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Energie

Osserkraftwerk: Bürgermeister wackelt

Bei Ortstermin spricht Gemeindeoberhaupt Paul Roßberger von seinem Meinungsumschwung nach einem Experten-Vortrag vergangene Woche in Schwandorf

Zum Ortstermin mit der Marktgemeindeführung kamen rund 20 Anrainer des geplanten Kraftwerks

Lam. Das Pumpspeicherwerk auf dem Osser ist derzeit das Thema im Lamer Winkel. Bei einem Ortstermin am Samstag wollten deshalb die betroffenen Anwohner aus Engelshütt, Buchetbühl und Vorderschmelz den Gemeinderat samt den drei Bürgermeistern sachlich ihre Sorgen und Nöte darlegen. Rund 20 Betroffene fanden sich im Ortsteil Mühlfelder ein.

Der Sprecher der Anwohner, Christian Billig, nannte basierend auf dem Infomaterial, mit dem er bereits bei Landrat Löffler und Regierungspräsident Bartelt vorgesprochen hatte, die Beweggründe, warum das geplante Pumpspeicherwerk an dieser Stelle nicht zu akzeptieren ist. Dazu gehört unter anderem die unmittelbare Nähe des unteren Beckens und des Kraftwerkhauses zu den Wohnhäusern. Befürchtet werden Lärmbelästigung, Luftemissionen, Abwärme, eine hohe Dammanlage und das wenig ansehnliche Bauwerk, wenn der See leer ist, sowie diverse Sicherheitsbedenken wie der Dichtigkeit des Beckens.

Was für Windräder gilt...

Billig ließ in diesem Zusammenhang das vielzitierte St. Florians-Prinzip nicht gelten, schließlich gebe es nirgends in ganz Deutschland eine solche Anlage unmittelbar in der Nähe eines Wohngebietes. „Wenn bei Windrädern ein Mindestabstand von bis zu zwei Kilometer zu einem Wohngebiet gesetzlich geregelt ist, wird man doch auch beim Bau eines Pumpspeicherwerkes ein paar hundert Meter Abstand erwarten können“, so Billig. Dem widersprachen die Bürgermeister und Gemeinderäte nicht.

Im weiteren Verlauf des Ortstermins wurden neben alternativen Standorten weitere Aspekte im Zusammenhang mit dem Bau des Pumpspeicherwerkes erläutert. So zum Beispiel, dass solche Pumpspeicherwerke gesetzlich nicht zu den erneuerbaren Energien gehören und derzeit keine Aussage vorliegt, welche Rolle Pumpspeicherwerke im Rahmen der Energiewende spielen.

In diesem Zusammenhang erwähnte Bürgermeister Paul Roßberger den Besuch eines CSU-Arbeitskreises am Donnerstag in Schwandorf mit Prof. Dr. Sterner von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg, einem international anerkannter Experte, bei dem ebenfalls Pumpspeicherwerke als aktuell nicht sinnvoll diskutiert wurden. „Meine Sichtweise hat sich dadurch schon verändert“, so Roßberger.

350 Mitarbeiter, 25 Tochterfirmen

Das weit verzweigte Firmengeflecht von VISPIRON und die zu erwartende Gewerbesteuer waren dann die weiteren Themen. Recherchen ergaben, dass die Firma circa 350 Leute beschäftigt, aufgeteilt auf rund 25 Tochterfirmen. Daraus könne man schließen, dass damit ein kompliziertes Steuergeflecht vorprogrammiert ist, bei dem die Gemeinde Lam gegebenenfalls nicht die in Aussicht gestellten Steuereinnahmen erhalten wird. In diesem Zusammenhang übergab Matthias Seidl, Gastwirt aus Engelshütt, eine Liste mit Namen von Bürgermeistern aus Gemeinden, mit denen VISPIRON bereits Solarparks errichtet hat, mit der Bitte nachzufragen, welche Erfahrungen dort gesammelt wurden.

Roßberger und seine beiden Stellvertreter, sowie die Gemeinderätinnen Eva Obermeier, Emmi Kollross und Petra Pritzl sowie Willi Zitzl betonten, dass sie die Anliegen und Sorgen der betroffenen Anwohner sehr wohl teilen. Petra Pritzl: „Ich möchte ein solches Pumpspeicherwerk auch nicht vor meiner Haustüre haben.“

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