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Internet

Neue Adresse für Netzopfer in Stamsried

„Computermäuse“-Gründerin Birgit Zwicknagel geht den nächsten Schritt und richtet ein Medienkompetenzzentrum ein.
Von Christoph Klöckner

Tatort Internet: Cybermobbing-Vorfälle, Erpressungen oder Betrügereien – oft mit Beteiligung von Kindern und Jugendlichen – sind auch auf bei uns dem Land über die Datenautobahn angekommen. Foto: Martin Schutt/dpa
Tatort Internet: Cybermobbing-Vorfälle, Erpressungen oder Betrügereien – oft mit Beteiligung von Kindern und Jugendlichen – sind auch auf bei uns dem Land über die Datenautobahn angekommen. Foto: Martin Schutt/dpa

Stamsried.Die Mäuse bekommen ein neues Nest: Am Samstag ist es soweit – dann hat Computersicherheit im Landkreis eine neue, feste Adresse – und die ist in Stamsried. Gleich an der Hauptstraße, der Lukas-Rauffer-Straße 9, ist die neue Heimat des SIBS. Das steht für „Schulung-Information-Bildung-Service“ und beschreibt ein Medienkompetenzzentrum, wo zum einen das Schulungssystem „Clever ins Netz“ seine Leistungen anbietet, andererseits der gemeinnützige Verein „Computermäuse“ mit Rat und Tat bei Problemen im Bereich der Neuen Medien zur Verfügung steht.

„Und diese Hilfe ist nach wie vor kostenfrei. Wir hoffen, von hier aus Menschen Hilfestellung bieten zu können, wenn es im Netz mal eng wird“, beschreibt die „Mutter“ der Computermäuse, Birgit Zwicknagel, eine Basis des Zentrums. Die gelernte Mediengestalterin hat sich im Landkreis einen Namen als Anwältin für die zahlreichen Internetopfer gemacht, die es auch bei uns heute gibt – Tendenz steigend. Das schnelle Netz im globalen Dorf bringt nicht nur Gutes in die Stube, sondern öffnet auch üblen Machenschaften die Türe – wenn man nicht aufpasst.

Das Böse aus der Leitung

Die Computermäuse, ein gemeinnütziger Verein, der 2005 aus einem Stammtisch in der Stamsrieder Pizzeria mit Birgit Zwicknagel entstand, bekommen jetzt eine neue Heimat.Foto: Christoph Klöckner
Die Computermäuse, ein gemeinnütziger Verein, der 2005 aus einem Stammtisch in der Stamsrieder Pizzeria mit Birgit Zwicknagel entstand, bekommen jetzt eine neue Heimat.Foto: Christoph Klöckner

Viele Dinge, die da durch die Leitung ins Haus kommen, bringen zumeist betroffene Kinder und ganze Familien aus dem Gleichgewicht, weiß Birgit Zwicknagel. Die sitzen dann bei ihr und sind verzweifelt. Viele seien völlig überfordert durch die Technik und wüssten sich nicht zu wehren. Kinder würden sich aus Angst nicht mehr nach Hause trauen. Es gehe etwa um Mobbing, um gestohlene Bilder, um Stalking oder Probleme mit Fakeprofilen in Internetforen, Spielsucht und Urheberrechtsverletzungen. „Das sind oft Sachen, bei denen die Polizei wenig machen kann“, sagt Birgit Zwicknagel. Vieles im Internet bewege sich in rechtlichen Grauzonen. Viele Dinge, wo es um Menschen und Zwischenmenschliches gehe, werden trotz Anzeige von Staatsanwälten wegen „Geringfügigkeit“ nicht weiter verfolgt und eingestellt. „Dabei bricht bei vielen Betroffenen gleich eine ganze Welt zusammen. Sie sind geschädigt fürs Leben!“, beschreibt Zwicknagel. Das gehe bis zu Suizid-Gedanken oder gar Versuchen.

Die Computermäuse würden deshalb zunächst versuchen, die Opfer der Internetkriminalität wieder zu stabilisieren und ihnen Mut zu machen, um dann selbst zu agieren und dem Übel ein Ende zu machen, wenn möglich.

Das neue SIBS-Medienkompetenzzentrum

  • Ort

    Ab Samstag, 30. März, ist das Medienkompetenzzentrum SIBS im Gebäude an der Lukas-Rauffer-Straße 9 in Stamsried zu finden. Dabei werden sich das ZAK Werbung & Fotostudio (www.zak-fotostudio.de ) und das SIBS Medienkompetenzzentrum (www.sib-s.de ) die Räume teilen.

  • Heimat

    Auch die Computermäuse Stamsried sind dann dort beheimatet. Die Leiterin von ZAK, die Tochter von Birgit Zwicknagel, ist im Vorstand der Computermäuse. Zur Eröffnung am Samstag ist von 10 bis 15 Uhr offen. Jeder, der mit einem Gläschen anstoßen möchte, ist willkommen.

Das seit 2014 bestehende Schulungssystem „Clever ins Netz“ – die kommerzielle Schiene des SIBS – ist neben der Computermäuse-Arbeit der zweite Renner bei Birgit Zwicknagel. „Das ist ein Selbstläufer geworden!“, sagt sie. Vor drei Jahren sei das Fass hier zum Überlaufen gekommen, so viele Anfragen habe es gegeben: „Wir sind aktuell bis Mai 2020 ausgebucht!“ Anfragen kämen sogar aus München oder Passau. Die Kosten pro Schulung, etwa für Workshops an Schulen, betragen für die Gruppe 120 Euro – „unser Grundgedanke ist die Kostendeckung!“ Vieles von dem Geld fließe wieder in die Arbeit im Verein, etwa um dort die Fahrtkosten für gut 40000 Kilometer im Jahr aufzubringen, für Computer und anderes.

Lesen Sie hier alle Teile der Kolumne von Birgit Zwicknagel „Probleme im Netz“

Geladene Waffe ohne Anleitung

Man wolle auch denen, die mit Jugendlichen arbeiten, wie Jugendarbeitern an Schulen oder Lehrern, mehr Hilfen anbieten. Nach Einschätzung von Birgit Zwicknagel wird der Bedarf steigen, da Bund und Länder die Digitalisierung an Schulen vorantreiben, doch die Ausbildung dafür vernachlässigt werde: „Das ist so, als gebe man einem eine geladene Waffe und sage, spiel schon mal damit – eine Ausbildung gibt es morgen!“ Hier wolle das Zentrum künftig Erklärfilmreihen mit Arbeitsmaterial und Apps anbieten, etwa für Pädagogen, die hier weiterhelfen.

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Nebenbei sind aber nun Privatschulungen im neuen Medienkompetenzzentrum geplant für den Umgang mit Hardware wie Tablets oder Handys oder den dazugehörigen Anwendungen. In den bisherigen Räumen, der Privatwohnung der Zwicknagels, war das nicht möglich. „Wir wollen einfach Interessierten – ob jung oder alt – den Umgang mit den Neuen Medien erleichtern und bei Problemen helfen“, beschreibt Birgit Zwicknagel die Hintergründe.

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