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Mit Crowd-Investing durchs Zinstal

Kleinvieh macht auch Mist: Das Investment-Modell für Kleinanleger verspricht Renditen von drei bis 15 Prozent im Jahr.
Von Jürgen Kestler

Vor allem für Kleinanleger ist das Crowd-Investing eine interessante Anlagemöglichkeit, sagt Jürgen Kestler. Foto:Getty Images/iStockphoto
Vor allem für Kleinanleger ist das Crowd-Investing eine interessante Anlagemöglichkeit, sagt Jürgen Kestler. Foto:Getty Images/iStockphoto

Cham.Ein paar Euro übrig, doch wohin damit? Im Internet gibt es einige Plattformen, die Geldanlagen bereits mit Einmalbeträgen, teils schon ab zehn, meist ab 100 Euro anbieten. Ist Crowd-Investing der Ausweg für Kleinanleger aus unrentablen Anlagen wie Sparbuch, Tagesgeld und Co.? Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf diesen neuen Trend zu werfen, der Renditen zwischen drei und 15 Prozent im Jahr verspricht. Mit diesen Zinssätzen ist es allemal möglich, der Inflation ein Schnippchen zu schlagen und real wieder mehr Geld ins Portemonnaie zu bekommen. Dazu muss aber auch das Verhältnis zwischen Laufzeit und Zinssatz stimmen. Wie die Zinsen variieren auch die Laufzeiten erheblich zwischen einem bis zu zehn Jahren.

Anlagedauer ist nicht entscheidend

Anders als beim Festgeldsparen ist die Anlagedauer nicht unbedingt entscheidend für die Höhe des Zinssatzes. Je länger, desto mehr ist nicht unmittelbar Renditegrundsatz beim Crowd-Investing. Hier spielen die Investitionsstrategie und das Geschäftsmodell des Anlageanbieters – des Emittenten – eine bedeutendere Rolle. Bei dieser Anlageform stellen Privatanleger Unternehmen nämlich Geld zum Ausbau ihres Geschäftsbetriebs zur Verfügung. Die Zinszahlungen erfolgen teilweise sogar quartalsweise, so dass man als Anleger gut nachverfolgen kann, wie das Investment läuft.

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Jürgen Kestler
Jürgen Kestler

Gerade bei kleinen Anlagebeträgen ist das vorteilhaft, weil man hier nicht ständig wie bei Aktien Börsenkurse checken und seine Strategien ändern muss. Ebenfalls positiv zu bewerten ist der einfache Anlageprozess beim Crowd-Investing. Er läuft komplett online ohne das Ausfüllen von Papiermassen ab und ist für Anleger komplett gebührenfrei. So bleibt der Anlagebetrag unangetastet und kann vollen Ertrag bringen. Beim Crowd-Investing bewegen wir uns auf einem boomenden Markt, dessen Erfolg bislang ungebremst weiter anhält. Allein 122,5 Millionen Euro wurden in Deutschland im ersten Halbjahr 2018 umgesetzt, eine Steigerung zum Vorjahr von 48 Prozent – Tendenz: anhaltend steigend. Der Großteil des Marktes entfällt auf das Immobiliensegment und damit auf Platzhirsch Exporo. Des weiteren teilt sich das Feld in Investitionen auf dem Energiesektor (z. B. GLS Crowd) und Unternehmen auf.

Als erste Plattform in Deutschland hat sich Seedmatch auf die Finanzierung von Start-ups spezialisiert. Moneywell hingegen setzt auf „Grown-ups“, solide deutsche Mittelstands-Unternehmen. Der Investor hat also vielfältige Möglichkeiten, sein Geld zu vermehren oder „loszuwerden“.

Investitionsmöglichkeiten für Privatanleger beschränkt

Dies ist der große Nachteil von Crowd-Investing-Angeboten. Da es sich zu meist um Nachrangdarlehen handelt, besteht, wie bei Aktien und Fonds, immer das Risiko des Totalverlustes, sollte der Emittent wirtschaftlich in Schwierigkeiten geraten. Vor diesem Hintergrund hat der Gesetzgeber die Investitionsmöglichkeiten für Privatanleger auf 10 000 Euro je Emittenten beschränkt. Mittlerweile haben sich aber auch Ratingagenturen auf diesen besonderen Markt spezialisiert und prüfen die Anlagemöglichkeiten auf ein angemessenes Verhältnis von Chancen und Risiken.

Unser Experte

  • Zur Person

    Jürgen Kestler ist zertifizierter Stiftungsberater und Leiter der Niederlassung Süd für die Solvium Capital GmbH.

  • Fachgebiete

    Jürgen Kestler ist Experte für Sachwertanlage in den Bereichen Transport und Logistik. Er ist Ansprechpartner für Vermögensverwalter, Banken, freie Finanzdienstleister, Stiftungen und Investoren.

  • Kontakt

    Solvium Capital GmbH, Niederlassung Süd, Rindermarkt 14, Cham, Telefon (0 99 71) 99 47 48 5, E-Mail cham@solvium-capital.de

Der Anleger sollte daher im Vorfeld immer genau prüfen, wem er sein Geld zur Verfügung stellt. Bei Start-up-Investitionen ist das Risiko grundsätzlich höher einzuschätzen als bei Unternehmen, die sich schon länger am Markt behaupten und mit einem bewährten Geschäftsmodell aufwarten. Start-ups bergen das Risiko, dass das Projekt nicht funktioniert. Experten schätzen, dass 80 Prozent der Start-ups innerhalb von drei Jahren scheitern. Das über Crowd-Investing angelegte Geld ist dann weg.

Um wirklich Rendite einzufahren ist es daher besser, auf gestandene Unternehmen zu setzen, die sich in einer boomenden Branche bewegen, wie zum Beispiel der Logistik. Für diesen Bereich gibt es einige interessante Anlageprodukte von Unternehmen, die ihre Wachstumsstrategien über die Crowd finanzieren, weil sie sich von ihrer Bank missverstanden fühlen.

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