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Region Cham
Mittwoch, 26. September 2018 16° 1

Literatur

„Nachts“ im Leben anderer Menschen

Die Schriftstellerin Mercedes Lauenstein las aus ihrem Debüt-Roman im Chamer Cordonhaus – Geschichten zum Nachdenken.

Mercedes Lauenstein bei der Spätlese im Cordonhaus Foto: cdk
Mercedes Lauenstein bei der Spätlese im Cordonhaus Foto: cdk

Cham.Am Sonntagabend konnten sich die Besucher des Cordonhauses auf den Besuch der preisgekrönten Schriftstellerin Mercedes Lauenstein freuen. Im Rahmen der Spätlese stellte sie ihr Buch „Nachts“ den über 30 interessierten Besuchern vor, indem sie einige Geschichten aus dem Debütroman vorlas. Das Ereignis wurde vom Musiker Bernhard Stahl aus Bad Kötzting auf dem Marimbaphon begleitet.

In ihrem Buch erzählt Lauenstein die Geschichte einer jungen Frau in der Ich-Perspektive, die in der Nacht Menschen in ihren Wohnungen besucht, die nicht schlafen können oder wollen. Die Frau besucht Menschen, ohne genau zu wissen, wonach sie eigentlich sucht. Bei dem Buch handelt es sich um eine Sammlung von Geschichten und Begegnungen dieser Art. Es werden Schicksale von verschiedenen Menschen beschrieben und deren Eigenschaften hervorgehoben. Dazu zählen Verhalten, Philosophie oder die Wohnsituation der besuchten Menschen.

Vom Sinn der Geschichte(n)

Lauenstein las vier Geschichten vor. Zwischen den Stücken sorgte Bernhard Stahl für stimmungsvolle Musik, die beim Publikum gut ankam. Sie unterstrich den Charakter der Geschichten.

Zunächst las Lauenstein aus dem Prolog vor, der unter anderem klären sollte, warum das junge Mädchen die Menschen besuchen will. In einem Gespräch mit einem Mann namens Albert stellt sie klar, dass sie keine Forscherin ist. Sie ist einfach nur neugierig.

In dieser Prolog-Geschichte wird zunächst beschrieben, nach welchen Kriterien die namenlose Frau die Türen auswählt, an denen sie klopft. Sie sucht in der Nacht zunächst nach einem Fenster, in dem Licht brennt. „Eines muss immer anbleiben“. Danach klingelt sie an der Tür und will sich mit der anzutreffenden Person unterhalten. Sie hört sich an, was die betreffende Person wachhält. Im konkreten Fall ist es ein Bäcker im Ruhestand, der den Sonnenaufgang liebt und deshalb früher auch Zeitung ausliefern wollte. Der Aufbau der Geschichten ist vergleichbar, es werden aber unterschiedlichste Situationen gezeigt. So nimmt es den Zuhörer durchaus mit, wenn sich die Frau aus der Erzählung mit einer Person unterhält, die gerade vom Tod der Oma erfahren hat, gepaart mit anderen Unglücken. Am Ende wird der Zuhörer zum Nachdenken gebracht, indem die namenlose Frau in der Geschichte das Erlebte zusammenfasst und versucht, darin einen Sinn zu finden.

Die Musik zum Buch

Zum Abschluss überraschte Schlagwerker Bernhard Stahl die Gäste, als er im Trio mit zwei weiteren Künstlern – Jakob Adam und Sigi Mühlbauer – spielte. Dabei kamen neben dem Marimbaphon auch Trommeln zum Einsatz.

Bei dem Roman handelt es sich um Lauensteins erstes Werk, das 2015 im Aufbau-Verlag erschienen ist. 2016 wurde sie dafür mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet. Lauenstein hat bereits ein zweites Buch mit dem Titel „Blanca“ veröffentlicht, das ebenfalls beim Aufbau-Verlag zu finden ist. (cdk)

Lebensdaten: Die Mercedes Lauenstein – geboren 1988 in Kappeln an der Schlei – ist als Schriftstellerin und Journalistin tätig.

Auszeichnungen: 2016 erhielt sie den Bayerischen Kunstförderpreis auch ein Aufenthaltsstipendium im literarischem Colloquium in Berlin. Kürzlich erschien ihr zweites Buch „Blanca“.

Die Schriftstellerin

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