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Olympia zählt mehr als Geburtstag

Der Chamer Günther Lommer hat die Münchner Olympia-Niederlage in Durban miterlebt.

Günther Lommer und Franz Beckenbauer gehörten zur Münchner Olympia-Delegation. Zum Feiern gab’s leider nichts.

Cham/Durban. Stell dir vor, du hast Geburtstag: Und alle sind da! Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer, Ministerpräsident Horst Seehofer, die Mittermeier Rosi, der Neureuther Christian, der Wasmeier Markus und die Kathi Witt. Bundespräsident Christian Wulff ist auch extra eingeflogen. Und wie sie noch alle heißen, die in der Welt von Sport und Politik in Deutschland einen guten Namen haben.

Günther Lommer, der pensionierte Chamer Lehrer, Stadtrat, Ex-ASV-Vorsitzende und Präsident des Bayerischen Landessportverbandes, muss sich sowas nicht im Traum vorstellen. Für ihn ist das alles Realität. Lommer ist seit Montagabend mit der deutschen Olympia-Delegation im südafrikanischen Durban, um dort für die Spiele in München und Garmisch zu werben. Und er hätte mit all den prominenten Begleitern leicht Geburtstag feiern können. Am Dienstag wurde Günther Lommer 65 Jahre alt.

„Kein Mensch hat‘s gewusst“

Es hat keine Feier gegeben. Und Günther Lommer war nicht unglücklich drüber. „Hier hat kein Mensch gewusst, dass ich Geburtstag habe“, sagte er, als wir ihn gestern am Handy in Durban erreichten: „…und mir war es ganz angenehm so.“ Auch daheim hätte er wohl diesen Tag nicht groß gefeiert. Denn: „Ich halte Geburtstage überhaupt für nicht so wichtig, –und den 65. auch nicht.“

Trotzdem: Glückwunsch am Telefon! Aber es gibt andere Fragen, wenn man einen Chamer an der Strippe hat, der auf der anderen Seite der Weltkugel gerade gut drei Stunden vor einer Entscheidung steht, die die ganze Welt interessiert.

Wir haben Lommer gegen 14 Uhr in Durban am Handy erwischt – in „Hochspannung pur“. Die Präsentation der Münchner Delegation am Vormittag hat er gerade hinter sich. Den nächsten entscheidenden Termin weiß er auf die Minute genau: „17.23 Uhr“. Um diese Zeit will das IOC seine Entscheidung verkünden: München-Garmisch oder Pyeongchang? Für Lommer geht‘s drei Stunden vorher nur mehr um diese Frage. Der französische Kandidat Annecy ist auch für ihn nur noch Statist.

Aber im Rennen mit dem südkoreanischen Hauptkonkurrenten hat Lommer gerade ein Wechselbad der Gefühle hinter sich. Erst kam die Münchner Präsentation an diesem Morgen mit Kathi Witt und Franz Beckenbauer an der vordersten Front. Am Ende ist Lommer mit einem „Hochgefühl“ rausgegangen. „Besser kann man es nicht machen!“, Das ist sein Urteil über die Protagonisten. Aber: Nach der Vorstellung von Pyeongchang klingt seine Stimmung am Telefon wieder deutlich gedämpft. „Wenn es allein nach sachlichen Argumenten ginge, dann käme man an uns nicht vorbei“, sagt er: „Aber: „Die Südkoreaner haben alles richtig gemacht.“ Das heißt: „Sie sind ganz auf der Mitleidsschiene gefahren“, meint Lommer und fürchtet, dass die zweifache Niederlage vorher diesmal Pyeongchang den Sieg über München-Garmisch bringen könnte.

Und was war hinter den Kulissen?

Kann hinter den Kulissen vielleicht auch Geld manches IOC-Mitglied in seiner Entscheidung beeinflussen? Günther Lommer sagt: „Möglicherweise, auch hier in Durban wird am Rande viel darüber geredet, aber konkrete Anhaltspunkte dafür kann ich nicht erkennen.“ Was hat Günther Lommer sonst noch alles in der Olympia-Delegation erlebt? Montagabend um 22 Uhr ging‘s los mit dem Flieger von München, Dienstagmorgen um 9 Uhr Landung in Durban. Südafrika liegt in der gleichen Zeitzone Nur die Tage sind kürzer in Südafrika. Lommer: „Ich bin schon verblüfft, dass es jetzt bei Sommertemperaturen von 22 Grad morgens um 7 Uhr noch nicht hell wird und nachmittags um 17 Uhr schon wieder finster ist.“

„Präsenz zeigen für München!“ Darin sah Günther Lommer seinen persönlichen Part mit insgesamt rund 180 anderen Persönlichkeiten, die zur deutschen Delegation in Durban gehörten. Und wie gesagt: Der Chamer war ihnen allen so nahe, dass er leicht mit ihnen seinen 65. Geburtstag hätte feiern können.

Mit Franz Beckenbauer zum Beispiel hat er gestern Morgen noch vor seinem Präsentations-Auftritt vor der IOC geplaudert. Natürlich hat Lommer auch dem Kaiser nichts von seinem 65. erzählt. „Ich habe ihm gesagt, wie toll es ist, dass er auch dabei ist“. Und der Kaiser war „ganz locker“ wie immer. „Er hat gesagt, das ist doch selbstverständlich.“

Es war zwei Minuten nach 17.23 Uhr, als wir Günther Lommer gestern nach der offiziellen Entscheidungsverkündung noch einmal kurz am Telefon erwischten. „Man muss es sportlich fair nehmen, auch wenn man es nicht verstehen kann“, kommentiert er die Niederlage. Gewusst hat er’s schon eine Dreiviertelstunde vorher. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat es ihm verraten. Und der Minister wiederum hatte „ein paar deutsche Sportler schon mit Tränen rumlaufen sehen“. Aber Günther Lommer schaut nach vorne: „Wir sollten es für München und Garmisch nochmal probieren.“ Denn: „So eine Olympiade würde einen Schub für den Sport in ganz Bayern bringen.“

Was hätten wir von Olympia?

Könnte von so einem Schub auch der Bayerwald profitieren? „Nicht direkt“, sagt Lommer. Er weiß aber: „Die Leute aus der Arber-Region hatten schon mal angefragt.“ Aber für olympische Wettkämpfe hier bei uns sieht Lommer keine Chancen: „…höchstens vielleicht für ein Trainingslager“. Aber um eine Olympiade in München und Garmisch zu organisieren, da wären für Lommer „die Sportler in ganz Bayern gefordert“.

Heute wird Günther Lommer mit dem Flieger wieder in München landen. Zum Geburtstagfeiern daheim wird kaum Zeit bleiben. Denn für einen Sportsmann wie ihn zählt die alte Herberger-Devise: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, auch wenn das letzte Match gerade verloren ging. Wie gesagt: Für Lommer ist Olympia in Bayern noch nicht verloren. „Wir sollten es nochmal probieren!“

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