig für Cham, so ein Signal. Und ich fände es toll, wenn sich auch hier in dieser Stadt eine Schule dafür interessieren würde.

Elias Dray ist Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Amberg.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht