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Pumpspeicher

Osser: Vispiron hält an Plänen fest

Die Staatsregierung sieht die Pumpspeicher-Technik als nicht wirtschaftlich an. Die Firma Vispiron, die das PSW am Osser plant, will aber nicht aufgeben.
Von Stefan Weber

  • Vispiron plant ein Pumpspeicherkraftwerk am Osser. Luftbild: Claus Wietek
  • Amir Roughani stellte sein Projekt schon selbst in Lam vor und sieht auch nach den Vorgaben der Staatsregierung keinen Grund, seine Bemühungen einzustellen. Foto: Archiv

Lam.Seit Monaten spalten die Pläne, auf dem Osser ein Pumpspeicherwerk zu errichten, nicht nur die Bewohner des Lamer Winkels in zwei Lager. Ist diese Technik für die Umsetzung der Energiewende in Bayern unverzichtbar und der Eingriff in die Natur deshalb gerechtfertigt? Oder sollte alles nur dem Gewinn eines Unternehmers auf Kosten der Bevölkerung und der Natur im Bayerischen Wald dienen? Eine Frage, die nun mit überraschendem Ende geklärt sein könnte.

Denn mehr oder weniger stichhaltige Argumente haben beide Seiten immer wieder vorgebracht, doch entscheidet die Fragen nun wohl weder ein Aktionsbündnis gegen den Bau noch ein jüngst gegründeter Beirat oder die Firma Vispiron, die die Planung übernommen hat. „Das Projekt ist eigentlich gestorben.“ Dieser Satz stammt aus dem Bayerischen Wirtschaftsministerium.

In einem Interview hatte Ministerin Ilse Aigner am Samstag gesagt: „Die Frage nach einem Neubau von Pumpspeicherkraftwerken stellt sich in Bayern und eigentlich in ganz Deutschland derzeit nicht. Es gibt dafür einfach kein Geschäftsmodell“.

Unverständnis bei Befürwortern

Was auf das Pumpspeicherkraftwerk am Jochberg bezogen war, weitete das Ministerium auf Anfrage der Mittelbayerischen Zeitung auf alle Projekte aus, auch das geplante Pumpspeicherkraftwerk am Osser sei gemeint. Niemand sei bereit, die Kosten für Energie aus Pumpspeicherkraftwerken zu bezahlen, es werde sich kein Investor für diese Projekte finden. In Aigners Umfeld gehe man davon aus, dass nach den Vorgaben der Staatsregierung auch das Raumordnungsverfahren für das Projekt am Osser nicht zu einem positiven Ergebnis führen werde.

Diese unerwartete Absage von politischer Seite stößt bei Initiator Amir Roughani, der mit seiner Firma Vispiron bekanntlich die Planungen betreibt, auf Unverständnis. „Für mich geht die Nachricht in Richtung Jochberg. Das kann ich verstehen, das hätten wir auch nicht befürwortet“, sagt er auf Anfrage der Kötztinger Umschau am Sonntag. Dort handele es sich aber auch um einen viel massiveren Eingriff, als auf dem Osser.

Das liege vor allem daran, dass auf dem Osser bereits vorhandene Strukturen genutzt würden. Der obere Bereich sei touristisch genutzt, am geplanten Unterbecken befinde sich eine Deponie. „Außerdem sind die Dimensionen, die am Osser geplant sind, um ein Vielfaches kleiner als am Jochberg“, erklärt er weiter. „Die Wasserfläche wäre hier etwa 15-mal größer, die Bauzeit fünfmal länger – da kann ich schon verstehen, dass das nicht gewollt wird. Bei unserem Projekt geht es aber um ein viel kleineres und – nicht zuletzt durch die vorhandene Infrastruktur – auch kostengünstigeres Pumpspeicherwerk als am Jochberg.“

Was er aber nicht verstehe, sei, „was unser Raumordnungs-Verfahren mit der Wirtschaftlichkeits-Berechnung im Wirtschaftsministerium zu tun haben soll“. Er glaube nicht, dass dieses aufgrund der Studie aufgehalten werden könne. „Wenn ein Autobauer heute ein Werk plant, dann bekommt er ja auch keine Absage von der Politik, weil es nicht wirtschaftlich erscheine. Das ist ja immer noch Sache der Investoren, nicht der Politik“, sagt er.

Viele verschiedene Parameter

„Eine politische Entscheidung aufgrund einer Studie erscheint mir außerdem schwierig. Die Wirtschaftlichkeit hängt von Hunderten Parametern ab, da kann man nicht pauschal urteilen. Wir werden weiter unsere Rechte in der Sache nutzen“, versichert er außerdem.

Dr. Axel Berg, Schirmherr des Beirats „Johanneszeche“ und Jurist, sieht das ähnlich. „Das wäre ja Planwirtschaft, wenn die Politik vorgeben will, was klare wirtschaftliche Entscheidungen sind“, sagt er in einer ersten Reaktion. Seiner Meinung nach wäre es „sehr traurig“, wenn das Projekt so abgetan würde. „Das würde nur den großen Stromlieferanten nutzen und durch Stromlieferungen aus Kohlekraftwerken und Windparks aus dem Rest Deutschlands nach Bayern die Wertschöpfung aus dem Freistaat abziehen“, kritisiert er. Zumal die Wirtschaftlichkeit eines PSW nicht auf fünf Jahre, sondern auf mehrere Jahrzehnte zu sehen sei.

Nicht ganz so weit in die Zukunft aber genau so düster blickt Elektromeister Josef Aschenbrenner auf Nachfrage der Kötztinger Umschau auf die Aussagen aus dem Wirtschaftsministerium. „Das kann sich alles noch als ganz anders herausstellen, als es jetzt aussieht“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Beirates. „Wir werden alle noch schauen, was passiert, wenn wir keine Pumpspeicherwerke bauen“, zeigt er sich überzeugt. Ihm geht es um den Energiemarkt in Deutschland und die Folgen für ihn, wenn in den kommenden Jahren immer mehr Atomkraftwerke vom Netz gehen werden. „Wenn dann die Schwankungen im Netz zu groß werden, weil wir keinen Ausgleich geschaffen haben, dann sind wir doch die ersten, wo der Strom abgeschaltet werden wird, nicht in den großen Zentren.“

Gegner sehen Ziel erreicht

Eine ganz andere Reaktion haben die Äußerungen von Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner verständlicherweise auf der „anderen Seite“ bei den Gegner des Projektes „Johanneszeche“ hervorgerufen.

Beim Aktionsbündnis „Gegen das Pumpspeicherwerk am Osser“ wurde im Laufe des Sonntages Gewissheit, was sich dessen Mitglieder am Samstag bei Bekanntwerden des Interviews, in dem die Ministerin die ablehnende Haltung der Staatsregierung gegenüber des geplanten PSW am Jochberg kundgetan hatte, nur zu hoffen gewagt hatten: Diese Ansicht beziehe sich auch auf die Pläne auf dem Großen Osser.

„Mit großer Freude haben wir gerade den Artikel über das Aus für das PSW am Osser gelesen“, meldet sich Paul Winterstetter im Namen des Bund Naturschutz schon kurze Zeit nachdem die erste Meldung der Mittelbayerischen Zeitung ihren Weg ins Internet gefunden hat.

„Wir finden es großartig, (...) dass die Absicht von Ministerin Aigner auch für das PSW am Osser gilt“, freut er sich. „Es fällt einem wirklich ein Stein vom Herzen!“

Ob die Freude gerechtfertig oder verfrüht war, wird sich wohl erst noch zeigen müssen.

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