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Glaube

Miltach feiert 300 Jahre Martiniritt

225 Reiter trotzten am Samstag dem Regen. Festprediger beim Jubiäumsritt war Bischof Dr. Rudolf Voderholzer.
Von Erwin Vogl

Neben vielen weiteren Gruppen beteiligte sich auch wieder eine starke Abordnung von Reitern aus der Pfingstrittstadt Bad Kötzting am Martiniritt.
Neben vielen weiteren Gruppen beteiligte sich auch wieder eine starke Abordnung von Reitern aus der Pfingstrittstadt Bad Kötzting am Martiniritt.

Miltach.Alles war auf das Beste durch Pfarrei und Gemeinde für das Festgeschehen in Miltach, die Feier des Pfarrpatroziniums mit eucharistischer Prozession und Martiniritt, der seit 300 Jahren durchgeführt wird, vorbereitet. Nur das Wetter spielte am Samstag nicht mit, es regnete leicht, aber unablässig. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer war Festprediger und zelebrierte mit weiteren acht Klerikern den Patroziniumsgottesdienst in der St. Martinskirche, die Blaskapelle unter Leitung von Sepp Pielmeier gestaltete mit der Haydnmesse und feierlichen Chorälen diesen beeindruckend mit.

Marion Abate stellte das von ihr geschaffene Relief den Teilnehmern vor  Foto: Erwin Vogl
Marion Abate stellte das von ihr geschaffene Relief den Teilnehmern vor Foto: Erwin Vogl

225 Reiter auf herausgeputzten Pferden ritten zur Ehre des Heiligen Martin, der Prozession folgten zu Fuß die Vereine, die Geistlichkeit mit dem Allerheiligsten, Ehrengäste und die übrige Bevölkerung. Bürgermeister Johann Aumeier ehrte Otto Gerstl aus Bad Kötzting für 50-malige und Daniel Nemmer für 25-malige Rittteilnahme. Der Bischof segnete das Bronzerelief, geschaffen von der Miltacher Künstlerin Marion Abate, das Szenen aus dem Miltacher Martiniritt darstellt und nun das Kirchenportal schmückt.

Das war der Martiniritt 2019 in Miltach

Kirchliches und weltliches Fest

Tigerschecke, eine Besonderheit beim Ritt  Foto: Erwin Vogl
Tigerschecke, eine Besonderheit beim Ritt Foto: Erwin Vogl

Das Kirchenpatrozinium mit Martiniritt und Prozession ist ein kirchliches und auch weltliches Fest. Die in den Farben gelb-weiß festlich geschmückte St. Martinskirche füllte sich am Samstag zum Gottesdienst mit zahlreichen Vereinsmitgliedern, die mit ihren Fahnen zur Blasmusik zum Gotteshaus zogen, und weiteren Pfarrangehörigen, Repräsentanten der Öffentlichkeit und Gästen aus nah und fern. Zu einer Festfanfare schritt die Geistlichkeit mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Ortspfarrer Augustin Sperl, Bad Kötztings Stadtpfarrer Herbert Mader, dem früheren Seelsorger in Miltach, Johann Six, Pfarrer Kilian Limbrunner aus Chamerau, Pater John aus der Nachbarpfarrei Harrling-Zandt-Altrandsberg, dem aus der Pfarrei Miltach stammenden Pfarrer Jürgen Eckl, Pfarrer Gotthard Weiß aus dem Bistum Passau und Diakon Martin Peintinger zum Altar.

Das war der Martiniritt 2019 in Miltach

Neun Kleriker zelebrierten das PontifikalamtFoto: Erwin Vogl
Neun Kleriker zelebrierten das PontifikalamtFoto: Erwin Vogl

Pfarrer Sperl begrüßte alle Kirchenbesucher, besonders Bischof Voderholzer, und drückte seine Freude darüber aus, dass er als Oberhirte das Patrozinium mit 300 Jahre Martiniritt mitfeierte – einem Brauch, bei dem seit Jahrhunderten in der Prozession das Allerheiligste mitgetragen wird. Des Ortsgeistlichen Gruß galt den Repräsentanten der Öffentlichkeit, darunter Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Landtagsabgeordneter Dr. Gerhard Hopp sowie allen Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden.

„Ein Haus voll Glorie schauet“

Der Bischof drückte aus, dass er sehr gerne der Einladung nachgekommen sei. Es sei das erste Mal, dass er hier in der Kirche die Eucharistie feiere, die eucharistische Prozession begleiten und den Segen spenden dürfe. Auch richtete er seinen Gruß an alle Kirchenbesucher. „Wenige Tage vor dem offiziellen Gedenktag des Heiligen Martins werde der Brauch hier vollzogen. „Wir wollen heute auf den schauen, dem auch der Heilige Martin nachgefolgt ist und in seinem Leben und-Sterben verherrlicht hat, auf Christus unserem Herrn.“ Die Lesung und die Fürbitten trug Gottfried Heigl vor, die Psalmen sang Simon Meier. Diakon Martin Peintinger verkündete das Evangelium nach Matthäus mit der Aussage: „Ich sage euch, was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Dr. Rudolf Voderholzer durfte sich im Ehrenbuch verewigen.  Foto: Erwin Vogl
Dr. Rudolf Voderholzer durfte sich im Ehrenbuch verewigen. Foto: Erwin Vogl

„Wir dürfen zwei Tage voraus das Fest des heiligen Martin feiern, des großen Bischofs aus dem vierten und fünften Jahrhundert, und einem der beliebtesten Heiligen in der Kirche. Was die Legende berichtet, spielt nicht in der Zeit, als Martin schon Bischof war. Das Ereignis spielt in der Phase seines Lebens, als er nicht einmal getauft war, sondern auf dem Weg war, Christ zu werden. Ein Taufbewerber, der gerade dabei ist, zu lernen was es heißt, ein Christ zu sein, um dann die Taufe zu empfangen. Damals wurden erst einmal die Erwachsenen getauft, die dann ihre Kinder im Christsein unterrichteten.“

Es sei eine Zeit der Vorbereitung, ähnlich dem Religionsunterricht gewesen. Das Wichtigste sei gewesen, kennenzulernen, wer Christus eigentlich sei. Gott habe noch Großes mit Martin vorgehabt, das sei der Hintergrund für die Szene der Darstellung des Heiligen mit dem Bettler. Martin sei vermutlich ein Offizier gewesen, kehrte von seinem Dienst zurück und habe zu Füßen seines Pferdes am Straßenrand einen Bettler gesehen. „Die Stimme des Gewissens sagte ihm, was er tun muss, und er teilt seinen Mantel.“ In der Nacht habe Martin einen Traum gehabt, ein Gesicht: „Es erscheint ihm Jesus Christus und hat das Mantelstück, das Martin verschenkte, umgelegt. Martin wird klar, in diesem Bettler ist er Christus begegnet.“

Blaskapelle spielte Haydn-Messe

Die Stimme des Gewissens begegne uns in jedem Menschen, der unserer Hilfe oder einer anderen Form der Zuwendung bedürfe. Das sei ein wichtiger Schritt auf dem Vorbereitungsweg zur Taufe, so der Bischof. Der Bischof meinte, Martin sei ein Vorbild und Beispiel, ein guter Christ zu werden.

Auch wenn das Wetter nicht recht zum freudigen Anlass des Jubiläums passen wollte, konnte das die Reiter beim 300. Martiniritt in Miltach nicht von der Teilnahme abhalten. Fotos: Simon Tschannerl
Auch wenn das Wetter nicht recht zum freudigen Anlass des Jubiläums passen wollte, konnte das die Reiter beim 300. Martiniritt in Miltach nicht von der Teilnahme abhalten. Fotos: Simon Tschannerl

Das Pferd sei mit hineingenommen worden in das Martini-Brauchtum. „Wir werden viele stolze und geschmückte Pferde sehen, die uns daran erinnern, dass der Heilige Martin auf einem Pferd geritten ist und das wunderbare Zeichen der Nächstenliebe gesetzt hat. Ich danke von Herzen allen, die das Brauchtum fortgeführt haben.“ Darum gebe es auch eine neu gestaltete Erinnerungstafel an der Kirche, die an die Treue zum Gelübte erinnere. Es sei eine Freude zurückblicken zu dürfen, auf 300 Jahre Martiniritt. Ein weiteres Jubiläum habe der Trachtenverein zu feiern, dessen Mitglieder seit 50Jahren das Allerheiligste begleiteten. Die Blaskapelle spielte unter anderem Lieder der Haydn-Messe und majestätische Choräle. Nach dem Martinslied, begleitet von Christian Hartl an der Orgel, segnete Bischof Voderholzer eine Erinnerungsfahne für 25-malige und ein Erinnerungsband für 50-malige Ritt-Teilnahme.

224 Reiter folgen Kreuz

Über 200 Reiter folgten dem Kreuz.  Foto: Simon Tschannerl
Über 200 Reiter folgten dem Kreuz. Foto: Simon Tschannerl

Die Kirchenglocken läuteten nach der Messe mit Bischof Rudolf Voderholzer zur anschließenden Prozession. Vorreiter Franz Martin mit dem Kreuz folgten die weiteren 224 Reiter auf herausgeputzten Pferden, die wertvolles Zaumzeug trugen, oftmals auch geschmückt mit Kränzchen aus Papierröserln. Die stolzen Rösser und deren Reiter, meist in Tracht, waren eine Augenweide für die trotz des Regens zahlreich am Straßenrand stehenden Besucher.

Den Reitern aus der Gemeinde Miltach folgten die aus den Nachbargemeinden und eine Abordnung aus der Pfingstrittstadt Bad Kötzting mit leitendem Zugordner Sepp Barth. Betend zogen die Reiter in Richtung Mariahilf-Kapelle. Den Pferden folgten die übrigen Teilnehmer zu Fuß. Hinter der Blaskapelle reihten sich die großen Abordnungen der Vereine ein. Danach schritten die Geistlichkeit mit dem Allerheiligsten unter dem Traghimmel, die Ehrengäste, die MMC und die KDFB-Abordnung und weitere Pfarrangehörige.

Freude zum 300. Jubiläum.  Foto: Simon Tschannerl
Freude zum 300. Jubiläum. Foto: Simon Tschannerl

Die Fürbitten und Litaneien wechselten auf dem Weg ab, vorgetragen von Alois Pielmeier. Die Fußgänger verweilten vor dem geschmückten Feldaltar bei der Mariahilf-Kapelle, während die Martinireiter in Richtung Tiefental weiter zogen, dort umkehrten und beim Vorbeireiten in Höhe des Feldaltars vor dem Allerheiligsten ehrfurchtsvoll den Hut zogen. Im Namen der Gemeinde dankte Bürgermeister Johann Aumeier allen Beteiligten, die trotz des Regens ausgehalten, und allen, die zum Gelingen beigetragen hatten. Die Reiter erhielten zum Jubiläum eine Erinnerungs-Medaille. Mit der Bayernhymne schloss die Feier vor der Kirche. Ein weiterer Programmpunkt war der Eintrag des Bischofs in das Ehrenbuch der Gemeinde. Die künstlerische Gestaltung der Buchseite stammt von Hans Höcherl mit Text und Portrait.

Bischof Voderholzer feierte mit acht weiteren Geistlichen die Messe an der Kapelle.  Foto: Simon Tschannerl
Bischof Voderholzer feierte mit acht weiteren Geistlichen die Messe an der Kapelle. Foto: Simon Tschannerl

Pfarrer Sperl dankte dem Bischof für sein Kommen. Als Erinnerung erhielt er einen Originaldruck mit der Grafik vom Ritt. Landrat Löffler war vom Inhalt und Ablauf des Patronatstages begeistert. „Wie die Miltacher mit ihrem Fest umgehen, ist anerkennenswert.“ Es bedeute ihnen sehr viel, und es solle in der jetzigen Form mit seinem christlichen Inhalt bewahrt werden. Zur Feier des weltlichen Kirchweihtages war Familie Laumer in der Mehrzweckhalle gerüstet. Die Kirtastände wurden von den Kindern gerne besucht. Am Nachmittag bewirtete der Trachtenverein die Gäste und am Abend spielten die „6 lustigen 5“ auf.

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