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Kolumne

Mut in einer Zeit der Hilflosigkeit

Tilo G. Copperfield berichtet von Musikern in der Krise und sagt kämpferisch: „Wir werden so laut spielen wie nie zuvor.“
Von Tilo G. Copperfield

„Aber jetzt ist erst mal die Zeit für Helden gekommen. Alle, die den Betrieb am Laufen halten, alle, die nicht in Panik geraten und alle, die selbstlos Hilfe anbieten“, schreibt T. G. Copperfield. Er denkt dabei an David Bowie (unser Foto), der einst sang: „We can be heroes“. Foto: Markus Beck/dpa
„Aber jetzt ist erst mal die Zeit für Helden gekommen. Alle, die den Betrieb am Laufen halten, alle, die nicht in Panik geraten und alle, die selbstlos Hilfe anbieten“, schreibt T. G. Copperfield. Er denkt dabei an David Bowie (unser Foto), der einst sang: „We can be heroes“. Foto: Markus Beck/dpa

Cham.Corona. Jeden Tag wache ich auf und denke mir: „Das war alles ein Traum und heute geht endlich das Leben wieder ganz normal weiter!“ Dann schalte ich die Nachrichten ein und sie ist immer noch da: diese unglaubliche Situation. Dieses Virus mit seinen unangenehmen Auswirkungen auf uns alle. Ich bin bin heilfroh, dass wir unabhängige Medien haben, die uns mit objektiven Informationen versorgen. Ich habe mich zwar nie so sehr über GEZ-Gebühren gefreut, aber jetzt würde ich sogar das Doppelte zahlen. Denn ich habe gemerkt, dass ich in den letzten Tagen nahezu süchtig nach Neuigkeiten geworden bin. Nahezu stündlich checke ich die Lage und ich muss in Deutschland Gott sei dank nicht lange suchen, um seriöse Nachrichtenquellen zu finden. Danke dafür!

In meiner Facebook-Freundesliste, in der sich viele Musiker, Veranstalter, freiberufliche Musiklehrer, Kneipenbesitzer und Kulturschaffende befinden, gibt es nahezu im Stundentakt eine neue Hiobsbotschaft. Alle Konzerte abgesagt, viele Freunde bangen um ihre blanke wirtschaftliche Existenz. Hilflosigkeit macht sich breit. Aber dann muss ich das wieder alles abschütteln und akzeptieren, dass wir alle mit der Lage umgehen müssen.

Kolumne

Haltung in der Politik zeigen? Bitte!

Unser Autor Tilo George Copperfield hat eine klare Meinung dazu, wie Künstler sich in Wahlkampfzeiten verhalten sollten.

In der Organisationsentwicklung spricht man dabei von einer Change Kurve. Man durchläuft in einer Veränderungssituation immer Phasen. Angefangen beim Schock des Neuen und bei der Verneinungsphase, landet man irgendwann bei der Einsicht und Akzeptanz und gräbt sich mühsam aus seinem eigenen Blues heraus und bewältigt das Ganze mit kleinen Schritten. Weil die Corona-Krise für uns alle ein komplett neues Ereignis ist, werden die Urbedürfnisse des Menschen nach Sicherheit extrem stimuliert. Man fühlt sich in die Enge gedrängt und möchte wissen, wie es weitergeht, aber keiner hat darauf eine Antwort.

Es wird wieder Konzerte geben

Ich muss gestehen, dass auch ich mich in der letzten Zeit jeden Tag wieder hochkämpfen und zur Besonnenheit und Gelassenheit drängen muss. Denn Angst lähmt und ist kein guter Berater. Wie ein Mantra sage ich vor mich hin: „Es wird weitergehen, wir werden uns gemeinsam wieder aus der Situation befreien. Es wird wieder Live-Konzerte geben, wir werden uns wieder frei bewegen können und das gewohnte soziale Leben wird zurückkehren“.

Kolumne

Der Algorithmus, bei dem man mit muss

Wie werden die Menschen 2030 Musik konsumieren – und von wem stammt sie? Vom Computer oder einem leibhaftigen Komponisten?

Wie ein Fisch, den man aus dem Wasser gezogen hat, dürsten wir Musiker nach dem Kontakt zu unserem Publikum. Aber jetzt ist erst mal die Zeit für Helden gekommen. Alle, die den Betrieb am Laufen halten, alle, die nicht in Panik geraten. Und alle, die selbstlos Hilfe anbieten. Alle, die jetzt ihr Ego mal hintanstellen und sich fragen: Was kann ich für die Gesellschaft tun? Was sind meine Fähigkeiten? Wie kann ich dazu beitragen, die Situation zu verbessern und wie kann ich helfen, den Betrieb bestmöglich am Laufen zu halten? Und vor allem: Wie kann ich dazu beitragen, die Situation nicht zu verschlimmern? Was ist meine Heldentat? Oh ja, wir Musiker schätzen jetzt umso mehr, was es heißt, Publikum zu haben. Den Support von Fans und Freunden, die Unbeschwertheit des Lebens. Und seien wir mal ehrlich: Wir hatten bislang ein extrem unbeschwertes Leben.

Unser Gastautor

  • Bands:

    Tilo George Copperfield ist leidenschaftlicher Musikfan, Komponist, Gitarrist und Sänger und hat mit seinen Bands 3 Dayz Whizkey, T.G. Copperfield und HoAß über ein Dutzend Alben produziert.

  • Kolumne:

    Seine Songs laufen im In- und Ausland im Radio. Für das Bayerwald-Echo schreibt der aus Treffelstein stammende Musiker eine exklusive Kolumne.

Sein Appell: „Zusammenreißen!“

Wir haben ein hervorragendes Gesundheitssystem. Wir sind auch in dieser Krise noch mit allen Lebensmitteln ausgestattet, die wir brauchen. Schauen wir auf andere Länder, dann ist unsere deutsche Panik lächerlich. Also zusammenreißen und „Cowboy-Up!“ In der Krise zeigen sich die besten Seiten des Menschen – und leider oft auch die hässlichsten. Jeder kann jetzt entscheiden: Zeige ich meine Klasse und aus welchem Holz ich geschnitzt bin oder denke ich nur an mich?

Copperfield’s Corner

Warum hebe ich all diese Sachen auf?

Gedanken zum Rockballast: Für Musiker Tilo G. Copperfield sind CDs und Bücher Ausdruck seiner Persönlichkeit und Entwicklung.

Eins ist klar: Sollte das Ganze vorbei und der Lagerkoller überwunden sein, dann schlägt wieder unsere Stunde. Mehr als zuvor haben die Menschen es dann verdient und gebraucht, in den Straßen zu tanzen, zu lachen und Musik zu hören. Wir werden unsere Instrumente wieder spielen – und zwar so laut wie nie zuvor. Im Wissen, dass alles auch anders sein kann, werden wir euch so dermaßen einheizen, dass ihr das nie mehr vergessen werdet! Wir möchten einfach wieder unseren Job machen. Musik heilt und Musik hilft. Uns, euch, allen!

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