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Mittwoch, 19. September 2018 25° 1

Umwelt

Mit Vollgas in die E-Mobilität

Autos sind Fortbewegungsmittel und kein Statussymbol. Professor Dr. Josef Weber war zu Gast bei der „Grünen Woche“ in Furth.
Von Monika Kammermeier

Zentrales Thema von Professor Weber war der CO-Ausstoß und die fatalen Folgen für die Umwelt. Foto: dpa/Oliver Berg
Zentrales Thema von Professor Weber war der CO-Ausstoß und die fatalen Folgen für die Umwelt. Foto: dpa/Oliver Berg

Furth im Wald.Die Mobilität in der Zukunft wird sich ändern müssen, auch wenn sich der Deutsche schwer von seinem Auto trennt. So lautete das Fazit des Vortrags über E-Mobilität von Professor Dr. Josef Weber, ehemaliger Vorstand von Technik und Entwicklung der Zollner AG im Rahmen der Grünen Woche im Rathaussaal. Die Jugend hätte bereits die Zeichen der Zeit erkannt und denke bezüglich der Mobilität mehr zweckgebunden.

Bürgermeister Sandro Bauer hatte seinen früheren Chef als Referenten in die Drachenstich-Stadt aufgrund seines fundierten Wissens gebeten. „Und er ist kein Lobbyist“, betonte Bauer. Professor Weber war 13 Jahre lang Vorstand für Technik und Entwicklung bei der Firma Zollner in Zandt. Als Physiker ist er nun am Technologie Campus Cham tätig.

Ohne Energie geht nichts

Zentrale Themen des Abends waren die E-Mobilität und die Energiebilanz. Mobilität sei ein physikalisches Thema und aktuell ein absoluter Megatrend. „Aber die eierlegende Wollmilchsau gibt es hier nicht“, stellte Professor Weber gleich eingangs klar. Mit Mobilität und Furth verbinde er den Schreitroboter. So ein Monster zu bewegen war eine Herausforderung. Sowohl bei seiner früheren Tätigkeit, als auch jetzt in seiner Funktion beim Technologie-Campus, stünden die Mobilitätskonzepte der Zukunft im Mittelpunkt. Und dazu gehören Autos, Abgase, Informatik, Ozon, Kohlenstoffdioxid und Umweltplaketten! Dabei seien Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ein großes Thema.

Der Aktionswoche entsprechend bedankte sich Bürgermeister Sandro Bauer bei Professor Dr. Josef Weber (li.) mit einem „grünen Geschenk“Foto: kmo
Der Aktionswoche entsprechend bedankte sich Bürgermeister Sandro Bauer bei Professor Dr. Josef Weber (li.) mit einem „grünen Geschenk“Foto: kmo

Für die Mobilität brauche es Energie und Weber griff bei seinem Bildervortrag auf den technischen Wandel und die geschichtliche Entwicklung zurück: von der Handarbeit zur Mechanisierung und Elektrifizierung bis hin zur Miniaturisierung. Die Digitalisierung habe einen enormen Einfluss auf die Mobilität. Die Erfindung des Rades sei ein großer Einschnitt in die Natur gewesen, denn in der ganzen Bionik zeige sich kein Rad. Fossile Brennstoffe, Dampf und elektrische Energien seien die Antriebsstoffe, der elektrische Anlasser war ein Durchbruch. Heute gebe es E-Bikes, Sagways und Hoverboards. Es gebe eine Explosion was die Anzahl der Fahrzeuge weltweit betreffe; derzeit 1,2 Milliarden und man rechne 2050 mit 2,7 Milliarden Autos auf der ganzen Welt. Was macht da die Umwelt?, fragte Weber und nannte sofort das Stichwort „Erderwärmung!“ Darüber habe man erst noch gelächelt. Seit 1960 gebe es allerdings einen Temperaturanstieg um fast ein Grad, weltweit. Das seien die Folgen der Industrialisierung und Automobilität. Die Konsequenzen seien Stürme, Überschwemmung, Erhöhung der Meeresspiegel, Abschmelzen der Pole, Katastrophen.

Wer habe Schuld? Mit der Industrialisierung gebe es einen kontinuierlichen CO2-Anstieg, das Treibhausgas. Die Problematik: Wald und Meer seien dafür eigentlich gute Absorber. Aber der Wald werde gerodet und das erwärmte Meer absorbiere das CO2 nicht mehr so gut. CO2 sei ein Riesenproblem, an dem die ganze Welt vereint arbeiten müsse. Das Ozonloch sei zwar kleiner geworden, aber die Ozonschicht insgesamt dünner. China sei der größte CO2-Produzent, gefolgt von den USA. Das Internet sei ein großer CO2-Verursacher. Jede Google-Anfrage verursache CO2 und die großen Rechenzentren seien dort, wo die Energie billig sei. Benzinmotoren hätten übrigens einen größeren CO2-Ausstoß als Dieselfahrzeuge, kam Weber auf die aktuelle Diskussion zu sprechen. Aber es gehe auch um Feinstaubabgaben. „Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein müssten!“

Die Zukunft gehöre den alternativen Energiequellen. Eine echte Alternative sei das Gas, wobei die Infrastruktur und die Reichweite ein Problem seien. Problemfelder bei den E-Fahrzeugen seien die Reichweite, die Tankstellen, die Kosten, die Batterie und die Umweltbilanz. Reserven für das Lithium in den Batterien habe der Kongo, Chile und China. Die größten Fabriken gebe es in Südkorea, China und Japan.

Der Mix ist die Lösung

Das Laden der Batterien sei noch verbesserungswürdig. In Holland gebe es bereits Ladestationen mit hohen Leistungen. Trotz vieler noch zu lösender Probleme sieht Prof. Weber keine Alternativen zu den E-Fahrzeugen. Nur mit ihnen seien die Grenzwerte einzuhalten.

E-Mobilität mache jedoch erst mit einem Ökostrommix Sinn. Man brauche alternative Energien, um den CO2-Ausstoß weltweit zu reduzieren. Wasserstoff-Fahrzeuge seien schadstofffrei, verursachten aber hohe Kosten. Ein idealer Mix seien die Brennstoffzelle und Hybridfahrzeuge. Aber am wichtigsten sei das Umdenken in Sachen Mobilität. Autos seien Fortbewegungsmittel und kein Statussymbol. Nicht „Höchsttempo“ bestimme die Mobilität der Zukunft, sondern eine smarte Mobilität. Megatrends hätten Einfluss auf das Mobilitätskonzept wie die Demografie, die Globalisierung und die Individualität. Der Zugang zur Mobilität sei wichtiger als der Besitz. Das eigene Auto werde an Dominanz verlieren und mehr Mittel zum Zweck werden – auch im ländlichen Raum. Der könnte wieder attraktiver werden, wegen der Mietpreise und der Umweltbedingungen und könnte so eine Renaissance erfahren.

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