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Justiz

Opfer verteidigt Angeklagten vor Gericht

Stress und Alkohol brachten einen Chamer dazu, auf seinen Freund einzuschlagen. Doch der verzieh ihm vor dem Richter.

Das Opfer bat das Gericht, dem Angeklagten eine zweite Chance zu geben. Foto: dpa
Das Opfer bat das Gericht, dem Angeklagten eine zweite Chance zu geben. Foto: dpa

Cham.Sie waren eigentlich gute Freunde. Und dennoch kam es am 11. Februar zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, die jetzt vor dem Chamer Amtsgericht endete. Gemeinsam in einer Gruppe waren die zwei Männer aus Chamer Vororten in eine Chamer Diskothek gegangen. Der 26-Jährige soll dabei den ganzen Abend schon gereizt und schlecht drauf gewesen sein. Irgendwann ist es zum Streit mit dem Freund gekommen, der zunächst auf verbaler Ebene ablief. Und plötzlich hat der Eine auf den Anderen eingeschlagen.

Gleich fünf Schläge soll das Opfer abbekommen haben. Die Folgen: Schürfwunden, Gesichtsprellungen und eine kaputte Brille. Auch ein Dritter soll noch von einem Schlag des Täters gestreift worden sein.

Der 26-Jährige musste sich deshalb wegen Beleidigung, Körperverletzung und versuchter Körperverletzung vor Gericht verantworten. Zur Sachlage konnte recht schnell Licht ins Dunkel gebracht werden, da der Angeklagte alles gestand. Er habe viel getrunken und in der Zeit um den Tattag sehr viel Stress gehabt. Unter anderem hätten private Probleme massiven Einfluss auf sein Wohlbefinden gehabt. Ihm tue die Tat leid und er habe sich im Nachgang mit dem Opfer versöhnt.

Rechtsanwalt Heimerl sprach von einer einmaligen Entgleisung seines Mandanten. Selbst die Rücknahme des Strafantrags stand im Raum, die Staatsanwaltschaft sah hierfür jedoch aufgrund des öffentlichen Interesses keine Möglichkeit.

Der Angeklagte konnte glaubwürdig die Reue der Geschehnisse unter Beweis stellen, auch als er sich nochmals beim Opfer persönlich entschuldigte. Der Geschlagene sagte aus, dass er seinen Freund so nicht kenne. Man habe bereits alles aus dem Weg geräumt, und die kaputte Brille sei ersetzt worden. Schmerzensgeld sei weder geflossen noch verlangt worden. Das Ganze sei in gut 30 Sekunden abgelaufen, die jahrelange Freundschaft habe zwar gelitten, sei aber durchaus wieder auszubauen. Schließlich ergriff der Geschädigte sogar Partei für seinen Freund auf der Anklagebank. Jeder habe schon mal Mist gebaut, und so solle das Gericht ihm doch noch eine zweite Chance geben.

Richter Andreas Lecker bat Staatsanwaltschaft und Verteidiger Heimerl zu einem Rechtsgespräch. Nach kurzer Rücksprache mit dem Mandanten erging ein Beschluss. Danach kanndas Verfahren gegen eine Geldauflage von 2000 Euro eingestellt werden. Rechtlich relevant ist hier der Paragraf 153 des Strafgesetzbuches. Der reuige Täter darf die Geldauflage in vier Raten zu je 500 Euro bezahlen. (cya)

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