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Region Cham
Sonntag, 23. September 2018 23° 6

Bildung

Mit Sprache gelingt Integration leichter

Die Deutschkurse in Waldmünchen sollen den ausländischen Mitbürgern vermitteln, was unsere Sprache ausmacht.
Von Ingrid Milutinovic

Die Hausaufgaben werden besprochen – nicht nur mit Kursleiterin Inga Girg, sondern auch miteinander in der Gruppe. Fotos: Milutinovic
Die Hausaufgaben werden besprochen – nicht nur mit Kursleiterin Inga Girg, sondern auch miteinander in der Gruppe. Fotos: Milutinovic

Waldmünchen.Die Neubürgerbegrüßung, die alljährlich im Mehrgenerationenhaus die Neuwaldmünchener auf die vielen Angebote aufmerksam machen soll, trägt Früchte. Eine syrische Frau, die die Gelegenheit zur Information wahrgenommen hatte, kam nach Ende der Veranstaltung zu Susi Nock als „Hausherrin“ mit der Frage, ob es nicht möglich sei, im Mehrgenerationenhaus Deutschkurse für Neubürger aus anderen Ländern anzubieten.

Nock musste nicht lange überlegen. Schließlich hat das Mehrgenerationenhaus als Schwerpunkt das Thema „Flucht und Asyl“, betont sie und ein Sprachkurs sei der perfekte Beitrag zur Integration. Kristina Schlaegel, ebenfalls im Mehrgenerationenhaus tätig, war bald mit eingebunden und sie stellte dann auch den Kontakt zu Inga Girg her.

Die Grundschullehrerin war sofort bereit, sich für das Projekt zu engagieren und auch ihre Mutter Sabine stellte sich der Aufgabe.

Anfänger und Fortgeschrittene

Inga Girg erläutert mit viel Geduld die Grammatik. Fotos: Milutinovic
Inga Girg erläutert mit viel Geduld die Grammatik. Fotos: Milutinovic

Aus der Idee entstanden ist inzwischen ein Anfänger- und ein Fortgeschrittenenkurs. Ungefähr 18 Teilnehmer sind es, die die Kurse besuchen, mehr als die Hälfte davon sind Frauen, ein ganz klarer Beweis, dass das Konzept richtig ist. Mit Kindergartenzeiten und Nachmittagsbetreuung ist der Besuch problemlos organisierbar. Susi Nock freut sich über den Lerneifer. Die Teilnehmer sind hoch motiviert, kommen pünktlich und regelmäßig, stellt sie fest. Der erste Block mit zehn Unterrichtsstunden sei inzwischen vorbei und alle möchten unbedingt weitermachen – dank des Engagements von Inga und Sabine Girg wird dies auch möglich. Inga Girg ist Grundschullehrerin und weiß also schon deshalb ganz genau, wie sie das nötige Wissen an den Mann beziehungsweise an die Frau bringen kann. Ihre Mutter Sabine Girg hat Erfahrungen aus ähnlichen Kursen in Cham. Die Kurse haben sie untereinander aufgeteilt. Sabine Girg betreut die Anfänger.

Neuer Kurs startet

Hier geht es vor allem erst einmal darum, die Schrift zu lernen. Das fällt vielen nicht wirklich einfach. Danach geht es daran, einfache Texte zu lesen. Dieser Kurs beginnt demnächst wieder. Bei Inga Girg kommt dann der nächste Schritt. Die deutsche Grammatik stellt die Teilnehmer zwar vor große Aufgaben, aber die Motivation ist hoch. Das konnte man am Dienstagnachmittag ebenso deutlich spüren, wie den Zusammenhalt in der Gruppe.

Deutsch lernen

  • Ziel:

    Die Kurse sollen das Erlernen beziehungsweise Verbessern der deutschen Sprache vor Ort ermöglichen. Die Kurse sollen nicht nur einen Beitrag zur Integration leisten, sondern die Teilnehmer auch aus einer möglichen Isolation herausholen.

  • Zielgruppe:

    Neubürger aus anderen Ländern, die ihre neue Heimat in Waldmünchen gefunden haben. Alle Kursteilnehmer sind hoch motiviert und kommen regelmäßig. Vor allem für Frauen mit Kindern ist es oft schwierig, entsprechende Kurse in Cham zu besuchen.

  • Engagement:

    Betreut werden die Kurse von Grundschullehrerin Inga Girg und ihrer Mutter Sabine Girg, die in Cham schon Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt hat.

  • Kosten:

    Da diese von den Teilnehmern aus eigener Tasche getragen werden müssen, werden sie so niedrig wie möglich gehalten. Sie sollen kein Hinderungsgrund für die Teilnahme sein.

Eine kleine Diskussion entspann sich schnell: über die verschiedenen Sprachen in den unterschiedlichen Ländern, die Muttersprachen – immer wieder unterbrochen von einem kleinen Scherz oder auch einem herzhaften Lachen – darüber, welche Sprache man wo gebraucht habe und natürlich auch über das Wissen, was jetzt wichtig sei.

Wie eine „Schulstunde“

Dann ging es zu wie in einer „richtigen“ Schulstunde. Hausaufgaben hatte es gegeben. Mit jedem Einzelnen sprach Inga Girg die Ergebnisse durch. Fragte nach, erläuterte, korrigierte. Und das alles mit einer Ruhe, die keinerlei Hektik oder gar Frust, weil sich wieder einmal ein Fehler eingeschlichen hatte, aufkommen ließ. Aber auch die Teilnehmer untereinander besprachen die Ergebnisse, froh über jeden Hinweis.

Immer wieder gab es Zusammenfassungen vom bisher Gelernten. „Wie frage ich nach ...“ hieß es dann als Aufgabe für die Teilnehmer, und: „Wie frage ich nach dem Nominativ oder dem Genitiv?“ Und es folgten die verschiedenen Fälle, nach denen gefragt wird mit „wer ist das?“ oder „wem gehört das?“ Und immer wieder gab es dazu die Erläuterungen, warum dies so ist und wie sich die Endungen verändern. Wie ist das mit der „Vergangenheit“ war ein weiteres Thema. Zuerst vorsichtig, wurden die Teilnehmer dann mutiger. Und ganz schnell wurde klar: Hier sitzt eine Gruppe, die etwas lernen will, die sich integrieren will. Eine Gruppe, die erkannt hat, dass die Sprache der Schlüssel ist, in Kontakt mit anderen zu kommen – ganz wie Susi Nock es gehofft hat.

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