mz_logo

Region Cham
Montag, 16. Juli 2018 27° 3

Kommentar

O Finanzamt – Du Härtefall!

Ein Kommentar von Johannes Schiedermeier

Als wäre es nicht genug, dass bei der Abkürzung für die elektronische Steuererklärung ausgerechnet die „ELSTER“ herausgekommen ist. Ein Vogel, nachweislich dafür bekannt, dass er alles klaut, was blinkt, und fremde Nester ausräubert. Nein – nun schreibt das Finanzamt auch noch Briefe und beweist damit, dass man auch in elektronischer Form richtig daneben liegen kann. Auf dem Altar der gewünschten Arbeitserleichterung werden hier jegliche Umgangsformen geopfert.

Unverhohlen wird einem 78-jährigen, der Jahrzehnte pünktlich seine Steuern bezahlt hat mit Zwangsmaßnahmen gedroht. Das entschuldigt man damit, dass dahinter das Wort „können“ gestanden hat, und es sich damit nur um eine mögliche Androhung handelt. – Herr P. hatte vor 20 Jahren auch schon keinen PC. Er ist deswegen aber nicht doof und erledigt seine Steuererklärungen bis heute selber. Er will auch nicht, dass sein Sohn das macht und er will sich keinen Steuerberater aufnötigen lassen.

Bisher galt Herr P. deshalb laut Abgabenordnung als „Härtefall“ – auch nett! Darunter versteht das Gesetz „einen Steuerpflichtigen, dem die elektronische Übermittlung wirtschaftlich und persönlich nicht zuzumuten ist“. Dann sei einem Antrag auf Befreiung zu entsprechen.

Genau das werde man prüfen, sagt das Finanzamt nun. Liebes Finanzamt – manchmal bist Du ein echter Härtefall!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht