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Region Cham
Freitag, 23. Februar 2018 2

Natur

Neuer Lebensraum sorgt für Artenvielfalt

Ausgleichsflächen sind Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen und sorgen für blühendes Leben in ökologischen Nischen.
Von Wolfgang Baumgartner

Ein Paradebeispiel für eine optimale Gestaltung von Ausgleichsflächen ist der Uferstreifen am Neumühlen-See. Foto: A. Mühlbauer

Furth im Wald.Straßen- oder Wohnungsbau: Wird in die Natur eingegriffen, muss eine Ausgleichsfläche entstehen. Seit etwa 2000 gibt es dazu eine gesetzliche Regelung auf Grundlage des Baugesetzbuches. Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft wie sie durch die Ausweisung von Baugebieten im Rahmen der Bauleitplanung, durch den Straßen- oder Leitungsbau oder durch viele sonstige Vorhaben entstehen, erfordern Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.

Durch die Wasserzufuhr aus dem See entstanden im Uferbereich wertvolle ökologische Nischen mit Tümpel. Laut Heribert Mühlbauer ist dieser rund 50 Meter breite Randstreifen zwischen See und Nutzfläche ökologisch von allerhöchster Bedeutung. Foto: A. Mühlbauer

Dementsprechend sind auf anderen Flächen landschaftspflegerische und der Natur dienliche Maßnahmen durchzuführen, um die ökologische Qualität dieser Flächen deutlich zu steigern. Die somit ökologisch höherwertigen Flächen sollen die Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft „ausgleichen“ und sind dauerhaft zu sichern und zu erhalten.

Der Natur zurückgeben

Im Klartext soll eine andere Fläche, die durch menschliche Nutzung ziemlich unnatürlich ist, der Natur zurückgegeben werden. In der Praxis bedeutet dies, die Ausgleichsfläche muss ökologisch deutlich aufgewertet werden. Eine bereits naturnahe Fläche ist als Ausgleichsfläche nicht geeignet.

Vor sieben Jahren begannen die Arbeiten an einer Uferseite des Neumühlen-Sees. Auf Anregung von Heribert Mühlbauer kaufte das Staatliche Bauamt Regensburg rund zwei Hektar neben dem See an und schuf neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Foto: A. Mühlbauer

Doch wie sieht es in der Praxis aus? Nach den Worten von Friedrich Schuhbauer von der Pressestelle am Landratsamt, gibt es verschiedene Träger von Ausgleichsflächen: Gemeinden, Landkreis, Freistaat, Bundesrepublik oder Private. Allein das Staatliche Bauamt Regensburg, Abteilung Straßenbau, verfügt über 115 Hektar Ausgleichsflächen nur im Landkreis Cham. Zuständig für die Betreuung, Nutzung und Verwaltung ist das Sachgebiet Landschaftspflege unter der Leitung von Josef Huber. „Bei der Pflege dieser Flächen wird streng darauf geachtet, dass keine intensive landwirtschaftliche Nutzung erfolgt“, berichtet Josef Huber im Gespräch mit unserem Medienhaus. Seine Behörde verwaltet die Ausgleichsflächen der Landkreise Cham, Neumarkt und Regensburg. „Insgesamt sind das 211 Hektar“, fügt Josef Huber hinzu. Ein Vorzeigeprojekt in Sachen Ausgleichsflächen wurde vom Staatlichen Bauamt im Bereich des Neumühlen-Sees geschaffen. „Hier entstand ein absolutes Kleinod“, kommt Heribert Mühlbauer, langjähriger Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz und aktuell Betreuer von Flora und Fauna rund um den Drachensee ins Schwärmen.

Von „höchster Bedeutung“

Der See in Neumühlen befinde sich seit 1981 im Eigentum des LBV. Für den damaligen LBV-Kreisvorsitzenden war klar, dass als logische Folge des Erwerbs die Neugestaltung der Uferbereiche erfolgen müsse. Beim Staatlichen Bauamt Regensburg, Abteilung Straßenbau, stieß Mühlbauer auf offene Ohren und „großes Verständnis!“

Bereits 2013 wurde die gelungene Gestaltung des Uferbereichs in Neumühlen deutlich. Die Ausgleichsflächen entwickelten sich in kurzer Zeit zur Kinderstube für viele Tier- und Pflanzenarten. Ganz wichtig ist die Wasserversorgung aus dem See. Foto: A. Mühlbauer

Auf seine Initiative hin erwarb die Behörde das angrenzende, fast zwei Hektar große Grundstück und schuf dort neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Vor rund sieben Jahren rollte schweres Gerät zum Neumühlen-See. Es entstanden herrliche Tümpel mit Wasserzufuhr aus dem See und ein strukturierter Uferstreifen. „Dieser rund 50 Meter breite Randstreifen zwischen See und landwirtschaftlich genutzter Fläche ist ökologisch von höchster Bedeutung“, erläutert Heribert Mühlbauer.

Schonende Bewirtschaftung

Ausgleichsflächen sind nach seinen Worten meist ungeliebt. Doch die Artenvielfalt brauche diesen Ersatz für Versiegelung dringend. Der Bereich um den See in Neumühlen sei ein hervorragendes Beispiel, wie die Pflicht für Ausgleichsflächen zur Kür werden kann.

Die Ausgleichsflächen des Straßenbauamtes werden zum Teil landwirtschaftlich genutzt, etwa durch zeitliche Beweidung mit Schafen. „Grundsätzlich wird dabei auf äußerst extensive Bewirtschaftung ohne Einsatz von Dünger und Pflanzenschutz geachtet“, konstatiert Josef Huber. Auch würden hier verschiedene Programme für Wiesenbrüter mit klar definierten Mähzeiten oder für Feuchtbiotope greifen.

Im Jahr 2012 machte der Baufortschritt deutlich, welch Potenzial in diesen Ausgleichsflächen neben dem See in Neumühlen steckt. Der Puffer zwischen dem landwirtschaftlich genutzten Areal und dem See wurde sehr rasch von den Tieren angenommen. Foto: A. Mühlbauer

Das kostet natürlich auch Geld: Bund und Freistaat geben für die Bewirtschaftung der vom Staatlichen Bauamt verwalteten Ausgleichsflächen rund 41 000 Euro pro Jahr aus. Dieser Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist auch im bayernweiten Ökoflächenkataster erfasst. Die Datenbank dient der Verwaltung ökologisch bedeutsamer Flächen, die in keinem anderen Verzeichnis geführt werden. Dazu gehören auch Ökokonto-Flächen. Das Kataster unterstützt die Naturschutzbehörden beim Vollzug der Eingriffsregelung. Auch die Ausgleichsflächen im Landkreis Cham sind in dieser Datenbank erfasst.

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