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Mit Fahrrad zwischen die Fronten geraten

Rosa Bruckner durchdrang die Linie zwischen US-Armee und deutschen Kämpfern. Der Krieg war zu der Zeit aber schon beendet.
Von Alfred Bruckner

  • Rosa Bruckner geriet in Lebensgefahr, als der Zweite Weltkrieg gerade beendet war. Foto: Bruckner
  • Rosa Bruckner Foto: Bruckner

Furth im Wald.Rosa Bruckner, die „Schoasterrosl“, Tochter des Schuhmachermeisters Isidor Mühlbauer, fing am 26. April 1945 beim Einkaufen im Bekleidungsgeschäft Gleixner in der Pfarrstraße zufällig die brandaktuelle Nachricht auf, dass Furth im Wald sich kampflos den Amerikanern ergeben habe und der Krieg endlich vorbei sei.

Mit diesem Wissen eilte sie nach Hause und entschloss sich, die Verwandten in der Seuchau zu besuchen. Als sie ihr Fahrrad mit Schwung das Hangstück zur Seuchauer Mühle hinuntersausen ließ, erschrak sie heftig über krachende Schüsse und über die Straße umherpurzelnde Metallteile. Später stellte sich heraus, dass es sich um Patronenhülsen handelte.

Lautstarke Warnrufe hörte sie zwar, konnte sie aber auf die Schnelle nicht deuten, schließlich rief man ihr ja auf Englisch zu. In der Mühle angekommen sprang ihr Felix Schreiner, der sich unter der Brücke in Sicherheit gebracht hatte, mit den Worten: „Bist Du wahnsinnig? Wo kommst den Du her?“ entgegen und zog sie ins deckungsgebende Mühlenanwesen. Sie hatte in ihrem jugendlichen Leichtsinn die „feindliche Linie“ einer finalen, lokalen Kampfhandlung eines eigentlich sinnlosen Scharmützels zwischen US-Einheiten und einer jenseits des Chamb verschanzten deutschen Kampftruppe glücklicherweise schadlos durchdrungen. Den Krieg musste sie hautnah und lebensbedrohlich bereits einige Wochen vorher erleben. Auf dem Wege zur ihrer Lehrstelle als Damenschneiderin in Schwarzenberg bemerkte sie, dass sich ein Tiefflieger aus seiner Formation löste und grob in ihre Richtung abdrehte. Spontan warf sie ihr Fahrrad in den Straßengraben und suchte Schutz in einem nahen Bauernhof. Das Flugzeug dröhnte über sie hinweg. Am nächsten Tag wurde bekannt, dass in der Gegend eine junge Frau auf offenem Feld von Tieffliegern erschossen worden war.

Rosa Bruckner

  • Hilfe:

    In der ältesten Tochter Johanna Dresely fand sich als jugendliche, angehende Bankkauffrau glücklicherweise eine kompetente Unterstützerin. Deren aufopferndes Engagement für Rosa und Familie hielt über Jahrzehnte an und gipfelte in einer beileibe nicht weniger aufwendigen Pflegebetreuung bis zum Lebensende hin .

  • Ende:

    Am Aschermittwoch ist Rosa Bruckner im Alter von 92 Jahren gestorben. Sie hatte fünf Jahre im BRK-Pflegeheim verbracht.

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