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Politik

Mittelschule Roding hat bereits gewählt

117 Neunt- und Zehntklässler durften am Dienstag den Landtag wählen – das Ergebnis gibt es aber erst am Sonntag ab 18 Uhr.
Von Christoph Klöckner

Wie im richtigen Leben: Die versiegelte Wahlurne wartet auf die Stimmen der Neunt- und Zehntklässler – und einer passt auf, das alles richtig läuft. Foto: ck
Wie im richtigen Leben: Die versiegelte Wahlurne wartet auf die Stimmen der Neunt- und Zehntklässler – und einer passt auf, das alles richtig läuft. Foto: ck

Roding.Eines gibt es nicht – eine aktuelle Umfrage mit den Trends der Schüler der neunten und zehnten Klassen der Rodinger Mittelschule. Dabei hätten es die Wahlforscher hier einfach – schließlich treten an diesem Morgen nur 117 Jugendliche an die Wahlurne, um ihre Stimme abzugeben.

Ansonsten ist aber alles, wie es die meisten Bayern am Sonntag im Wahllokal antreffen werden. Alle Schüler bekamen eine Wahlbenachrichtigung zugestellt, es wurde ein Wahlregister erstellt und – es gab „echte“ Landtagsstimmzettel. Die schauen hier in der Mittelschule genauso aus, wie die am Wahltag selbst.

An den Wahlbeauftragten der 10a müssen die Mittelschüler erst vorbei, bevor sie wählen dürfen.  Foto: Klöckner
An den Wahlbeauftragten der 10a müssen die Mittelschüler erst vorbei, bevor sie wählen dürfen. Foto: Klöckner

Auch hier stehen die Oberpfälzer Kandidaten der einzelnen Parteien für den Landtag drauf. Nur ist der Stimmzettel deutlich kleiner als das Original, das als Muster an der Wand im „Wahlraum“, der Mensa der Schule, hängt.

Die Urne ist sogar verplombt

Die Stimmzettel bekommen die Schüler an diesem Morgen aber erst, nachdem sie schlangestehend an ihren Klassenkameraden der 10a, Daniel Werner und Philipp Seidl, vorbeigekommen sind. Die sind zum Wahlvorstand berufen, kontrollieren die Wahlbenachrichtigungen und haken die Namen im Wählerverzeichnis ab. Dann erst dürfen immer zwei zu den Wahlkabinen, um ihre Kreuze auf den zwei Zetteln zu machen.

Wenn die Entscheidung hinter der Wand einmal länger dauert, kommt schon einmal der Lehrer-Rat, auf jedem Zettel sei nur ein Kreuz zu machen. Wer es geschafft hat, wirft seine Stimmzettel in die verplombte Wahlurne, über die gerade Sarah Kaufhold wacht.

Die Vollausstattung für die Schulabstimmung kommt von einem Demokratieprojekt namens „Juniorwahl“, an dem sich die fünf 9. und die zwei 10. Klassen der Mittelschule Roding beteiligt haben. In einigen Unterrichtseinheiten über sechs Stunden haben die Schüler das Wahlprozedere kennengelernt.

Es gab sogar Wählerverzeichnisse und „echte“ Stimmzettel – nur etwas kleiner als normal Foto: Klöckner
Es gab sogar Wählerverzeichnisse und „echte“ Stimmzettel – nur etwas kleiner als normal Foto: Klöckner

Wie nötig ist solch eine Demokratie-Erziehung an Schulen? Günter Kaniber, Rektor der Grund- und Mittelschule Roding, sieht schon einigen Bedarf, um die Kinder und Jugendlichen politisch zu bilden, „wenn man sich die Aggression anschaut, wie heute in der Politik miteinander gesprochen wird.“

Leon Rappen (16) gibt zu, dass er wenig politikinteressiert ist: „Das ist mir zu langweilig!“ Dennoch wusste Leon Rappen, was er wählen wollte. Er wisse auch einige Ziele der Parteien, interessant sei das aber eher nicht für ihn. Foto: Klöckner
Leon Rappen (16) gibt zu, dass er wenig politikinteressiert ist: „Das ist mir zu langweilig!“ Dennoch wusste Leon Rappen, was er wählen wollte. Er wisse auch einige Ziele der Parteien, interessant sei das aber eher nicht für ihn. Foto: Klöckner

Er verweist auch auf die vielen Diktaturen in der Welt, über die man den Nachwuchs informieren müsse – auch um den Kontrast zu Deutschland klarzumachen und dabei das Wertvolle unserer Demokratie herauszustellen. Und den Jugendlichen dabei deutlich zu machen, dass es nicht selbstverständlich ist, in Frieden und Freiheit zu leben. Die Ergebnisse der Jugendwahl an der Mittelschule werde es erst am Wahlabend geben, ab 18 Uhr, sagt Rektor Günter Kaniber. Dass das Ergebnis erst dann öffentlich werden soll, hält er für fair – ansonsten könne es womöglich noch die echte Wahl beeinflussen.

Jugend für CSU und Grüne

Bayernweit gibt es jedoch bereits Ergebnisse der Jugendwahl U18. Demnach gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen von CSU und Grünen mit jeweils etwa 24 Prozentpunkten. Bei etwa 60000 jugendlichen Teilnehmern der vom Bayerischen Jugendring veranstalteten Wahl dürfte das Ergebnis relativ repräsentativ sein.

 „Ich bin schon an Politik interessiert, da sie bei uns ein entscheidender Faktor ist!“, sagt Philipp Seidl (15). Was ihn stört, sind die Diskussionen, die zu erwachsenenlastig sind: „Es gibt zu wenig Jugendthemen.“ Doch wählen gehen würde er in jedem Fall. Foto: Klöckner
„Ich bin schon an Politik interessiert, da sie bei uns ein entscheidender Faktor ist!“, sagt Philipp Seidl (15). Was ihn stört, sind die Diskussionen, die zu erwachsenenlastig sind: „Es gibt zu wenig Jugendthemen.“ Doch wählen gehen würde er in jedem Fall. Foto: Klöckner

Demnach käme die SPD auf elf, die AfD auf acht Prozent, die FDP auf sechs und die Freien Wähler auf fünf Prozent. Die Linke würde es nicht schaffen.

Mit der Jugendwahl streitet der Bayerische Jugendring auch für die Einführung eines Wahlrechts ab 16 Jahren. Das heißt, ein Teil der Mittelschüler, die heute in Roding Demokratie an der Wahlurne getestet haben, hätten dann schon offiziell am Sonntag abstimmen dürfen.

: „Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit in der Politik“, sagt Jasmin Maier (15). Etwa in der rechtslastigen Asylbewerberdebatte: „Ich bin voll dagegen, wie das läuft.“ Es sei ihr wichtig, dass das Land offen sei für solche Menschen. Foto: Klöckner
: „Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit in der Politik“, sagt Jasmin Maier (15). Etwa in der rechtslastigen Asylbewerberdebatte: „Ich bin voll dagegen, wie das läuft.“ Es sei ihr wichtig, dass das Land offen sei für solche Menschen. Foto: Klöckner

Von solch einer Wahlrechtsänderung hält Klassenleiter Reinhold Mühlbauer überhaupt nichts. Sein Kollege Markus Engels würde solch ein Wahlrecht ab 16 auf Kommunalebene akzeptieren. Denn für Jugendlichen sei vor allem der lokale Bezug von Politik wichtig – bei den meisten sei etwa der Klimawandel zu weit weg.

Auf die Frage nach ihren Wünschen an die Politik, kommt erst einmal ein „Oh Gott!“ von Jasmin Kozma (15). Dann überlegt sie und meint, dass es ihr wichtig sei, dass mehr Gerechtigkeit für alle entsteht: „Das fehlt!“ Foto: Klöckner
Auf die Frage nach ihren Wünschen an die Politik, kommt erst einmal ein „Oh Gott!“ von Jasmin Kozma (15). Dann überlegt sie und meint, dass es ihr wichtig sei, dass mehr Gerechtigkeit für alle entsteht: „Das fehlt!“ Foto: Klöckner

Mühlbauer hingegen meint, dass den Jugendlichen einfach die nötigen Informationen fehlen und sie deshalb nicht nach politischen Zielen, sondern nach Persönlichkeiten wählen würden. Das sei bei der Podiumsdiskussion mit den Kandidaten an der Schule auffällig gewesen – den, den die Jugendlichen vorher gut fanden, ließen sie danach fallen. Es sei bei den Jugendlichen rein nach Sympathie gegangen, so die beiden Lehrer.

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