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Historie

„Nach den Kelten die Römer“

Die Gegend rund ums Heilbrünnl ist reich an Geschichte. Münzfunde deuten darauf hin, dass womöglich Römer dort gewesen sind.
Von Jakob Moro

Der Platz unterhalb des heutigen Heilbrünnls soll Treffpunkt von Händlern oder auch ein Marktplatz gewesen sein. Foto: R. Schlecht
Der Platz unterhalb des heutigen Heilbrünnls soll Treffpunkt von Händlern oder auch ein Marktplatz gewesen sein. Foto: R. Schlecht

Roding.Regensburg war einst römische Provinz mit Castra Regina, dem römischen Legionslager am nördlichsten Punkt der Donau. Das Kastell war an der Mündung des Regen in die Donau errichtet worden. Die erhaltene steinerne Inschrift gilt heute als Gründungsurkunde Regensburgs. Obwohl die Römer im 5. Jahrhundert das Kastell aufgegeben hatten, blieb die zivile Siedlung weiterhin bewohnt. Castra Regina – das Lager am Regen – ist detailgetreu als Modell nachgebaut worden. Dieses kann im Historischen Museum Regensburg bewundert werden.

Funde aus der Frühgeschichte

Gut möglich, dass Regensburger römische Soldaten auch „in unserer Gegend“ unterwegs gewesen waren. Dies zumindest hat der mittlerweile verstorbene Heimatforscher Kurt Hornauer gefolgert und mit Funden beim Heilbrünnl belegt. Hornauer: „Nach den Kelten, kamen die Römer zu uns.“

Aus der Frühgeschichte der Menschheit datieren Funde am Heilbrünnl. Etwa bereits um 6000 vor Christi (in mehreren Perioden der Jungsteinzeit) waren Funde „Silex“ – Abschläge und Keramik-Fragmente vor der Terrasse unterhalb der Heilbrünnlkirche (heutiger Parkplatz und östlich der Straße Pollenried) zutage gekommen. Feuerstein, Hornstein, Silex (französisch) ist je nach geologischem Alter und Herkunft ein Silizit mit der chemischen Zusammensetzung wie Opal. Feuerstein besteht neben Opal aus Magonit und Chalzedon Achat. Von Feuerstein spricht man, wenn Siliziten aus den Kreideformationen des Jura oder Trias stammen. Hornstein ist silikatreiches Kieselgestein. Wegen dieser Funde in Ufernähe des Regens entstand der Begriff Feuersteinstraße. Sie führt, den Forschungen und Funden zufolge von Arnhofen über Kelheim durch das Regental bis nach Böhmen. Freilandfunde belegen Rast- und Lagerplätze der Feuersteinhändler. Der Platz unterhalb des heutigen Heilbrünnl soll Treffpunkt von Händlern oder auch Marktplatz gewesen sein. Betrachtet man die Ortslage – am Regen gelegen, Bach aus einer Quelle bei Braunried kommend, Anhöhe mit Blick weit nach Osten hin – ist dies gut vorstellbar. Kurt Hornauer hat seine Funde in bayerischen Vorgeschichtsblättern und informierte das Denkmalamt veröffentlicht. Die Funde stammen aus der Mittel- und Jungsteinzeit und aus der Bronzezeit. Hierzu zählen Bronzeringe als Armreifen und eiserne Fingerringe ebenso wie römische Münzen aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christi.

Echtheit der Münze bestätigt

Waren aber Römer 200 bis 300 Jahre nach Christi am Heilbrünnl gewesen? – Am 11. Mai 1987 fand Kurt Hornauer unten am Parkplatz in der Nähe des Aufgangs des Kreuzweges zum Heilbrünnl eine Hadrianus-Römer-Münze. Hadrianus hatte in der Zeit 117 bis 138 nach Christi regiert. Die Echtheit der Münze bestätigte Hornauer die Prähistorische Staatssammlung Dr. Thomas Fischer. Publius Aelius Hadrianus (Titulatur als Kaiser: Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus; * 24. Januar 76 in Italica in der Nähe des heutigen Sevilla oder in Rom; † 10. Juli 138 in Baiae) war der vierzehnte römische Kaiser. Er hatte von 117 bis zu seinem Tod regiert. Er bemühte sich als Herrscher intensiv um die Festigung der Einheit des Römischen Reiches, das er in weiten Teilen ausgiebig bereiste. Bekannt ist der Hadrianswall, ein römisches Grenzbefestigungssystem. Postumus: Am 18. Oktober 1984 fand Kurt Hornauer unten am Parkplatz in der Nähe des Aufgangs des Kreuzweges zum Heilbrünnl bzw. an dem damals daneben gelegenen Feld eine „gefütterte“ Römer-Münze, die Postumus Münze (259 – 268 n. Chr.). Münzstätte war Lyon (Lugdunum). Die Echtheit der Münze bestätigte die Prähistorische Staatssammlung, Museum für Vor- und Frühgeschichte, Professor Dr. Thomas Fischer mit Schreiben vom 22. Mai 1985. Postumus (259 – 268) war Imperator gegen Rom, ein sogenannter Gegenkaiser. Er war im Westen des Römischen Reiches Usurpator gegen Kaiser Gallienus sowie Gründer und erster Kaiser (reg. 260 bis 269) des sogenannten Gallischen Sonderreiches.

Erst Hoch-, dann Heilbrünnl

Die vielen historisch wertvollen Funde an der Stätte, die später „Hochbrünnl“ und heute „Heilbrünnl“ genannt wird, zeugen von der frühgeschichtlichen Besiedelung. Aufgrund von Wasserquellen an verschiedenen Stellen rund um Heilbrünnl ist es denkbar, dass die eine oder andere im Laufe der Jahrhunderte versiegt und später an gleicher oder anderer Stelle wieder geflossen ist. So könnte es auch mit der Heilbrünnlquelle gewesen sein. So entsprang, so wird berichtet, auf der Anhöhe im Waldstück, welches von einem Leonhard Schick von Braunried bewirtschaftet worden warum 1630 eine Quelle. Kurt Hornauer, dem man all diese Informationen, all das Wissen der Vorgeschichte „unseres geliebten Heilbrünnls“ verdankt, hat es schade gefunden, dass Funde von „Schatzjägern“ und amerikanischen Staatsangehörigen, die mit Detektoren nach seinen Beobachtungen seit langem rund ums Heilbrünnl unterwegs sind und waren und „fündig“ wurden. Diese Funde dürften nicht registriert sein und für Geschichtsforscher verloren sind. Hornauer habe beobachtet, dass Schatzjäger aus Leipzig und dreimal je drei Amerikaner noch im Oktober 2012 Bronzearmreifen und römische Münzen gefunden haben.

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