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Kultur

Musiker huldigte dem Genie J. S. Bach

Ein hochvirtuoser Johannes Öllinger gab ein Recital für Konzertgitarre im Barocksaal in Walderbach.

Zum überwältigenden Konzerterlebnis trug nicht zuletzt die für die Gitarre wunderbar geeignete Akustik des Saales bei, die es Johannes Öllinger erlaubte, selbst winzigste Nuancen seines Spiels darzustellen. Foto: cjr

Walderbach.In der Jurybegründung zur Verleihung des Musikstipendiums der Landeshauptstadt München 2015 stellte man zum Laureaten fest: „Schon seit Jahren bewegt sich Johannes Öllinger als Gitarrist auf höchstem instrumentalem und künstlerischem Niveau. Sein Engagement und seine Neugier lassen ihn nicht ruhen, bevor er die optimale und authentische Lösung für die ihm gestellten Aufgaben gefunden hat – akribische Vorbereitung paart sich mit musikalischer Intuition.“ Auch die Laudatio zum Bayerischen Kunstförderpreis 2017 findet ähnliche Worte für den aus Bad Kötzting stammenden, in München lebenden jungen Künstler mit bewundernswerter Bandbreite, der im Barocksaal des Klosters Walderbach konzertierte. Zu den Elogen ist nichts hinzuzufügen, außer dass es für das Publikum ein kostbarer, rarer Hochgenuss war, ihn live spielen zu hören.

Öllingers Attitüde ist so, wie man sich einen ernsthaften, jungen Virtuosen vorstellen mag: Konzentriert, ohne jedes „Gehabe“, eine Ausstrahlung, die gleichsam selbstbewusst und voller Liebe und Demut dem Genie des Komponisten gegenüber ist. Also absolut passend zu den Werken des Abends – drei Suiten von Johann Sebastian Bach, darunter zwei, die ihren Ursprung im Original in Werken für Laute haben. Und, als Krönung, die Partita d-Moll BWV 1004 (für Violine solo geschrieben) mit einem der schwierigsten, schönsten und bedeutsamsten Schlusssätze die jemals komponiert wurden, der finalen Chaconne.

Superbe Technik und Spielkultur

Zum überwältigenden Erlebnis dieser zwei Stunden trug nicht zuletzt die für die Gitarre wunderbar geeignete Akustik des Saales bei, die es Öllinger erlaubte, selbst die winzigsten Nuancen seines Spiels und auch die Bach’sche Dynamik darzustellen. Dazu verhalfen ihm seine superbe Technik, seine Spielkultur und künstlerische Durchdringung der einzelnen Sätze. Man könnte vielleicht glauben, drei Bachsuiten solo an einem Stück könnten möglicherweise langweilig, ja eintönig werden – mitnichten! Da sind die zwei Komponenten vor, die da heißen: Komponist und Interpret! Ersterer – J. S. Bach – bietet einem souveränen Künstler wie Öllinger in seinen Werken schier unbegrenzte Möglichkeiten der Interpretation, schon gleich bei einem Solo-Recital wie diesem. Und zweitens, siehe erstens!

Bach bietet viele Ansätze, mit dem Verstand, dem Intellekt an seine kammermusikalischen Werke heranzugehen. Er lässt es aber auch zu, ihn „mit dem Bauch“ aufzunehmen. Und Öllingers Kunst ist es, auch dem Bauchgefühl – sprich beispielsweise einem unentrinnbaren Swing – genügend Raum zu lassen. Dieser, nennen wir es einen swingenden Fluss, war gleich im ersten Stück, in der Allemande in der Suite a-Moll BWV 995, zu spüren.

Nicht ohne Grund gab der Musiker der „Partita d-Moll BWV 1004“ den verdient wirkungsvollen Raum nach der Pause. Vor Jahren spielte der Spitzenviolinist Pavel Sporcl sie im Original in Furth im Wald, quasi als Referenz: Man konnte gespannt sein, ob die Bearbeitung für Gitarre solo ähnlich hochemotional wirken würde.

Er belässt die Strukturen

Sie kann dem zweifelsohne recht nahe. Der Höhepunkt, die hochvirtuose Chaconne, spiegelt all das im Genie Bachs wider, das durch Öllinger im Kern erfasst und ans Licht geholt wurde. Er schafft auf seinem Instrument keineswegs eine Klangkopie des Violinwerks. Er belässt die Strukturen, wie sie zum Stück gehören, nutzt aber die Vielfalt darin, um mit der klanglichen Breite der Gitarre zu spielen.

Was als Zugabe geben? Eine ideale Wahl war eine Prélude zur Cello-Solosuite BWV 1007. Auch hier bekräftigte der Applaus, wie bei den Stücken zuvor, die zutiefst beeindruckte Reaktion der Zuhörerschaft. (cjr)

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