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Natur

Nicht nur übers Klima reden: Pflanzen!

Die Evangelische Jugend setzt in einem Wald bei Bad Kötzting 950 junge Bäume, um ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen.
Von Petra Schoplocher

So schön kann „grünes“ Engagement sein. In aufwendiger Handarbeit pflanzten Mitstreiter der evangelischen Jugend, hier Lea und Maggie, oberhalb von Schönbuchen fast 950 junge Bäume. Fotos: Schoplocher
So schön kann „grünes“ Engagement sein. In aufwendiger Handarbeit pflanzten Mitstreiter der evangelischen Jugend, hier Lea und Maggie, oberhalb von Schönbuchen fast 950 junge Bäume. Fotos: Schoplocher

Bad Kötzting.Die einen: Auf der Suche nach einem sinnvollen Engagement unter der großen Überschrift „Klimaschutz“. Der andere: In der Bredouille, einerseits gerne und zeitnah an die 1000 junge Bäume zu pflanzen, aber in Zeit- und Personalnot. Wie gut, dass es da Mensschen wie Hans Geiger gibt. Der Förster führte nämlich kurzerhand beiden Parteien zusammen. Herausgekommen ist dabei eine Aktion, die ihresgleichen suchen dürfte.

Hans Geiger (links) ist Leiter des Fortsreviers Bad Kötzting, hat Waldbesitzer und Evangelische Jugend vermittelt. Fabian Geißler ist Dekanatsjugendreferent und froh, dass dem Konvent so schnell Taten gefolgt sind.
Hans Geiger (links) ist Leiter des Fortsreviers Bad Kötzting, hat Waldbesitzer und Evangelische Jugend vermittelt. Fabian Geißler ist Dekanatsjugendreferent und froh, dass dem Konvent so schnell Taten gefolgt sind.

Zunächst zur Evangelischen Jugend (EJ) im Dekanat Cham. Die hielt vor nicht allzu langer Zeit ihren Herbstkonvent unter dem Motto #ejforfuture ab. Thematisiert wurden der Klimawandel, Ursachen und Auswirkungen, sowie ganz zentral die Frage, welchen Beitrag jeder Einzelne leisten könnte. „Was kann ich als Mensch, als Jugendlicher tun, um die Schöpfung zu bewahren?“ Eine Antwort: Bäume pflanzen.

Borkenkäfer war da

Waldbesitzer Josef Gmach aus Rimbach hat es in diesem Sommer gleich zwei Mal erwischt. Mit einer kleineren Fläche und fast 3000 Quadratmetern an der Gemeindegrenze Bad Kötzting/Grafenwiesen, in der der Borkenkäfer jeweils sein Unwesen trieb. Das Ergebnis: Kahlschlag. Auf dieser Fläche wollte er im Sinne „klimastabiler Wälder“ nur allzu gerne nachpflanzen, nur fehlte ihm die „Manpower“ für die rund 2800 Quadratmeter, die noch dazu steil und felsig sind. Wie gut, dass Hans Geiger (auch) da Rat wusste.

Der felsige Untergrund machte es den Ehrenamtlern nicht immer leicht. Auch die Reihenfolge der Bäumchen, wie etwa zweimal Douglasie, einmal Buche, erforderte ein wenig Mitdenken. Immerhin waren die Pflanzpunkte mit Bambusstecken gut markiert.
Der felsige Untergrund machte es den Ehrenamtlern nicht immer leicht. Auch die Reihenfolge der Bäumchen, wie etwa zweimal Douglasie, einmal Buche, erforderte ein wenig Mitdenken. Immerhin waren die Pflanzpunkte mit Bambusstecken gut markiert.

Der Fichte, verrät Gmach, habe er schon vor mehr als 20 Jahren abgeschworen. Er möchte seinen Wald bewusst breit aufstellen, nimmt ganz bewusst auch die Esskastanie mit, „weil wissen, wie sich alles entwickelt, tun wir es alle nicht“. Und erleben werden wir es auch nicht, wie er nachdenklich hinzufügt.

Aktion

Neue Bäume für Klimaschutz statt Demo

Statt am Friday for Future die Schule zu schwänzen, gingen 20 Neuntklässler in den Wald und setzten knapp 300 neue Bäume.

Während die 14 Jugendlichen und jungen Erwachsenen graben und die jungen Bäume vorsichtig in ihr neues Zuhause setzen, beseitigt Josef Gmach mit Helfern und Rückewagen Äste, damit Platz ist für die 950 Pflanzen. Wo die jeweils hinmüssen, verrät ein Plan. „Zweimal Douglasie, einmal Buche“, betet sich Fabian Geißler dennoch vorsichtshalber vor. Zehn Helfer hatte er sich als Ziel gesetzt, damit die Hochrechnung des Försters „tausend Pflanzen in drei Stunden“ aufgeht. Dass es leicht mehr wurden, ermutigt ihn.

Der Sebastian, der kann das“, hat Hans Geiger gleich gesehen. Insgesamt sechs verschiedene Baumarten wurden auf den knapp 3000 Quadratmetern Fläche gepflanzt, die in diesem Sommer dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen waren, wie so viele im Landkreis.
Der Sebastian, der kann das“, hat Hans Geiger gleich gesehen. Insgesamt sechs verschiedene Baumarten wurden auf den knapp 3000 Quadratmetern Fläche gepflanzt, die in diesem Sommer dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen waren, wie so viele im Landkreis.

Gemeinsam, betont Hans Geiger, haben Waldbesitzer und Förster die Mischung ausgetüftelt: Buche, Douglasie, Spitzahorn, Hainbuche, Roteiche und Esskastanie. Fichte und Tanne kommen aus Naturverjüngung. Mitunter sei es inzwischen gar nicht mehr so leicht, überhaupt noch Pflanzen zu bekommen, weiß der Bad Kötztinger Förster. Vor allem, wenn eine spezielle Herkunft gefragt sei. Mit den Containerpflanzen für die EJ-Aktion sei es aber „gerade noch gegangen“.

Der November sei ohnehin der beste Pflanzmonat, erklärt Förster Geiger. Bis vor wenigen Jahren habe das Frühjahr ebenso hoch im Kurs gestanden, mittlerweile „kann ich wegen Wärme und Trockenheit guten Gewissens nicht mehr dazu raten“.

Regional und bio auf Freizeiten

Die Idee, dass der Konvent Nachklang finden sollte, hatte die evangelische Jugend bereits bei der Vorbereitung. Ganz neu ist sie zwar nicht, die Regensburger etwa fahren alle Jahre nach Bayrischzell zum Bäumepflanzen. „Warum machen wir das nicht in der Region?“, lautete die Überlegung der Chamer. Ursprünglich hatten die Verantwortlichen vor, Spenden zu sammeln, Bäume zu kaufen und dann zu pflanzen. „Aber so ist es natürlich viel besser“, meint Fabian Geißler, der schon während der Aktion darüber nachdachte, diese als festen Programmpunkt aufzunehmen.

Nicht nur Einzelkämpfer, sondern ganze Familien hatten sich in den Dienst der guten Sache gestellt und ließen sich nicht mal vom Regen abhalten. „Macht Spaß und Sinn“, lautete folglich passend das Motto des Vormittags.
Nicht nur Einzelkämpfer, sondern ganze Familien hatten sich in den Dienst der guten Sache gestellt und ließen sich nicht mal vom Regen abhalten. „Macht Spaß und Sinn“, lautete folglich passend das Motto des Vormittags.

Seit nunmehr zwei Jahren wird für alle Freizeiten und Fahrten der Dekanatsjugend innerhalb Deutschlands biologisch und nach Möglichkeit regional eingekauft. Beim Konvent im Oktober war die Küche ausschließlich vegetarisch, verweist der Dekanatsjugendreferent auf weitere Akzente unter diesem Themendach.

Nachdem alle Beteiligten mit derart großer Begeisterung bei der Sache waren, können sich Geißler und das Leitungsteam gut vorstellen, „Bäume pflanzen“ fest ins Jahresprogramm aufzunehmen. Denn fest steht auch: Das war ein bester Beitrag zum Umweltschutz vor der Haustür.

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