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Notfall

Millionenschaden bei Großbrand in Roding

Das Feuer in der Galvanikhalle der Firma MBO am Freitagabend war einer der größten Einsätze der letzten Jahre in der Region.
Von Bastian Schreiner und Michael Gruber

Der Brand sorgte für eine enorme Rauchentwicklung, so dass vorsorglich eine Warnung der Bürger veranlasst wurde.  Foto: Schreiner
Der Brand sorgte für eine enorme Rauchentwicklung, so dass vorsorglich eine Warnung der Bürger veranlasst wurde. Foto: Schreiner

Roding.Der verheerende Brand einer Galvanikhalle im Industriegebiet am Bahnhof hat einen Sachschaden im Millionenbereich verursacht. Ein Großaufgebot an Rettungskräften aus dem ganzen Landkreis war am Freitag angerückt, um die Flammen zu bekämpfen. Die riesige Rauchwolke war selbst aus Kilometern Entfernung zu sehen. Nach dem turbulenten Abend heulten die Sirenen der Feuerwehren am Samstag erneut auf. Da Glutnester aufflammten, wurden weitere Löschangriffe mit Schaum gestartet.

Die Anwohner in Oberdorf, Mitterdorf, Mitterkreith und Altenkreith wurden aufgrund der starken Rauchentwicklung per Lautsprecherdurchsagen von Polizeistreifen aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten und einen Aufenthalt im Freien zu vermeiden. Die Feuerwehr konnte bei Messungen am späten Abend jedoch keine gesundheitsgefährdenden Schadstoffe in der Luft feststellen. Der Rettungsdienst betreute sieben Mitarbeiter medizinisch, eine Person stand unter Schock, eine Einsatzkraft verletzte sich vor Ort. Als Brandursache wird ein technischer Defekt vermutet. Die Kriminalpolizei Regensburg hat die Ermittlungen aufgenommen.

Meterhohe Rauchwolken bei Brand in Rodinger Indust

Offenes Feuer an einer Maschine

Starke Hitze und giftige Gase erschwerten die Arbeit der Feuerwehr. Foto: Schreiner
Starke Hitze und giftige Gase erschwerten die Arbeit der Feuerwehr. Foto: Schreiner

Gegen 20.30 Uhr löste die Brandmeldeanlage in der Produktionshalle der MBO GmbH, eine Spezialfirma für Oberflächentechnik mit Galvanik und Lackiererei der Mühlbauer Group, aus. Die Leitstelle alarmierte daraufhin standardmäßig die Wehren Mitterdorf und Altenkreith. Beim Eintreffen wurde bereits offenes Feuer an einer Maschine entdeckt, weshalb der Löschzug der Rodinger Feuerwehr angefordert wurde. Da sich das Feuer innerhalb kurzer Zeit auf die Galvanikstraße ausbreitete und drohte, auf angrenzende Gebäude überzugreifen, wurde die Alarmstufe erhöht.

Notfall

Großbrand im Rodinger Industriegebiet

Die Maschinenhalle der MBO stand lichterloh in Flammen. Am Samstagmorgen brannte es erneut. Es entstand ein hoher Schaden.

Der Gefahrenschwerpunkt des Einsatzes waren die Chemikalien in der Galvanikhalle. Denn neben den Kunststoffwannen unter den Maschinen – wo mit verschiedenen Säuren und Laugen gearbeitet wird – befindet sich dort auch ein Gefahrstofflager. Deshalb wurden neben weiteren Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis mit dem ABC-Zug aus Cham, der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung, dem Fachberater Chemie, dem Gefahrstoff-Zug aus Furth im Wald und dem Schaumanhänger der Berufsfeuerwehr Regensburg Spezialeinheiten der Region ins Industriegebiet nach Roding gerufen. Feuerwehr und THW sperrten die Zufahrt sowie Kreisstraße CHA 29 zwischen Mitterdorf und Strahlfeld und leuchteten das Gelände aus. Der Rettungsdienst, der mit 22 Fahrzeuge mit 75 Kräften vor Ort, baute ein Versorgungszelt auf.

Großbrand in der MBO-Maschinenhalle

Die Wasserversorgung wurde über Hydranten sowie 800 Meter lange Schlauchleitungen zum Edelweiher in Oberdorf sichergestellt. Die Wehren Roding, Cham und Nittenau waren mit ihrer Drehleiter vor Ort. Aufgrund der Chemikalien im Gebäude entschied sich die Einsatzleitung, mehr Löschschaum als Wasser zur Brandbekämpfung einzusetzen. Auffangbecken in der Halle verhinderten, dass gifte Gemische in die Kanalisation gelangen.

Da Glutnester aufflammten, wurden die Wehren am Samstag noch zwei Mal ins Industriegebiet gerufen. Foto: Schreiner
Da Glutnester aufflammten, wurden die Wehren am Samstag noch zwei Mal ins Industriegebiet gerufen. Foto: Schreiner

Gegen 22 Uhr schlugen immer noch meterhohe Flammen aus dem Gebäude. Durch die Hitze des Feuers hatte sich das Flachdach des Produktionshalle gehoben. Weitere Atemschutzträger erreichten das Objekt. Die Feuerwehrler versuchten dann, die Scheiben der Halle einzuschlagen, um an den Brandherd zu gelangen. Es folgten Löschangriffe von innen. Aufgebaut wurde zudem das neue Hytrans-Fire-System, das in Waldmünchen stationiert ist. Diese große Schlauchleitung kam aber nicht zum Einsatz. Nach 23 Uhr brachten die Einsatzkräfte den Brand schließlich unter Kontrolle. Umliegende Gebäude im Gewerbegebiet waren nicht gefährdet.

Nachlöscharbeiten dauern an

Bürgermeister Franz Reichold traf am Abend ein, um sich ein Bild vom verheerenden Brand zu machen. Zudem lief ein Krisengespräch mit Vertretern des Unternehmens, der Polizei und der städtischen Betriebe sowie Kreisbrandrat Michael Stahl und Rettungsdienstleiter Michael Daiminger. Die Nachlöscharbeiten dauerten bis weit nach Mitternacht an.

Da sich das betroffene Gebäude der Firma MBO in der Nähe des Bahngleises befindet, wurde auch der Notfallmanager der Bahn verständigt. Wie die Bundespolizei auf Nachfrage mitteilt, musste die Bahnstrecke zwischen Schwandorf und Furth im Wald am Abend aber nicht gesperrt werden.

Großbrand im Rodinger Industriegebiet beschäftigt

Die Nacht über war eine Brandwache im Einsatz. Als es am Samstag – um 7.45 Uhr und um 20 Uhr – zu Rauchentwicklungen kam, mussten die örtlichen Einsatzkräfte erneut anrücken. Die Halle, die wegen Einsturzgefahr gesperrt ist, wird laut einem Sprecher der Polizei überwacht, damit am Brandort nichts verändert wird.

„Gefahr für Anwohner bestand nicht!“

Der Großalarm im Rodinger Industriegebiet hat nicht nur in der Stadt für Gesprächsstoff, sondern auch überregional für Schlagzeilen gesorgt. Der Brand der Galvanikhalle der Firma MBO war nach Aussagen der Feuerwehr einer der größten der vergangenen zehn Jahren in der Region. Noch am späten Freitagabend informierte die Einsatzleitung bei der Pressekonferenz über die Geschehnisse vor Ort.

Thorsten Kreis, Kommandant der Feuerwehr Mitterdorf, war als erstes vor Ort. Nachdem in der Halle offenes Feuer entdeckt wurde, wurde sofort ein Innenangriff unter Atemschutz der Wehren Mitterdorf und Altenkreith gestartet und die Alarmstufe erhöht. Mit Kreisbrandinspektor Florian Hierl wurden mehrere Brandabschnitte gebildet.

Der Schaden liegt wohl im zweistelligen Millionenbereich.  Foto: Bastian Schreiner
Der Schaden liegt wohl im zweistelligen Millionenbereich. Foto: Bastian Schreiner

„Das Problem bei dem Brand war, dass in der Galvanik Kunststoffwannen mit Gemischen aus Säuren und Laugen untergebracht sind“, sagte Kreisbrandrat Michael Stahl. Die Schwerpunkte waren deshalb Schaum- und Atemschutzlogistik sowie Gefahrstoffmessungen. „Die Warnung der Bürger war eine Vorsichtsmaßnahme. Wir haben nichts Gefährliches gemessen“, betonte er. Der bauliche Brandschutz hat laut Stahl funktioniert. Insgesamt waren 450 Einsatzkräfte vor Ort, darunter 350 Feuerwehrler. „Wir haben fast alles aufgeboten, was man bei so einem Einsatz brauchen kann“, berichtete er. Und weiter: „Aus Feuerwehrsicht sei es sehr gut gelaufen – mehr war nicht möglich.“

Der Rettungsdienst kümmerte sich um sieben Mitarbeiter, die beim Ausbruch des Feuers in der Halle waren, sich aber ins Freie retten konnten. „Das Problem war, dass wir zunächst nicht wussten, welche Gefahrenstoffe in der Halle sind“, sagte Michael Daiminger. Deshalb habe man auf der maximalen Stufe alarmiert.

Selbst aus etlichen Kilometern Entfernung war die riesige Rauchwolke zu sehen. Foto: Simon Tschannerl
Selbst aus etlichen Kilometern Entfernung war die riesige Rauchwolke zu sehen. Foto: Simon Tschannerl

Zunächst galt es, den Brandort zu räumen, wie André Schramm, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizei Roding, mitteilte. Aufgrund der großen Rauchwolke forderten Streifen die Anwohner per Lautsprecherdurchsagen auf, die Fenster und Türen geschlossen zu halten und sich nach Möglichkeit nicht nach draußen zu begeben. Die genaue Brandursache – nach ersten Angaben ein technischer Defekt – werde mit der Kriminalpolizei ermittelt.

Bürgermeister Franz Reichold, der wie einige Einsatzkräfte vom Schirmherrnbitten der Feuerwehr Altenkreith am Heilbrünnl ins Industriegebiet eilte, dankte Feuerwehr, Polizei, BRK und THW für die professionelle Arbeit. Die Einsatzkräfte hätten auch dazu beigetragen, dass der Schaden nicht noch größer geworden ist. „Ich war erleichtert, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind“, sagte Reichold im Gespräch mit dem Bayerwald-Echo. Auch am Samstagmorgen war der Bürgermeister vor Ort und informierte sich. „Eine Gefahr für die Anwohner bestand zu keiner Zeit“, betonte Reichold.

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