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Region Cham
Freitag, 23. Februar 2018 2

Aktion

Nasse Füße für’s große Jubiläum

Feuerwehr Rannersdorf verbindet ihre Cold Water Challenge mit dem Hinweis auf ihr Fest im Juni. Und erlebt eine Überraschung.
Von Petra Schoplocher

Cold Water Challenge einmal anders. Nach den frostigen Erfahrungen im Zillendorfer Weiher hatten die Feuerwehrler keine Lust auf eine Neuauflage. Dass Wasser ihr Metier ist, konnten sie auch so beweisen. Fotos: Schoplocher

Waldmünchen.Warum gerade sie nominiert wurden, wissen die Rannersdorfer Feuerwehrler im Grunde bis heute nicht. Denn was haben die Helfer aus dem Waldmünchener Ortsteil schon mit dem Frauenbund Arnschwang zu tun? Dieser hatte die Wehr nämlich für die „Cold Water Challenge“ nominiert – und die Feuerwehr wäre nicht die Feuerwehr, wenn sie sich der Herausforderung nicht gestellt hätte.

Zwar förderten Recherchen in den eigenen Reihen irgendeine flüchtige Querverbindung zum Frauenbund zu Tage, „aber wie die letztlich auf uns kommen, keine Ahnung!“, erklärt Simon Aumann, Vize-Kommandant der Feuerwehr. Ebenso, wie die Nominierung eingetrudelt war – über WhatsApp – überlegte die erweiterte Vorstandsgruppe, wie mit der „Anfrage“ zu verfahren sei.

Frostiger „Einsatz“

Nachdem sich ein „Nein“ ohnehin nicht geschickt hätte, beschloss die Führungsriege, die Nominierung und vor allem ein Video von der Prüfung (die Beine müssen ohne nähere Angaben zu Tiefe des Gewässers oder Dauer im Wasser sein, ein Film dokumentiert die Aktion) für Werbezwecke zu nutzen. „Wir dachten uns: Wenn schon, dann verbinden wird das gleich mit unserem Jubiläum“, berichtet Martin Weichs. Das brachte zum einen den Rannersdorfern einen frostigen „Einsatz“ im Zillendorfer Weiher ein, zum anderen kamen die Feuerwehren Geigant, Döfering und Prosdorf ins Spiel.

Diese drei – Paten- und Ehrenpatenvereine – wurden dann nämlich von der Jubelwehr nominiert. „Wobei wir das beim Patenbitten mitunter noch büßen werden“, wie Simon Aumann mit gespieltem Schauer und Lächeln hinzufügt.

Eine kleine „Retourkutsche“gab es schon. Die drei nominierten Wehren verzichteten per Videobotschaft nach ihrer gemeinsamen – aus Rannersdorf mit den Worten „Das ist ja feige“ kommentierten – Cold Water Challenge in Rhan darauf, eine neue Gruppe „ins Wasser“ zu stürzen. Stattdessen zückten sie einen Scheck über 150 Euro zugunsten der Inspektionsjugend und forderten die Rannersdorfer ihrerseits zu deren Überraschung auf, „die Summe aufzustocken oder zu verdoppeln“. Begründung: So ungeschoren sollten die Geburtstagsfeuerwehrler nun auch nicht davon kommen.

125 Jahre Feuerwehr Rannersdorf

  • Termin:

    Unter dem Titel „Mia ham wos zum Feiern“lädt die Feuerwehr Rannersdorf vom 15. bis 18. Juni zu ihrem Jubiläum ein.

  • Team:

    Rund 20 Leute um Festleiter Manfred Rampf, die ihrerseits Mitstreiter suchen, bilden den harten Kern des Organisationsteams.

  • Programm:

    Den offiziellen Festauftakt nach Einholen der Honorationen bestreiten am Samstag d’Urwaidler.

  • Auftakt:

    Der Kabarettabend mit „Knedl & Kraut“ am Freitag hat die Wehr an die Liederbühne Robinson vergeben. Ein Euro vom Eintritt bleiben bei der Jugendfeuerwehr, auch der Erlös aus Speisen- und Getränkeverkauf geht an die Rannersdorfer.

  • Höhepunkte:

    Die Segnung des neuen Tragkraftspritzenfahrzeugs bildet neben dem Umzug den Höhepunkt des Sonntags. Am Montag wird ab 19 Uhr noch einmal kräftig gefeiert. (ps)

Zwar sehen die so Angesprochenen die Spende und vor allem die Nutznießer als absolut positiv, dennoch trifft die Ausgabe den mit 90 Mitgliedern kleinen Verein. Schließlich ist nicht nur das Gründungsfest im Juni (auch finanziell) zu stemmen, für die Feuerwehr geht es um viel mehr als nur das Feiern. Der Wunsch nach einem neuen Auto ist mit der Entscheidung, das 125-jährige Bestehen größer zu begehen, untrennbar verbunden.

Schau mal, was die anderen machen: Simon Aumann und Martin Weichs begutachten die Aktion der von ihnen nominierten Feuerwehren.

„Ob oder ob nicht“, sei sehr wohl die Frage gewesen, als es um ein mögliches Fest ging. Zunächst habe es Überlegungen gegeben, „nur“ an die Kirchweih einen Abend „dran“ zu hängen. Irgendwann überwog aber die Zahl derer, die größer feiern wollten. Auch, um Einnahmen zu generieren. 70 000 Euro plus x wird das Tragkraftspritzenfahrzeug kosten, das das 50 Jahre alte Auto ersetzen soll, wissen die Kommandanten. Einen fünfstelligen Betrag möchten und müssen die Rannersdorfer beisteuern, wenn die Ersatzbeschaffung neu sein sein soll. Ein ehrgeiziges, aber nicht unrealistisches Ziel. „Wir sind aber auch schon hausieren gegangen“, erklärt Simon Aumann, dass es der Wehr sehr ernst ist.

Trotz vier Tagen Programm möchten die Rannersdorfer sich nicht in eine Reihe stellen mit den Feuerwehren Prosdorf und Sinzendorf, die 2017 „Feste der Superlative“ abgezogen hätten. Damit könne und wolle man sich gar nicht messen, unterstreichen die Verantwortlichen und verweisen auf das „kleinere 1000-Mann-Zelt“. Aber natürlich soll es ein Fest werden, das von sich hören macht.

Dreh musste wiederholt werden

Für Furore gesorgt hat auch das Video, das die Rannersdorfer von ihrer Challenge veröffentlicht haben und das die Marke von 2000 Klicks ansteuert. Weil der Standort nicht optimal und ein Zaun beim Dreh im Weg war, musste die Aufnahme teilweise wiederholt werden. Sehr zum Leidwesen der elf Frauen und Männer, die sich in die Fluten stürzten. Der Boden im Dorfweiher jedenfalls war „fieskalt“, erinnert sich Michael Weichs. Einziger Trost: „Irgendwann spürst du nichts mehr“ und „der Schlamm war ein schöner Schlamm“. Außerdem sei es dann draußen gar nicht mehr kalt gewesen, witzelt einer der Mittäter.

„Lieber Frauenbund Arnschwang...“ – So begann schließlich die via Facebook verbreitete Vollzugsmeldung, die den Rannersdorfern das Bezahlen einer Brotzeit erspart hatte – diese wäre beim Nichterfüllen der Aufgabe fällig geworden. Aber wer weiß, beim Jubiläum im Juni gibt es sicher Brotzeiten – Und alle Fragen sind in dieser wundersamen Querverbindung ja ohnehin noch nicht beantwortet.

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