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Region Cham
Mittwoch, 20. Juni 2018 24° 3

Einsatz

Nach Unwetter: Ein ganzes Dorf räumt auf

In Schäferei werden die Schäden beseitigt. Im Altenheim wurde Wasser abgepumpt. Schwer betroffen ist auch die Landwirtschaft.
Von Martin Hladik und Benjamin Schlegl

Am Tag danach: Die Dorfgemeinschaft in Schäferei hilft zusammen. Die Reste des Daches eines Stadels werden beseitigt. Foto: ik
Am Tag danach: Die Dorfgemeinschaft in Schäferei hilft zusammen. Die Reste des Daches eines Stadels werden beseitigt. Foto: ik

Waldmünchen.Tag 1 nach dem Hagelsturm: Im schwer betroffenen Ort Schäferei ist man dabei, die Überreste einer Unterstellhalle mit einer Photovoltaik-Anlage zu beseitigen. Rund 20 Leute sind da, die alle anpacken. „Das ist das Schöne in einem Dorf, da helfen alle mit“, freut sich der betroffene Hofbesitzer Hans Stautner. Der Sturm hatte seine PV-Anlage samt Dach einfach von dem Unterstand gehoben und auf die nebenliegende Scheune geworfen. Auch sie wurde schwer beschädigt. „Des is a Wahnsinn“, sagt eines der Kinder, das beim Aufräumen mithilft.

In vielen Gärten und auf vielen Dächern der kleinen Ortschaft sieht man am Montagmorgen Menschen beim Beseitigen von Schäden. Zerbrochene oder fehlende Ziegel werden ersetzt, zerbrochene Obstbäume zersägt, Dreckspuren beseitigt oder Schäden für die Versicherung fotografiert. Der Schaden auf dem Krämerhof, wo ein Giebel auf eine Garage mit Auto heruntergebrochen war, wurde noch in der Nacht bis 22 Uhr von der Feuerwehr behelfsmäßig durch eine Plane gesichert. Gerade noch rechtzeitig vor dem nächsten Unwetter.

Wassermassen beim Altenheim

Das BRK-Seniorenheim in Waldmünchen war ein Einsatzschwerpunkt in Waldmünchen. Hier war das Wasser von einem Maisfeld in einem Lichtschacht vor der Küche zusammengelaufen. Nur zwei Glastüren verhinderten das Eindringen der Brühe in die Altenheimküche. Foto: wbs
Das BRK-Seniorenheim in Waldmünchen war ein Einsatzschwerpunkt in Waldmünchen. Hier war das Wasser von einem Maisfeld in einem Lichtschacht vor der Küche zusammengelaufen. Nur zwei Glastüren verhinderten das Eindringen der Brühe in die Altenheimküche. Foto: wbs

Einsatzschwerpunkt in Waldmünchen war das BRK-Altenheim. Hier waren die Feuerwehren mehrere Stunden damit beschäftigt, Wasser abzupumpen. Von dem angrenzenden Maisfeld waren Schlamm und Wasser in einem breiten Strom in den Innenhof eingedrungen. Dort war das Wasser in einen tiefen Lichtschacht zur Küche geflossen. Nur zwei Glastüren hielten das mindestens 1,20 Meter hochstehende Wasser zurück. Was trotzdem durchdrang, wurde schnell weggewischt, berichtet Heimleiter Stefan Paa. „Wir sind mit einem dicken, blauen Auge davon gekommen.“ Das Wasser sei – entgegen der Gerüchte im Netz – nicht bis in den Innenraum gedrungen, sagt Paa. Gegen 21 Uhr waren dank der Beschäftigten und der Feuerwehr die schlimmsten Schäden beseitigt, lobt der Heimleiter.

Die Feuerwehren des KBM-Bereiches Waldmünchen und der Umgegend waren mit 120 Leuten im Einsatz. Sie mussten 25 Bäume entfernen, die über Straßen lagen. Neun Keller mussten leergepumpt werden. Bei fünf Dächern war die Hilfe der Feuerwehr nötig. Foto: wbs
Die Feuerwehren des KBM-Bereiches Waldmünchen und der Umgegend waren mit 120 Leuten im Einsatz. Sie mussten 25 Bäume entfernen, die über Straßen lagen. Neun Keller mussten leergepumpt werden. Bei fünf Dächern war die Hilfe der Feuerwehr nötig. Foto: wbs

Schwer betroffen ist auch die Landwirtschaft. Georg Mayer, der Leiter des Amtes für Landwirtschaft, war am Dienstag im Bereich Waldmünchen und Furth unterwegs, um die Schäden zu besichtigen. In einem Streifen von Spielberg bis Prosdorf seien fast alle Felder betroffen. Schwerpunkt sei das Gebiet um Schäferei. Hier seien sowohl Getreide, als auch Mais „zu 100 Prozent“ vernichtet. In solchen Fällen müsse man die zerschlagenen Halme unterackern und eine Zwischenfrucht oder schnellwachsenden Mais nachpflanzen, um im Herbst überhaupt Futter ernten zu können. „Wir müssen retten, was zu retten ist,“ sagt Mayer. Zusammen mit dem Bezirkspräsidenten des Bauernverbandes, Josef Wutz, schätzt Mayer, dass nur ein geringer Teil der Ernte versichert gewesen sei. In unserer Region betrage die Versicherung gegen Hagel wahrscheinlich nur um die 25 Prozent. Etwa besser sieht es für den Wald aus, urteilt nach einer Rundfahrt der stellvertretende Bereichsleiter Forsten, Luitpold Titzler. Es seien immer wieder Bäume betroffen und es gebe auch Windwurf-Nester, großflächig sei der Wald aber nicht umgeworfen worden. „Insofern kann ich Entwarnung geben!“ Dennoch gebe es viele Schäden, die jetzt nach und nach beseitigt werden müssten. Meist seien Nadelbäume zerstört worden, Laubbäume seltener. Teilweise hätten Hagel und Sturm die Bäume auch komplett entlaubt. Titzler wiederholte die Warnung von Landrat Franz Löffler, jetzt den Wald zu meiden oder zumindest sehr vorsichtig zu sein. Es gebe noch viele Bäume, die jederzeit noch fallen könnten.

Straßen wieder frei machen

100 Prozent Ernteschäden gibt es in einem Streifen nordwestlich von Waldmünchen. Dort hat er Hagel die Mais- und Getreidepflanzen komplett zerstört. Genauso vernichtet wurde die Ernte vieler Hobbygärtner in der Region. Foto: ik
100 Prozent Ernteschäden gibt es in einem Streifen nordwestlich von Waldmünchen. Dort hat er Hagel die Mais- und Getreidepflanzen komplett zerstört. Genauso vernichtet wurde die Ernte vieler Hobbygärtner in der Region. Foto: ik

Den ganzen Tag und wahrscheinlich auch in den nächsten Tagen sind die Männer vom städtischen Bauhof, vom Kreisbauhof und den Straßenmeistereien unterwegs. In einem ersten Schritt versuchen sie die Straßen vom Windwurf zu befreien und Gräben, Durchlässe und Sinkkästen wieder frei zu machen. Mitarbeiter der Stadt waren beispielsweise im Park bei der Heiligenfeldklinik, um hier zwei alte entwurzelte Bäume zu zersägen. Der Kreisbauhof beseitige beispielsweise den Windbruch aus den Gräben an der Straße nach Untergrafenried. In den nächsten Tagen würden seine Leute unterwegs sein, um die ausgespülten Bankette wieder zu befestigen, sagte der Leiter des hiesigen Kreisbauhofes, Alfred Mühlbauer. Die Straßen selbst waren schon im Laufe des Dienstages wieder ohne Einschränkung befahrbar sein.

Landrat Franz Löffler und Bürgermeister Markus Ackermann hatten das Einsatzgeschehen am Montag vor Ort beobachtet. „Unsere Anteilnahme gilt den Betroffenen“, sagte Ackermann. Er hob besonders die Leistung der Feuerwehren aus dem KBM-Bereich Waldmünchen und den umliegenden Gemeinden hervor.

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