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Monitoring

Mit Fotofallen auf „Luchsjagd“

Die Wildlandstiftung stattet die Jäger im Lamer Winkel mit 30 Kameras aus, um solide Daten zum Luchsvorkommen zu sammeln.
Von Alois Dachs

Alle Chancen, ein Fotostar zu werden: Luchse im Lamer Winkel werden mit Wildkameras überwacht. Foto: Rabl-Dachs
Alle Chancen, ein Fotostar zu werden: Luchse im Lamer Winkel werden mit Wildkameras überwacht. Foto: Rabl-Dachs

Lam.Eine deutliche Versachlichung der Diskussion um Luchsvorkommen im Bayerischen Wald und im angrenzenden Böhmerwald erhoffen sich alle Beteiligten von einer Aktion, die mit Unterstützung der Jäger im Lamer Winkel von der Wildlandstiftung Bayern gestartet wurde. Bei einer Zusammenkunft der Waidleute aus dem Lamer Winkel übergab kürzlich Eric Imm, Geschäftsführer der Wildlandstiftung Bayern, die eng mit dem Landesjagdverband kooperiert, 30 Wildkameras an die Jäger, mit deren Hilfe Zahl und die Streifgebiete der Luchse im Lamer Winkel in Zukunft genau verifiziert werden sollen.

Leihweise für zwei Jahre stellt die Wildlandstiftung die 30 Kameras im Wert von rund 8000 Euro den Jägern im Lamer Winkel zur Verfügung, damit in einem flächendeckenden Monitoring möglichst viele Daten über die hier vorkommenden Luchse gesammelt und in Zusammenarbeit mit einer Universität für ein Forschungsprojekt ausgewertet werden können.

Die dabei gewonnenen Daten werden direkt an das Landesamt für Umweltschutz weitergegeben, in dessen Auftrag bisher Luchsbetreuerin Sybille Wölfl mit Hilfe mehrerer Wildkameras seit Jahren die Population der Großkatzen im Lamer Winkel und der Kaitersberg-Region dokumentiert.

Zahl der Kameras verdoppelt

Schon seit über einem Jahr haben die Jäger im Lamer Winkel in einer von Heinrich Moser aus Sommerau koordinierten Aktion, bei der 30 von den Jägern selbst finanzierte Wildkameras im Einsatz sind, über 60 Erfassungen von zwölf bis 13 Luchsen in der Hegegemeinschaft Lamer Winkel dokumentiert. Moser wies auch darauf hin, dass drei bekannte Luchse, deren illegale Tötung Jägern im Lamer Winkel unterstellt worden war, inzwischen in angrenzenden Waldgebieten wieder lebend fotografiert wurden.

Luchs und Auerhahn vertragen sich nur auf dem Plakat. Der Auerwild ist Luchsbeute. Foto: Rabl-Dachs
Luchs und Auerhahn vertragen sich nur auf dem Plakat. Der Auerwild ist Luchsbeute. Foto: Rabl-Dachs

Nach dem Fund von abgetrennten Luchspfoten waren die Jäger ins Visier der Medien geraten, die sich mit Berichten über „Luchsmorde“ im „Bermudadreieck für Luchse“ gegenseitig überboten. Langwierige polizeiliche Ermittlungen führten schließlich zu einer Hausdurchsuchung im Gemeindebereich Lohberg, die Auswertung dabei gefundener, möglicher Beweismittel dauert immer noch an.

Für Bruno Ebner, den Vorsitzenden der Kreisgruppe Bad Kötzting im Landesjagdverband, ist die Verdoppelung der Wildkameras durch die Bereitstellung von 30 weiteren Geräten über die Wildlandstiftung ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Auch Diplom-Biologe Manfred Wölfl, Verantwortlicher für das Netzwerk „Große Beutegreifer“ in Bayern beim Landesamt für Umweltschutz, empfahl von Anfang an die Aufstellung zusätzlicher Kameras, um eine möglichst lückenlose Erfassung der Luchse im Lamer Winkel sicher zu stellen. Mit den Fotofallen ist das relativ einfach, weil jeder Luchs eine typische Fellzeichnung hat.

Eine Totalüberwachung des Waldes müssen Wanderer und Waldbesitzer auch bei 60 Wildkameras im Einsatz nicht befürchten. Dieser Einsatz unterliegt strengen Datenschutzrichtlinien.

Nicht nur nach den Erfahrungen der Jäger im Lamer Winkel steht außer Zweifel, dass die Luchse großen Einfluss auf das Rehwild haben. So könnten 50 bis 130 Prozent der in den Abschussplänen vorgesehenen Rehe unter Umständen Beute der Luchse werden, räumt auch Manfred Wölfl ein. Mit den zusätzlichen Wildkameras soll auch dokumentiert werden, welche Luchse in welchem Revier sesshaft sind, oder nur gelegentlich dort auftauchen.

Streckenlisten ehrlich führen

Für Bruno Ebner und Hegeringleiter Robert Klingseisen ist deshalb von entscheidender Bedeutung, dass sich der Einfluss des Luchses auch in den Abschussplänen und Streckenlisten niederschlägt. Das forderte auch Ronald Burger von der Unteren Jagdbehörde beim Landratsamt, der in Aussicht stellte, bei der Abschussplanung für die Jahre 2019 bis 2021 den Einfluss des Luchses zu berücksichtigen. Er riet dazu, bei der Forstverwaltung bis zum 28. Februar revierweise Aussagen und Waldbegänge zu beantragen. Kreisjagdberater Rudolf Freimuth würde es sehr begrüßen, wenn auch Tierparks und Züchter genau dokumentieren würden, wohin sie Jungtiere abgeben. Diese Angaben müssten auch dem Landesamt für Umweltschutz zur Verfügung stehen, sagt Freimuth.

Kennzeichnend für den Lamer Winkel sind die über 20 Eigenjagdreviere, auf deren teilweise kleinen Flächen sich der Einfluss des Luchses besonders auswirkt, wenn der jeweilige Abschussplan nur die Erlegung von wenigen Rehen vorsieht.

Eine „Totalüberwachung des Waldes“ müssen Wanderer und Waldbesitzer auch bei 60 Wildkameras im Einsatz nicht befürchten. Dieser Einsatz unterliegt strengen Datenschutzrichtlinien, die unter anderem besagen, dass jede Kamera gekennzeichnet werden muss. Fotos von zufällig vorbeikommenden Personen sind unverzüglich zu löschen, informierte Ronald Burger die Jäger.

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