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Ossertreffen: Etwas Nähe zu den Nachbarn

Deutsche und tschechische Wanderer trafen sich auf dem Osser. Ziel: auf Probleme der Grenzschließung aufmerksam zu machen.
Von Arthur Schnabl

Blick ins Tschechische Land  Foto: Arthur Schnabl
Blick ins Tschechische Land Foto: Arthur Schnabl

Lohberg.Dass der Weg zu offenen Grenzen steinig sein kann, hat man spätestens begriffen, wenn man den Weg von Lohberg zum Ossergipfel geschafft hat. Das gibt, fröhlich und schwitzend, auch Christoph Maurer zu, einer der Initiatoren des deutsch-tschechischen Nachbarschaftstreffens, das am Wochenende bei schönstem Wetter oben auf dem Berg stattfand. Offizielle Veranstalter war die Ackermann-Gemeinde des Bistums Regensburg und die Ackermann-Gemeinde.

Maurer sagte, es freue ihn, dass so viele deutsche und tschechische Wanderer dem Aufruf der Internationalen Bürgerinitiative „Samstage für die Nachbarschaft“ gefolgt sind. An 14 Orten, ergänzte der Sprachanimator Markus Reinert, würden gerade solche Treffen stattfinden. Und alle zwei Wochen seien weitere geplant – um die Politik hüben und drüben auf die Problematik der geschlossenen Grenzen für die europäische Nachbarschaft aufmerksam zu machen. Und um den jeweiligen Nachbarn zu zeigen, dass man sie vermisse.

Reiseverkehr

Keine Grenzöffnung bei Furth in Sicht

Die Einreise in viele EU-Länder wird gelockert. Tschechien macht eine Ausnahme und verweist auf die Lage in Bayern.

Dichte Grenze darf nicht bleiben

Tobias Gotthardt, Landtagsabgeordneter für die Oberpfalz, sagte: „Es ist wichtig, dass auch die Politik das notwendige Faktum geschlossener Grenzen als unnormal empfindet. Und, dass wir schnell wieder zusammenfinden.“

Gänsehautmoment: Auch der Europaausschussvorsitzende Gotthardt hat über die Landesgrenze hinweg eine Bekannte aus Tschechien per Ellenbogengruß getroffen.  Foto: Büro Gotthardt/Scholz
Gänsehautmoment: Auch der Europaausschussvorsitzende Gotthardt hat über die Landesgrenze hinweg eine Bekannte aus Tschechien per Ellenbogengruß getroffen. Foto: Büro Gotthardt/Scholz

Zwischen fünfzig und siebzig werden es wohl gewesen sein, die sich hier gefunden haben. Brav versuchten sie, die Abstandsregeln zu befolgen, unter denen das Landratsamt Cham das Treffen genehmigt hat. In jeder Steinspalte, auf jeder Felsnase hockten die Wanderer und genossen den Blick in die beiden Länder und das schöne Gefühl, wieder unter Menschen zu sein.

Aktion

2. Demo für offene tschechische Grenze

Am Grenzübergang Vollmau wurden am 1. Mai 370 Unterschriften gesammelt. Demonstriert wurde auch in Schafberg.

Am Ende kamen dann doch viele auf die Terrasse des Osser-Wirtshauses, um den deutsch-tschechischen Reden und kleinen Unterhaltungseinlagen zu folgen. Es war gar nicht einfach für die beiden Grenzpolizisten und die Ordner der Initiative, Wiedersehensfreude und Abstandsregeln unter einen Hut zu bringen. Aber sie taten es mit gelassener Zurückhaltung.

Auch Jarda, ein älterer Mann aus Holišov, war deshalb extra heraufgekommen und versicherte, der Auftrieb hier erinnere ihn an den in Tschechien üblichen Brauch, am 1. April die Brunnen zu öffnen. Katka Karl-Brejchová aus Domažlice, die ein kleines Reisebüro in Regensburg betreibt, übersetzte und nickte lächelnd zu diesem poetischen Vergleich.

Mit halbem Fuß in Böhmen

Begehrtes Motiv: Die Teilnehmer hielten die tschechische und die bayerische Flagge hoch und ließen sich fotografieren.  Foto: Arthur Schnabl
Begehrtes Motiv: Die Teilnehmer hielten die tschechische und die bayerische Flagge hoch und ließen sich fotografieren. Foto: Arthur Schnabl

Dann zog sie weiße Papierschnipsel heraus, um ein deutsch-tschechisches Sprachspiel in Gang zu bringen, das sich am Ende beinahe symbolisch um die Grenzsteine schlang – genau so krumm wie die Grenze hier auf dem Osser, wo man eigentlich nie genau weiß, ob man mit einem Fuß in Bayern oder Böhmen steht. Dann spielte noch jemand auf der Mundharmonika ziemlich schräg Beethoven und Dvorak und der offizielle Teil des Treffens ging zu Ende.

Aber viele blieben noch und genossen dieses ungewöhnliche Nachbarschaftstreffen. Einige überlegen schon, ob und wie sie zum nächsten Treffen kommen können. Wer sich darüber informieren möchte, dem empfehlen die Veranstalter einen Blick in Facebook. Stichwort „Samstage für Nachbarschaft“.

Samstagstreffen

  • Aktion:

    Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Grenze zu Tschechien geschlossen. Die Organisatoren der „Samstage für die Nachbarschaft“ wollen verhindern, dass dieser Zustand normal wird. Sie versuchen, die deutsch-tschechische Freundschaft aufrecht zu erhalten.

  • Gruppe:

    Es sind weitere Treffen geplant. Wer auf Facebook nach „Samstage für die Nachbarschaft“ sucht, findet eine Gruppe, in der Infos ausgetauscht werden.

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