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Wirtschaft

Mit Sonne und Wind in die Zukunft

Zwei Tage standen erneuerbare Energien bei der Tagung bayerischer und österreichischer Solarinitiativen in Roding im Fokus.
Von Alois Dachs

Moderator Rudolf Heinz, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Energieexperte Dr. Gerd Rosenkranz, Christoph Schneider von den Stadtwerken Haßfurt und Ramona Wüst (Fridays for Future) diskutierten die Energiewende beim zweitägigen Kongress in der Rodinger Stadthalle.  Fotos: Alois Dachs
Moderator Rudolf Heinz, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Energieexperte Dr. Gerd Rosenkranz, Christoph Schneider von den Stadtwerken Haßfurt und Ramona Wüst (Fridays for Future) diskutierten die Energiewende beim zweitägigen Kongress in der Rodinger Stadthalle. Fotos: Alois Dachs

Roding.Aufbruchstimmung herrscht angesichts der notwendigen Energiewende bei den Solarinitiativen in Bayern und Österreich, die sich am Wochenende zu ihrem 27. Kongress in der Stadthalle Roding trafen. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei die regionale Wertschöpfung bei der Energieerzeugung mit Photovoltaik, Windrädern und Wasserstoff-Technologie. Der Verein Energie-Wende Landkreis Cham unter Führung von Johann Christl aus Arnschwang peilt als Ziel die Unabhängigkeit der Region vom Diktat der Stromkonzerne an.

Viele Facetten der notwendigen Energiewende wurden am Freitag und Samstag bei Exkursionen und der Tagung in der Rodinger Stadthalle diskutiert. Als Schirmherr der Veranstaltung machte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger klar, dass die Zahl der Photovoltaikanlagen noch drastisch steigen muss und neben Dachanlagen auch zwischen 70 und 150 Freiflächen an Autobahnen und Bahnstrecken dafür genutzt werden müssen. Durch Speicherlösungen, Pumpspeicherkraftwerke und „so wenig Stromtrassen, wie möglich“ solle der Ausstieg aus Kohle- und Atomstrom umgesetzt werden, forderte Aiwanger.

Wertschöpfung sichern

In der Stadthalle gab es mit den zahlreichen Ausstellern rege Diskussionen über aktuelle Solar- und Windstrom-Entwicklungen. Foto: Alois Dachs
In der Stadthalle gab es mit den zahlreichen Ausstellern rege Diskussionen über aktuelle Solar- und Windstrom-Entwicklungen. Foto: Alois Dachs

Der Minister sieht in der verstärkten Nutzung von Sonnenstrom und Windenergie eine Wertschöpfung für den ländlichen Raum. „Sonnenstrom möglichst auf jedem Dach“ und den Einsatz der Wasserstoff-Technologie zur Stromspeicherung sieht Aiwanger als wichtigste Forderungen. Wie sich ein Raum zu 100 Prozent von Stromkonzernen unabhängig machen kann, erläuterte in seinem Vortrag Christoph Schneider von den Stadtwerken Haßfurt, die durch intelligente Nutzung aller Ressourcen und Digitalisierung einen Versorgungsgrad von 120 Prozent für ihr Stadtgebiet erreicht haben.

Energie

Auch ohne Wind bei der Wende erfolgreich

Vor 20 Jahren wurde der Strommarkt liberalisiert – und die Chamer Landkreisbürger schoben die Energiewende vor Ort an.

Den Vorschlag des Ministers, Wasserstoff über die Nordstream2-Pipeline aus Russland, eventuell auch von den bisherigen Öllieferanten am Golf zu beziehen, nannte in der folgenden Podiumsdiskussion Ramona Wüst von „Fridays for future“ einen Irrweg.

Aktuelle Energie-Initiativen

  • Laufzeit:

    Für rund 20 000 Photovoltaik- und Biogasanlagen in Deutschland endet 2021 die EEG-Förderung nach 20 Jahren. Mit einer Internet-Petition unter dem Motto „Kein Aus für Solaranlagen nach 20 Jahren“ wirbt der Förderverein Solarenergie Deutschland dafür, mit noch funktionsfähigen Anlagen weiter Strom ins Netz einspeisen zu dürfen. Innerhalb von zwei Wochen haben bereits über 16 000 Unterstützer die Petition unterschrieben.

  • Windenergie:

    Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fordert Unterstützung für Windenergie-Projekte. Zahlreiche Anträge lägen vor, von Umweltverbänden würden geplante Windkraftanlagen aber regelmäßig beklagt.

  • Wasserstoff-Technologie:

    Der Einsatz von Wasserstoff zur Stromspeicherung wird allgemein befürwortet, die Solarinitiativen fordern dabei eine regionale Wertschöpfung unter weitgehendem Ausschluss großer Energiekonzerne.

  • Speichertechnik:

    Der Speicherung von Strom kommt immer mehr Bedeutung zu. Zukunftsfähige Speicherlösungen wurden bei Fenecon in Deggendorf und Siemens in Cham (Junelight Smart Battery) von den Tagungsteilnehmern erkundet.

Zuvor hatte Landrat Franz Löffler in seinem Grußwort die Pionierarbeit beschrieben, die auf dem Sektor erneuerbare Energien im Landkreis Cham– speziell im Bereich Waldmünchen – geleistet wurde. Rund 64 Prozent des Verbrauchs im Jahresverlaufs kämen hier bereits aus erneuerbaren Energien. Wie zuvor Hubert Aiwanger forderte er die Befreiung von der EEG-Umlage für Solaranlagen bis 40 kW Leistung. Auch müsse die Nutzung von Solarstrom in Mietshäusern und Gewerbebetrieben entsprechend gefördert werden.

Klimaziele deutlich erhöhen

Moderator Rudi Heinz wollte von Hubert Aiwanger wissen, wie er den „Klimadeckel“ mit 52 Gigawatt beurteilt. Aiwanger kämpft gegen diese Lösung aus Berlin mit Unterstützung von Ministerpräsident Markus Söder. „Ich erwarte Druck von der bayerischen Staatsregierung, dass die Klimaziele erhöht werden“, sagte Ramona Wüst von der Jugendinitiative „Fridays for future“. Um die Energiewende zu realisieren brauche Bayern ein Vielfaches der bisherigen Solaranlagen und mindestens 100 Windräder. „Aber wo werden die stehen?“, fragte die Aktivistin.

Energie

Kein Rückenwind für Chamer Windkraft

Auch wenn Söder Windräder in die Wälder Bayerns bauen will: Windkraft wird im Landkreis auch künftig die Ausnahme bleiben.

„Das Geschäft ist härter geworden“, räumt der Wirtschaftsminister ein. Dr. Gerd Rosenkranz von der AGORA Energiewende, einer der führenden Experten in Deutschland, machte deutlich, dass ohne Nutzung der Windenergie die Unabhängigkeit von großen Stromkonzernen nicht möglich ist. „Ein Windrad bringt Strom für 7000 Bürger“, sagte Dr. Rosenkranz, „Energiewende ohne Leitungen und ohne Windräder geht nicht“. Den Gegnern von Stromleitungen und Windrädern schrieb er ins Stammbuch: „Es gibt kein Grundrecht auf 90 Jahre unverändertes Lebensumfeld“. In der Diskussion wurde auch kritisiert, dass nun die Bürgermeister die Folgen der 10-h-Regelung beim Bau von Windrädern ausbaden sollten, die von der Staatsregierung eingeführt wurde. Hubert Aiwanger vertrat die Meinung, die notwendige Akzeptanz für Windstrom sei nur durch Bürgerbeteiligung beim Bau solcher Anlagen zu erzielen.

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