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Freizeit

Mit E-Bikes im Bayerwald steil bergauf

Das Interesse an Rädern mit elektrischem Turbo ist im Raum Kötzting riesig. Darin steckt ein enormes Wirtschafts-Potenzial.
Von Roman Hiendlmaier

 Verleiher, Verkäufer und Verwender von E-Bikes: Manuel Silberbauer  Foto: rh
Verleiher, Verkäufer und Verwender von E-Bikes: Manuel Silberbauer Foto: rh

Bad Kötzting. „Wenn mir das einer vor vier, fünf Jahren gesagt hätte – ich hätt’s ihm nicht geglaubt.“ Thomas Koller aus Lam hat Erfahrung im Fahrradhandel und er glaubt auch, seine Kundschaft im Bayerwald gut zu kennen. Was ihn aber seit ein, zwei Jahren und gerade in den vergangenen Monaten an Interesse an E-Bikes entgegen schwappt, macht ihn nachdenklich: „Jetzt haben wir Ostern, und schon sind die einen oder anderen Modelle für dieses Jahr ausverkauft.“

Tatsächlich scheint in den vergangenen Monaten der Trend im Bayerwald richtig Fahrt aufgenommen zu haben. Ob schnell oder langsam, sportlich oder gemütlich: Immer öfter tritt auf der Straße und am Radweg zwischen den Kurbeln ein Elektromotor mit.

E-Bikes begeistern (fast) jeden

Von Bootswandern bis E-Bike sind auf der Homepage der Werbegemeinschaft Kötztinger Land (www.koetztinger-land.de) Touren zum Ausdrucken oder Herunterladen gespeichert. Auch auf Online-Routenplanern wie Komoot sind viele Touren abrufbar. Foto: kbd
Von Bootswandern bis E-Bike sind auf der Homepage der Werbegemeinschaft Kötztinger Land (www.koetztinger-land.de) Touren zum Ausdrucken oder Herunterladen gespeichert. Auch auf Online-Routenplanern wie Komoot sind viele Touren abrufbar. Foto: kbd

Dabei ist es völlig unerheblich, ob der Radler ein Hardcore-Mountainbiker ist, oder eher zur Fraktion der Genussradler zählt, mit dem Ziel der Einkehr an einer Berghütte. „Mit einem Elektromotor schafft man viele Höhenmeter, die ohne eBike nicht möglich oder sehr anstrengend gewesen wären,“ sagt Manuel Silberbauer. Der Juniorchef des gleichnamigen Bad Kötztinger Autohauses ist selbst passionierter Ebiker und hat die Vorzüge seines von ihm 2015 eingerichteten Geschäftszweigs schätzen gelernt.

Damals hatten seine Eltern im Urlaub die (fast) lautlose Trethilfe aus dem Akku schätzen gelernt. Manuel Silberbauer machte sich ans Werk und ging eine Partnerschaft mit dem oberbayerischen Bike-Hersteller Maxx ein. So stehen seit Mitte vergangenen Jahres eine Flotte der hochwertigen Räder im „Stodheisl“ gegenüber dem Rathaus und im Autohaus zu Verkauf und Verleih bereit.

Mit „Begeisterung in allen Facetten“ beschreibt Silberbauer die Reaktionen seiner Kundschaft nach den ersten Runden auf den Rädern. Viele seien „Ersttäter“, also zum ersten Mal auf einem Elektroradl unterwegs. „Einigen ist klar, dass das nicht die letzte Tour mit einem solchen Leihrad war, andere überlegen gleich, sich ein solches Gefährt zu kaufen – kalt lässt so ein Gefährt keinen, oder fast keinen.“

Pionier in Sachen öffentlicher E-Bike Infrastruktur ist in der Region die Urlaubsregion Furth-Waldmünchen-Hohenbogen. Foto: Baumeister Tourist-Info Neukirchen b.hl. Blut
Pionier in Sachen öffentlicher E-Bike Infrastruktur ist in der Region die Urlaubsregion Furth-Waldmünchen-Hohenbogen. Foto: Baumeister Tourist-Info Neukirchen b.hl. Blut

Die allermeisten Nutzer seien „ganz normale Radfahrer“ zwischen Mitte 20 und Mitte 70, die sich freuen, weil sie mit dem Elektrofahrrad größere Strecken zurücklegen können. „Das verspricht noch mehr sehenswerte Orte und Regionen in weniger Zeit“, sagt Silberbauer. Er selber nutze das E-Radl um nach der Arbeit noch eine Runde zu drehen: „Mit mittelmäßiger Anstrengung auf den Kaitersberg treten, ein paar Minuten Abendstimmung genießen und dennoch nach rund eineinhalb Stunden wieder zuhause ohne fix und fertig zu sein das ist schon etwas Feines.“

Dass auch seine Gäste im Hotel Villa Gutshof in Hohenwarth diesen Genuss haben wollen, ist Peter Grolik aufgefallen. Also hat er im April einen Verleih von E-Bikes begonnen, der nach seinen Worten auch sehr vielversprechend anläuft. „Ich habe noch nicht viel geworben, aber die Fragen zum Thema nehmen zu, dito die Buchungen.“ 19 Euro kostet ein Tag mit einem Mittelklassemodell des Herstellers „Giant“, dessen 500-Watt-Akku bis zu 130 Kilometer stressfreies Strampeln ermöglicht. „Soweit ist bisher noch keiner gefahren,“ schmunzelt Grolik, aber dennoch biete er immer an ein Ladegerät mitzunehmen, schließlich sei das nur noch so groß wie ein Taschenbuch und wiege auch nicht die Welt.

Ladesäulen sind teuer

Frisch gebackener E-Bike-Verleiher an seine Gäste in Hohenwarth: Peter Grolik vor dem Hotel Villa Gutshof Foto: rh
Frisch gebackener E-Bike-Verleiher an seine Gäste in Hohenwarth: Peter Grolik vor dem Hotel Villa Gutshof Foto: rh

Von Seiten der Touristiker hat man die Entwicklung kommen sehen. Bad Kötztings Kurdirektor verfolgt den Durchbruch der E-Mobilität seit 2017 und riet den Hotel- und Gastrobetrieben, sich darauf einzustellen. „Das wurde auch gemacht,“ sagt Barth. Ladestationen hätten die Gasthäuser Lindner und zur Post. Öffentliche Ladesäulen werden allmählich ein Thema, nachdem die Erfahrung zeigt, dass die teuren Räder nicht unbeobachtet irgendwohin gestellt werden, sondern möglichst nahe an den Ort der Rast oder Pause.Am Aqacur könne bereits geladen werden. „Bleiben also Stadtzentrum und Kurpark,“ so Barth. Zur Platzfrage komme aber auch die Preisfrage: Mehr als 7000 Euro kostet allein eine Ladesäule. Hinzu kommen Installation und Infrastruktur zum Abstellen und Absperren der Räder. „Wir sind da bisher vorsichtig und beobachten die Entwicklung,“ sagt Barth. Bisher sehe er keinen Handlungsdruck von Seiten der Stadt. Sollte der jedoch aufkommen, also die Anfragen in der Touristinfo nach öffentlichen Stationen zunehmen, werde man natürlich reagieren.

Dass sich E-Bikes erst am Anfang ihrer Entwicklung befinden, ist Fahrradhändler Thomas Bauer überzeugt. Foto: kli
Dass sich E-Bikes erst am Anfang ihrer Entwicklung befinden, ist Fahrradhändler Thomas Bauer überzeugt. Foto: kli

Dass die Nachfrage steigen wird, sind alle Genannten sich einig. „Die Hersteller beginnen gerade, die Kapazitäten für die E-Bikes auszubauen.“ Steige die Zahl der verkauften Räder, sinke der Preis für die gebotene Leistung und die Attraktivität wächst weiter. Fahrradhändler Thomas Koller: „Ich bin überzeugt, dass wir in Sachen E-Bike erst am Anfang der Entwicklung stehen.“

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