MyMz
Anzeige

Geschichte

Neukirchens Gläubige feiern Muttergottes

Seit 600 Jahren ist die Heilige Madonna von Loucim in Neukirchen beheimatet. Zu diesem Ehrentag pilgerten Gläubige.
Von Helga Brandl

Am Ziel ihres Pilgerwegs angelangt, ziehen die Wallfahrer in die Kirche in Loucim ein. Vorneweg ging Karlheinz Köppelle mit der Wallfahrtskerze. Fotos: Helga Brandl
Am Ziel ihres Pilgerwegs angelangt, ziehen die Wallfahrer in die Kirche in Loucim ein. Vorneweg ging Karlheinz Köppelle mit der Wallfahrtskerze. Fotos: Helga Brandl

Neukirchen b. Hl. Blut.Sensationell, ergreifend und von tiefer Dankbarkeit geprägt, präsentierte sich die Jubiläums-Wallfahrt „600 Jahre Gnadenbild“ nach Loucim in Tschechien – dem Ursprungsort der Madonna vom Heiligen Blut, die im November 1419 von Susanna Halada über die Grenze nach Neukirchen beim Heiligen Blut getragen wurde, um die Marienfigur vor den Hussiten in Sicherheit zu bringen. Anhaltender Regen konnte die Euphorie der 160 Fußwallfahrer nicht trüben. Das neue Prozessionskreuz wies den Pilgern den teils mühsamen Weg nach Rothenbaum, um auf dem ehemaligen Kirchengelände der Verstorbenen zu gedenken.

Pfarrer Georg Englmeier segnete die diesjährige Pilgerkerze. Fotos: Helga Brandl
Pfarrer Georg Englmeier segnete die diesjährige Pilgerkerze. Fotos: Helga Brandl

Nach einer weiteren kurzen Pause näherte sich der von der Neukirchner Bergwacht eskortierte Pilgerstrom dem Ziel – der Pfarrkirche von Loucim. Bereits am Vormittag erwarteten darin viele Gläubige die Muttergottesstatue, die Pfarrer Georg Englmeier in die Kirche trug. Loucims Bürgermeisterin Jana Dirriglova hieß zum Festgottesdienst neben Generalvikar Fuchs und Engl-meier, die Neukirchener Bürgermeister Markus Müller, Hans Kerscher und Uli Neumayer willkommen.

Das Wunder der Madonna

Die Neukirchener Sänger gestalteten den Festgottesdienst mit einfühlsamen Liedern um die Gottesmutter. Fotos: Helga Brandl
Die Neukirchener Sänger gestalteten den Festgottesdienst mit einfühlsamen Liedern um die Gottesmutter. Fotos: Helga Brandl

Dirriglova empfindet die gemeinsame Geschichte als ein Wunder, aber auch als Beispiel dafür, wie eine scheinbar kleine Tat eines Einzelnen mächtige Grenzbrücke werden könne. Inmitten der festlichen Atmosphäre dankte sie Pfarrer Engelmeier, der sich für den historischen Besuch eingesetzt hatte, und auch dem Bistum Regensburg für die Genehmigung. Es ist unübersehbar, dass die Loucimer Madonna in Neukirchen sehr gut gepflegt, versorgt und verehrt werde. „Es wäre schön, wenn dieses besondere Ereignis den zukünftigen Generationen auch gewährt würde und die Madonna uns zumindest einmal in 100 Jahren besuchen könnte“, sagte die Bürgermeisterin.

Die Pfarrkirche in Loucim konnte die zahlreichen Marienverehrer gar nicht fassen.  Fotos: Helga Brandl
Die Pfarrkirche in Loucim konnte die zahlreichen Marienverehrer gar nicht fassen. Fotos: Helga Brandl

Überwältigt war auch Generalvikar Michael Fuchs aus Regensburg angesichts der zahlreichen Pilger, die sich zum Gebet versammelten. Ihn erfüllt es mit großer Freude, diese Messe 30 Jahre nach der Wiedervereinigung zu feiern. Eben weil die Loucimer Mutter Gottes von Neukirchen ihre schützende Hand über alle hält und auf beiden Seiten der Grenze verbindet. Schauen wir 600 Jahre zurück, erschließt sich ein unglaublicher Zeitraum, der uns und unsere Vorfahren im Glauben getragen hat. Fuchs verkündete seine Predigtgedanken zweisprachig und ging darin der Frage nach, wie es sei, wenn man nach langer Zeit wieder heimkomme. Er vermittelte den Zuhörern den Wunsch deutscher Soldaten, für die es nach der Gefangenschaft nur eine Richtung gab: nach Hause. Auch für die Flüchtlinge unserer Zeit wird Syrien ihre Heimat bleiben, aber Deutschland wird immer mehr ihr Zuhausesein, zitierte er die Vertriebenen.

Hintergrund

  • Figur:

    Das Original ist seit 600 Jahren in Neukirchen b. Hl. Blut. In Loucim steht eine Kopie.

  • Bilder:

    Anlässlich des historischen Wallfahrtstags gab es Andachtsbilder mit der „Panna Maria Loucimská“ und zahlreiche Fotos der Gottesmutter im Originalzustand – ohne Festkleid. Diese Bilder wurden für das einmalige Ereignis gemacht.

Hauptzelebrant Generalvikar Michael Fuchs (M.) mit seinen Glaubensbrüdern am Altar in Loucim Fotos: Helga Brandl
Hauptzelebrant Generalvikar Michael Fuchs (M.) mit seinen Glaubensbrüdern am Altar in Loucim Fotos: Helga Brandl

Eine Begegnung mit der Vergangenheit kann nicht zurückgedreht werden, tut aber noch weh. Am Samstag vor dem Martinstag kam eine Frau in ihre alte Heimat zurück – nicht nach sechs oder 60 sondern nach 600 Jahren bringen die bayerischen Pilger den böhmischen Gläubigen ihre Muttergottes von Loucim wieder. Um das Gnadenbild unbeschadet nach Hause zu bringen, sorgten die Feuerwehren für Geleitschutz. Doch wem gehört sie denn eigentlich, die schon seit Jahrhunderten die Benennung hat „die Loucimer Madonna in Neukirchen“? Die Menschen haben dies scheinbar immer schon gewusst: Sie gehört nicht nur mir und sie ist nicht unsere Frau; sie ist die Mutter Jesu, die uns erlöst und aus allen Ecken und Enden zusammenführt zu einer Gemeinschaft des Glaubens. Die mutige Frau, Susanna Halada, hat im November 1419 diese verehrte Marienfigur vor den hussitischen Kriegstruppen gerettet.

Die heiligen Vorbilder

 Ein Novum in der Wallfahrtsgeschichte: das Original (rechts) und die Kopie des Gnadenbildes stehen zusammen auf dem Altar in der Pfarrkirche vom Loucim Fotos: Helga Brandl
Ein Novum in der Wallfahrtsgeschichte: das Original (rechts) und die Kopie des Gnadenbildes stehen zusammen auf dem Altar in der Pfarrkirche vom Loucim Fotos: Helga Brandl

Die Überlieferung erzählt, dass der Hussit die Figur entdeckte, mit dem Schwert zerschlug und in den Brunnen warf. Die Figur kam mit blutender Wunde aus dem Brunnen – dies ist ein großes Zeichen. Viele Pilger deuten dieses Zeichen als den Glauben, der immer wieder zerschlagen und bedroht wird. Maria will uns in der Geschichte des Gnadenbildes auf den gekreuzigten Jesus verweisen. Die Heiligen unserer ehemaligen Heimat haben es uns wie die heilige Agnes von Böhmen, die ein Kloster gründete und für die Armen eintrat, vorgelebt. Neben weiteren Heiligen nannte der Generalvikar den barmherzigen Bruder Eustachius Kugler, der das Krankenhaus in Regensburg aufbaute.

Marienmonat

Die kostbaren Kleider der Muttergottes

Jährlich besuchen rund 150 000 Pilger das Gnadenbild in Neukirchen b. Hl. Blut. Die Gewänder haben einen unschätzbaren Wert.

Mit Dankbarkeit dürfen die Gläubigen auf 600 Jahre zurückschauen. Generalvikar Fuchs zollte den Fußwallfahrern Respekt, die trotz des trüben Wetters in beeindruckender Zahl aufbrachen. „Ihr Vertrauen in die Gottesmutter ist so groß – das macht Beine. Mögen alle Gläubigen nicht nur an diesem Pilgertag, sondern das ganze Leben lang unter dem Schutz und Segen der Gottesmutter stehen.“

Maria Regele übernahm den Lektorendienst Fotos: Helga Brandl
Maria Regele übernahm den Lektorendienst Fotos: Helga Brandl

Den zweisprachigen Festgottesdienst gestalteten die Neukirchener Sänger mit der Bauern-Messe und treffenden Liedern wie „Da knie ich Maria vor Deinem Bild“ und dem Neukirchener Wallfahrtslied. Lektorendienste übernahmen Maria Regele und Hans Kerscher. Nach dem klangvollen zweisprachigen Te Deum segnete Pfarrer Englmeier die Wallfahrerkerze, die Karlheinz Köppelle beim Einzug der Pilger trug. Der Neukirchener Seelsorger sagte Danke für das Glaubenszeugnis und den bewegenden Moment. Er war zu Tränen gerührt, als er am Samstagmorgen nach 600 Jahren die Madonna in die Kirche von Loucim brachte und sie überschwänglich singend und betend empfangen wurde.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht