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Freitag, 17. August 2018 28° 2

Fitness

Mit CrossFit auf Erfolgskurs

Uli Huber aus Bad Kötzting hat die Trainings-Methode im Landkreis etabliert. Der Schweiß tropft nun in die Chamer Badstraße.
Von Michael Gruber

Vor wenigen Wochen trat Uli Huber (links) bei den CrossFit-Regionals im Berliner Velodrom vor 8000 Zuschauer als Schiedsrichter an.Foto: Gruber
Vor wenigen Wochen trat Uli Huber (links) bei den CrossFit-Regionals im Berliner Velodrom vor 8000 Zuschauer als Schiedsrichter an.Foto: Gruber

Cham.Auf den ersten Blick wirkt die Arnbrucker Straße wie ausgestorben. Kaum Verkehr, kein Mensch in Sicht. Vier Traktorreifen liegen vor einem hochgezogenem Garagentor und dahinter versteckt sich die geballte Überraschung: „Drei Power-Cleans und sechs Burpee Box-Jump Overs bitte“, sagt Uli Huber und klatscht in die Hände, „Gas geben Leute, merkt Euch die Zahl Eurer Wiederholungen.“

Zwölf Freizeitsportler rotieren in Dreier-Teams wie ein Schweizer Uhrwerk: Die Hantel hoch auf die Schulter, Liegestütze, Strecksprung, noch mal rüber über die Holzkiste, Pause – der Nächste bitte! 15 Minuten dauert es, bis die große Digitaluhr das Ende der Übung anzeigt und in der Bad Kötztinger Crossfit-Box „Black Rain“ läuft alles nach Trainingsplan: Allen tropft der Schweiß von den roten Wangen.

Familiäre Atmosphäre

Im Schnitt trainieren die CrossFit-Sportler in Bad Kötzting mindestens zwei Mal pro Woche. Auf dem Programm stehen unterschiedliche Kraft- und Ausdauerübungen für eine ausgewogene Fitness. Foto: Gruber
Im Schnitt trainieren die CrossFit-Sportler in Bad Kötzting mindestens zwei Mal pro Woche. Auf dem Programm stehen unterschiedliche Kraft- und Ausdauerübungen für eine ausgewogene Fitness. Foto: Gruber

Erschöpft, aber glücklich grinsen sie über beide Ohren: „Wenn Du Dir das ansiehst, merkst Du den Unterschied“, sagt Uli Huber, der als Head-Coach das Sagen in der kleinen Sportgarage hat. „Anders als im Fitnessstudio machst du dir nicht die Stöpsel in die Ohren und trainierst vor Dich hin. Beim CrossFit läuft viel mehr über die Gruppe, die Atmosphäre ist viel familiärer. Das kommt bei vielen sehr gut an.“ Rund 70 Mitglieder – acht pro Training – treffen sich mindestens zwei Mal pro Woche in der ehemaligen Lkw-Garage, wo im Jahr 2015 die erste CrossFit-Box im Landkreis eröffnet hat. Geschwitzt wird dort nicht vor Flatscreens oder schicken Proteinbars wie in den meisten Fitnessstudios. Hier reichen Eisen, Traktorreifen, Deckenringe und ein großes Gestänge für die Klimmzüge. „Bis auf unsere Air-Bikes und die Rudergeräte sind wir hier ziemlich Old Scool“, sagt Huber.

In kleinen Teams mit bis zu vier Personen werden die Fitness-Übungen im Zirkel absolviert. Dabei gibt es entweder eine zeitliche Begrenzungen oder eine feste Vorgabe an Wiederholungen. Foto: Gruber
In kleinen Teams mit bis zu vier Personen werden die Fitness-Übungen im Zirkel absolviert. Dabei gibt es entweder eine zeitliche Begrenzungen oder eine feste Vorgabe an Wiederholungen. Foto: Gruber

Über Crossfit weiß im Landkreis keiner besser Bescheid, wie der 51- Jährige Sportler und Karatekämpfer. Mitte der Nullerjahre hat er den entscheidenden Anstoß für das „Black Rain“ in der Arnbrucker Straße gegeben. Damals schwappten die ersten Youtube-Videos aus den USA ins Netz, erinnert sich Huber: „Zuerst hielt ich Crossfit für ein ganz normales Zirkeltraining – bis ich es in einer Box in München zum ersten Mal ausprobiert habe.“ Im Unterschied zu anderen Trainingsmethoden setze CrossFit unter anderem auf ein Kraft- und Konditionstraining, das zu einer ganzheitlichen und breiten angelegten Fitness verhelfen soll und nicht nur einzelne Muskelgruppen trainiert.

Die Workouts folgen einem festgelegten, ständig variierenden Programm, und können auf den Einzelnen zugeschnitten werden – vor allem aber sind sie eine Überraschung: „Erst wenn die Mitglieder zu uns kommen, lesen sie auf dem Whiteboard, was sie heute erwartet. Wir Trainer überwachen in erster Linie die Bewegungsabläufe und korrigieren bei Bedarf.“ Die ersten Probetrainings hatte Huber nach einem Trainer-Kurs im Kurpark organisiert.

CrossFit ist eine Trainingsmethode, die Anfang der Nullerjahre in den USA populär wurde. Anders als in Fitnessstudios gibt es kaum Geräte in den sogenannten Boxen. Benutzt werden Hanteln oder Deckenringe. Foto: Gruber
CrossFit ist eine Trainingsmethode, die Anfang der Nullerjahre in den USA populär wurde. Anders als in Fitnessstudios gibt es kaum Geräte in den sogenannten Boxen. Benutzt werden Hanteln oder Deckenringe. Foto: Gruber

2010 zog er mit einer kleinen Gefolgschaft in ein altes Lager in der Altstadt, bis die CrossFitter dort ankamen, wo sie heute sind. Doch sollte es für Huber noch weit höher hinaus gehen. Vor drei Wochen stand er im Berliner Velodrom zwischen 800o Zuschauern und den besten Crossfit-Athleten Europas. Als Schiedsrichter prüfte er bei den Europameisterschaften im CrossFit, den CrossFit-Regionals, 40 Frauen, 40 Männer sowie zwanzig Teams aus Nord- und Mitteleuropa, die um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft, die CrossFit Games in Kalifornien, kämpften. „Mit Athleten zu arbeiten, die bereits die CrossFit Games gewonnen haben, ist zwar eine Herausforderung, macht aber auch riesigen Spaß – trotz der Verantwortung“, schwärmt Huber. 1200 Trainer aus ganz Europa hatten sich für das Amt als „Judge“ beworben – 50 wurden ausgewählt. Macht der Athlet seine Übung korrekt? Hält er den Ablauf ein? Hubers Argusaugen waren hier gefragt, was ganz schön an die Substanz geht: „Nach drei Tagen am Stück bist Du bratfertig, aber es war wirklich ein Wahnsinnsgefühl.“

Kein Imponiergehabe

Die Gruppenübungen finden im kleinen Kreis statt. Abhängig vom individuellem Leistungsstand werden gleichstarke Gruppen gebildet. Einsteiger, Fortgeschrittene und Semi-Profis trainieren Seite an Seite. Foto: Gruber
Die Gruppenübungen finden im kleinen Kreis statt. Abhängig vom individuellem Leistungsstand werden gleichstarke Gruppen gebildet. Einsteiger, Fortgeschrittene und Semi-Profis trainieren Seite an Seite. Foto: Gruber

Für ihn sei CrossFit eine Lebenseinstellung – und genauso sieht das auch Frederik Wild. Der Chamer ist Mitbetreiber des „Black Rain“ und kommt beinahe jeden Tag zum Training: „Der Sport ist eine Community, bei uns sind viele Freundschaften entstanden, manchmal sogar mehr. Hier gibt es kein Imponiergehabe wie in den Fitnessstudios. Die goldene Regel lautet: Das Ego muss draußen bleiben“, sagt der 29-jährige Polizeibeamte.

Davon dürfen bald auch die Chamer profitieren: Am 2. Juli will das CrossFit-Team eine Box in der Badstraße 15 eröffnen. 360 Quadratmeter groß ist die Halle neben dem L.A.., die ausreichend Platz für das Workout bietet. Wer etwas Vergleichbares sucht, muss weit fahren: „Anfänglich waren CrossFit-Boxen nur in Großstädten verbreitet“, sagt Huber. „Mittlerweile gibt es rund 400 Boxen in Deutschland und es werden stetig mehr. Cham und Bad Kötzting sind mit die kleinsten Städte mit einer Box.“

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