MyMz
Anzeige

Veranstaltung

Neue Form, aber altes Niveau

Unter dem Motto „Klassik trifft Jazz“ luden die Opern- und Konzertfreunde Furth im Wald zu einer Kunstschau.
Johann Reitmeier

Sie beschlossen den Klassikteil des Konzertes: Michal Rezek am Klavier mit dem Kubelik-Quartett; im Bild rechts die Figurengruppe „Begegnungen“ von Karl-Ernst Soukup, die so treffend zu dem großen Wandbild mit demselben Titel passt. Foto: Johann Reitmeier
Sie beschlossen den Klassikteil des Konzertes: Michal Rezek am Klavier mit dem Kubelik-Quartett; im Bild rechts die Figurengruppe „Begegnungen“ von Karl-Ernst Soukup, die so treffend zu dem großen Wandbild mit demselben Titel passt. Foto: Johann Reitmeier

Furth im Wald.Wenn schon neu durchstarten, dann gleich richtig – mit neuer Veranstaltungsform, aber auf dem seit vielen Jahren gewohnten Niveau. So zu erleben letzten Sonntag, zur blauen Stunde ab 17 Uhr, im ATT. Da hatten die Opern- und Konzertfreunde Furth im Wald, ihr neuer Vorsitzender Volker Heiduk und seine Stellvertreterin Jaroslava Seidlmayer zum „Sommerabend mit Musik“ eingeladen, Motto „Klassik trifft Jazz“.

Es sollte gewissermaßen eine Vier-Sparten-Veranstaltung werden – musikalisch mit Klassik und Jazz, begleitend dazu eine kleine, aber feine Präsentation heimischer Bildender Kunst und, nicht zuletzt, ein kulinarisches Topp-Angebot des Hauses (Restaurant „Siegls“).

Für den Klassikteil im Programm konnten tschechische Künstler der oberen Kategorie verpflichtet werden: Konzertpianist Michal Rezek, der den Furthern schon lange verbunden ist; das Kubelik-Streichquartett mit den Geigern Jan Marek und Dana Truplova, Karolina Strasilova (Bratsche) und dem Cellisten Tomas Strasil. Als Kontrapunkt dazu hatte man das Gesicht des Jazz in der Region, den Trompeter und Sänger Sigi Lee Nachreiner, seinen Bruder Anton am Kontrabass und den Pianisten Roman Wirthl eingeladen – zusammen sind sie „Privat Joker“.

Auf die übliche Konzertbestuhlung war verzichtet worden und man hatte die Gäste an langen Tischen – mit bester Sicht zur Bühne und auf die Kunstwerke von Alexander Costa und Karl-Ernst Soukup – platziert.

Kammermusik-Romantik

Was en gros im Programmzettel mit Klassik bezeichnet wurde, war beste böhmische Kammermusik-Romantik von den Säulenheiligen der tschechischen Musik – Antonin Dvorak und Bedrich Smetana. Wobei zunächst im Mittelpunkt des Geschehens Michal Rezek mit wechselnden Solopartnern stand: Rezek, künstlerisch kompetent wie immer, locker und mit liebenswertem sommerlichen Habitus, begann zunächst mit Tomas Strasil (Cello) in einer Polonaise A-Dur.

Wie so oft im böhmischen Repertoire wird der Begriff „Heimat“ nicht nur poetisch, sondern auch musikalisch verarbeitet. Bedrich (Friedrich) Smetana schrieb dazu ein Duett für Geige (Dana Truplova) und Klavier. Ein pianistisches Feuerwerk brannte Michal Rezek ab in der „Konzertfantasie über tschechische Volkslieder“, ebenfalls von Smetana. Reminiszenzen an seine erste Liebe hatte der große Komponist Dvorak in seinem „Lieder ohne Worte“-Zyklus verarbeitet. In der eher selten zu hörenden Endfassung für Streichquartett konnte man hier eine kleine Auswahl davon hören. Ein Musterbeispiel des Zusammenspiels bot dann das den klassischen Teil beschließende Klavierquintett A-Dur op. 81 von Antonin Dvorak. Eine derart geschlossene Dynamik kann nur erreichen, wer so lange gemeinsam musiziert wie das Kubelik-Quartett und dazu einen kongenialen Partner wie Rezek am Flügel hat.

Drei Jazzer mit eigenem Stil

Die böhmische Romantik, aber auch der leidenschaftliche Jazz des Trios „Private Joker“ bestechen mit denselben Zutaten, als da sind Seele, Dynamik, Hingabe, Authentizität und Persönlichkeit. Beide verlangen den ganzen Musiker. Und genauso agierten die drei Jazzer mit eigenem Stil in der kommenden Stunde – Sigi Lee Nachreiner außer mit Trompete und Flügelhorn auch in ungemein temperamentvollem Gesang samt aufregender Scat-Impros. Sein Bruder Anton beherrscht die Kardinaltugend des Kontrabassspiels – unauffällig, aber stets unverzichtbar komplettierend, in jeder Phase präzise und satt swingend – die Soloimprovisationen sind melodiös, fantasievoll und voller blendender Ideen. Der Tastenmann Roman Wirthl schien es tatsächlich zu genießen, den riesigen Bohemia-Flügel unter seinen Händen zu haben und ihn so richtig perlen zu lassen – alle Achtung.

Die Veranstalter hatten mit dem Maler Alexander Costa und dem Skulpteur Karl-Ernst Soukup zwei Künstler eingeladen, die begleitend zur Musik Arbeiten aus Atelier und Werkstatt, quasi als dritte Säule des Tages, zeigten. Beide sind langjährige aktive Mitglieder des Kunst- und Kulturvereins FreiRaum Furth im Wald, haben etliche Ausstellungen beschickt und große Anerkennung erhalten. Ihre Werke bestechen durch große Ausdruckskraft, ihre ureigene Ästhetik und einem persönlichen, unverwechselbaren Stil.(cjr)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht