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Proteste

Mit Blasmusik gegen die Rechtsradikalen

Eine Kundgebung der neonazistischen Partei „Der III. Weg“ ging am Samstag in einem lautstarken Pfeifkonzert unter.

Mit Sprechchören, Transparenten und einem Pfeifkonzert machten die Demonstranten ihre Ablehnung deutlich. Foto: fvd
Mit Sprechchören, Transparenten und einem Pfeifkonzert machten die Demonstranten ihre Ablehnung deutlich. Foto: fvd

Furth im Wald.Begleitet von lautstarken Protesten hat am Samstagnachmittag auf dem Stadtplatz eine Informationsveranstaltung der neonazistischen Partei „Der III. Weg" stattgefunden. Ab 16 Uhr kam eine kleine Gruppe von Anhängern in einem Versammlungszelt zusammen. Bereits eine halbe Stunde vorher hatten sich bei herbstlicher Kälte und Regen etwa 250 Gegendemonstranten eingefunden.

Sie waren dem Aufruf des Oberpfälzer Bündnisses für Toleranz und Menschenrechte gefolgt, der unter anderem von der SPD, lokalen Gewerkschaften, der Linken, den Grünen und Vereinen unterstützt wurde. Der Further „Glüh Wein Klub“ sorgte nicht nur für heiße Getränke, sondern mit einer Kapelle auch für die entsprechende musikalische Unterhaltung.

Pläne für Wunsiedel

So fiel es den Rednern des „III. Wegs“ schwer, gegen die Blasmusik und die Reden der Organisatoren der Gegendemonstration akustisch anzukommen. Ein nicht enden wollendes Pfeifkonzert und lautstarke „Nazis raus!"-Rufe begleiteten den Auftritt der Rechtsradikalen.

Für die Gruppen, die zur Gegendemonstration aufgerufen hatten, traten Vertreter ans Mikrofon (hier Herbert Breu vom DGB). Foto: fvd
Für die Gruppen, die zur Gegendemonstration aufgerufen hatten, traten Vertreter ans Mikrofon (hier Herbert Breu vom DGB). Foto: fvd

„Der III. Weg“ hatte nach Angaben des Oberpfälzer Bündnisses für Toleranz und Menschenrechte in Furth einen Vortrag zum Thema „Körper & Geist“ organisiert. Darüber hinaus wollten die Vertreter der rechtsradikalen Kleinpartei laut einer Pressemitteilung des Bündnisses über die bayerische Landtagswahl sprechen und ein geplantes „Heldengedenken“ in Wunsiedel vorbereiten.

Der Wirt des Gasthauses, in dem das Treffen ursprünglich stattfinden sollte, hatte den Neonazis laut Bündnis-Sprecherin Eva Kappl die Räumlichkeiten gekündigt, weshalb sie sich auf dem Stadtplatz mit Zelt und Grillfest ankündigten. Bis zum frühen Abend verliefen die Nazi-Kundgebung und die Gegendemonstration vollkommen friedlich. „Es war äußerst ruhig und gab keinen Einsatz“, sagte ein Sprecher der Further Polizei gegen 18.30 Uhr in einem Zwischenfazit.

Kurz nach 20 Uhr bilanzierte Vincent Bauer, Leiter der Polizeiinspektion Furth im Wald, den Tag. Wie er auf Anfrage unseres Medienhauses erklärte, stellten die Beamten – auch Unterstützungskräfte aus dem Präsidialbereich waren im Einsatz – am Samstag keine Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten fest. „Aus polizeilicher Sicht war es eine störungsfreie Veranstaltung“, sagte Bauer, der den Einsatz leitete. Abgesehen von kleineren verbalen Provokationen auf beiden Seiten blieb es absolut ruhig.

„Wir können sehr zufrieden sein. Es waren gute Stimmung und tolle Reden.“

Silke Schell, Further SPD

Silke Schell von der Further SPD meinte am Abend in ihrer Bilanz zur Gegenveranstaltung: „Wir können sehr zufrieden sein. Es waren gute Stimmung und tolle Reden.“ Sehr viele Teilnehmer hätten ausgeharrt, bis „Der III. Weg“ gegen 19 Uhr seine Zelte abgebrochen habe. Die Zahl der 250 Gegendemonstranten bezeichnete sie mit Blick auf die Größe der Stadt als „gigantisch“. Das Publikum sei sehr gemischt gewesen – und zu ihrer großen Freude stellte sich „ganz viel Zivilbevölkerung“ im Further Zentrum ein. „Das war genau das, was man erreichen wollte“, sagte Schell.

Austausch und Vernetzung

„Der III. Weg“ war 2014 aus der verbotenen Organisation „Freies Netz Süd“ entstanden. Nach Angaben von Eva Kappl „stellt er sich sowohl symbolisch wie auch programmatisch in die direkte Tradition des historischen Nationalsozialismus“.

Das Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte, das nicht nur dem „III. Weg“ entgegentritt, ist ein überparteiliches Netzwerk von Organisationen, Initiativen, Vereinen, Gewerkschaften und Einzelpersonen. Es hatte sich im Herbst 2016 gegründet. Im Selbstverständnis der Initiative, die sich als Plattform zum Austausch und zur Vernetzung versteht, heißt es: „Wir treten ein für eine offene Gesellschaft, die Vielfalt als Stärke betrachtet und die freie Entfaltung eines jeden Einzelnen ermöglicht“. (fvd/bf)

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