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Astronomie

Mond und ferne Galaxien beobachtet

In der Sternwarte auf dem Roßberg war beim Tag der offenen Tür viel Betrieb – und es gab interessante Dinge zu sehen.
Von Fred Wutz

Das Interesse der Besucher galt dem großen Teleskop in der Kuppel der Sternwarte auf dem Roßberg.Foto: wu
Das Interesse der Besucher galt dem großen Teleskop in der Kuppel der Sternwarte auf dem Roßberg.Foto: wu

Bad Kötzting.Sterngucker gelten als kluge Menschen. Das gilt für die Astronomen (Sternenkundler), es wird aber auch den Astrologen (Sternendeuter) nachgesagt. Am vergangenen Samstag zeigte es sich, dass die vom Weltall und den Gestirnen begeisterten Menschen manchmal aber auch ganz schön wetterhart sein müssen; denn auf dem Roßberg, wo die Sternenfreunde Cham ihren „Tag der offenen Tür“ veranstalteten, war es die meiste Zeit richtig kalt.

Den Sternenfreunden war dies aber gerade recht, denn kalte Luft bedeutet fast immer klare Sicht in den Himmel und in die Tiefen des Weltalls, weil dann keine Wolken oder Dunst vorhanden sind. Das wussten offenbar auch viele andere Menschen, denn es kamen zwischen 15 und 23 Uhr wenigstens 150 Besucher.

Spiegel- und Linsen-Teleskope

Zwei Arten Teleskope verwenden die Astronomen: Refraktoren (Fernrohre, hinten zu sehen) und Spiegelteleskope. Sie kosten zwischen 100 und etwa 10 000 Euro – oder mehr… Foto: wu
Zwei Arten Teleskope verwenden die Astronomen: Refraktoren (Fernrohre, hinten zu sehen) und Spiegelteleskope. Sie kosten zwischen 100 und etwa 10 000 Euro – oder mehr… Foto: wu

Auf der Freifläche vor der Sternwarte hatten die Astronomen eine Reihe von „Fernrohren“ aufgebaut, durch die vor allem die Sichel des zunehmenden Mondes beobachtet werden konnte. Im Aufenthaltsraum des Vereins gab es laufend Vorträge mit Bildern von Sternen, Planeten und Galaxien. Fragen der Besucher wurden beantwortet, wobei häufig die Kosten für eine Ausrüstung zur Sternenbeobachtung interessierten. So war zu erfahren, dass sogenannte Refraktoren, also Fernrohre mit Linsen, schon für ein paar Hundert Euro zu bekommen sind. Allerdings: Gute und sehr gute Gerätschaften dieser Art kosten schon auch mehrere Tausend Euro. Vergleichsweise etwas preiswerter sind Spiegelteleskope. Gute Geräte sind gebraucht schon ab 200 Euro zu haben.

Nach oben ist preislich bei den Geräten keine Grenze gesetzt, wie an dem Spiegelteleskop des Vereins deutlich wird, das die Sternenfreunde in der Kuppel ihrer Anlage auf dem Roßberg in Betrieb haben. Die Angabe des Herstellers weist in der Preisliste dafür knapp 50 000 Euro aus.

Die Oberfläche des Mondes zeigt dieses Bild – gefertigt mit dem nebenstehenden Adapter und einem Handy. Die Helligkeit des Trabanten erlaubt eine kurze Belichtungszeit. Foto: wu
Die Oberfläche des Mondes zeigt dieses Bild – gefertigt mit dem nebenstehenden Adapter und einem Handy. Die Helligkeit des Trabanten erlaubt eine kurze Belichtungszeit. Foto: wu

Die gesamte Anlage auf dem Roßberg hat die Sternenfreunde Cham etwa 80 000 Euro gekostet, wie beim Tag der offenen Tür zu erfahren war. Dass sie dort gebaut werden konnte, war Folge eines längeren Bemühens vieler Beteiligter. Wesentlich war die finanzielle Hilfe durch den Hauptsponsor des Vereins, Dr. Eckhart von Deuster, und eine Förderung aus dem Leader-Programm der EU. Hinzu kam die Unterstützung durch Chameraus Bürgermeister Baumgartner, als der Standort Roßberg klar war.

Der Ursprung des Vereins Sternenfreunde Cham war ein Stammtisch von Hobby-Astronomen, der sich 2008 in Cham gründete. Damals nutzte man noch die Sternwarte auf dem Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium mit. Aber bald begann die Suche nach einer geeigneten Beobachtungsstelle, die (wegen Licht aus der Umgebung) in möglichst wenig bewohntem Gebiet liegen sollte, mit freiem Blick nach Süden. Fündig wurden die Sternenfreunde auf dem Roßberg bei Chamerau, wo sie ein Grundstück erwerben und bebauen konnten. Im Herbst 2016 wurde die Sternwarte eingeweiht, seither ist dort viel „astronomischer“ Betrieb, vor allem aber jeden Freitag, wenn sich die Vereinsmitglieder treffen.

Die Anlage auf dem Roßberg ist äußerlich nicht unbedingt als Sternwarte erkennbar, weil die Beobachtungsstelle mit dem 20-Zoll-Spiegelteleskop nicht in einer runden Kuppel untergebracht ist, sondern in einem vieleckigen Aufbau, den die Firma Metallbau Gruber in Weiding gefertigt hat – wobei das Unternehmen den Sternenfreunden beim Preis entgegenkam.

Der Blick in den „deep sky“

Ein neuartiger Handy-Adapter wurde am Roßberg getestet. Die Resultate mit dem großen Spiegelteleskop waren gut –wobei Kamera-Fotos besser ausfallen als Handy-Bilder. Foto: wu
Ein neuartiger Handy-Adapter wurde am Roßberg getestet. Die Resultate mit dem großen Spiegelteleskop waren gut –wobei Kamera-Fotos besser ausfallen als Handy-Bilder. Foto: wu

Mit den vorhandene Geräten, die auch eine leistungsfähige fotografische Aufnahmeeinrichtung beinhalten, können die Sternenfreunde in den sogenannten „deep sky“ blicken – also sogar optisch beobachtbare Himmelsobjekte betrachten, die sich außerhalb des Sonnensystems befinden. Selbstverständlich sind auch Beobachtungen der Planeten im Sonnensystem selbst möglich und die des Mondes.
Der war am Samstag übrigens besonders interessant, weil einer der Sternenfreunde einen neuen Adapter für Handys dabei hatte, mit dem auf relativ einfache Weise Bilder von der Mondoberfläche gefertigt werden konnten – selbstverständlich mit Hilfe des großen Teleskops in der Kuppel.

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