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Petition erreicht den Landrat

Florian Schröter will Abriss der alten Brauerei am Chamer Meranweg verhindern und hat bundesweit Unterschriften gesammelt.
Von Christoph Klöckner

Das Nebengebäude der Weißbierbrauerei am Meranweg stehen zur Diskussion. Foto: ps
Das Nebengebäude der Weißbierbrauerei am Meranweg stehen zur Diskussion. Foto: ps

Cham.„In Zeiten, da man in Berlin, Potsdam oder Braunschweig fragwürdige Kopien kriegszerstörter Schlösser erschafft, haben die Bürger Chams die einmalige Chance, diesen Akt profitgetriebener, kultureller Selbstverstümmlung aufzuhalten und ein authentisches Zeugnis der Stadtgeschichte zu bewahren!“ – so ist es in einer der letzten Wortmeldungen auf der Seite von Florian Schröters Initiierten Online-Petition gegen den Abriss des „Chamer Stadtschlosses“ zu lesen. Dem hat die Stadt Cham jedoch bereits zugestimmt. Der Besitzer möchte dort eine Wohnanlage bauen.

Der Kunsthistoriker, der in München studiert, und zudem gebürtig aus Cham kommt, hat sich jetzt in einem Brief an Landrat Franz Löffler gewandt, in dem er auf das gesamte Petitionsergebnis mit 1903 Unterzeichnern hinweist und auch solche Stimmen für den Erhalt der Immobilie am Meranweg – gemeint sind die alten Gebäude der ehemaligen Weißbierbrauerei Höchstetter – zusammenfasst, um seiner Petition Nachdruck zu verleihen. Der Landrat muss entscheiden, ob abgerissen und wie dort in sensibler Nachbarschaft des Chamer Wahrzeichens gebaut werden darf.

Kein Schloss, eher eine Burg

Ein Problem ist, dass vor Ort keiner, der etwas zur Chamer Stadtgeschichte gelesen hat, weiß, was mit dem Begriff „Stadtschloss“ überhaupt gemeint ist, auf das viele Petitionsunterstützer scheinbar gerade anspringen. Denn kein Stadthistoriker vergangener Jahrzehnte schreibt etwas von einem Stadtschloss an dieser Stelle. Das bestätigt auch Timo Bullemer, Chams Stadtarchivar. „Ein Stadtschloss ist hier nie aufgetaucht“, sagt er. Weder Heimatforscher Johann Brunner in seiner Stadtchronik von 1919 noch Josef Lukas in seiner Darstellung zur Geschichte der Stadt Cham von 1862 – die maßgeblichen Namen zur Historie der Kreisstadt – erwähnen laut Bullemer ein Stadtschloss.

Die Sachlage

  • Beim Landratsamt

    sei ein Bauvorbescheid beantragt, so Landratsamtssprecher Friedrich Schuhbauer. „Um es klarzustellen: Es geht nicht um ein Stadtschloss“, betont er – sondern um Nebengebäude der ehemaligen Brauerei.

  • Diese Nebengebäude,

    seit vielen Jahren ohne jede Nutzung und teils bereits in ruinösem Zustand, sollen dem Antrag nach abgebrochen werden. An gleicher Stelle solle eine Wohnanlage errichtet werden.

  • Die Nebengebäude

    stellen laut Landratsamt kein Denkmal dar. Im Rahmen des Vorbescheidsantrags seien Vorgaben des Denkmalschutzgesetzes nur zu prüfen, weil die Nebengebäude in „Denkmalnähe“ lägen, nämlich zu dem denkmalgeschützten Hauptgebäude der ehemaligen Weißbierbrauerei sowie zum Biertor.

  • Hier komme

    es darauf an, ob das Vorhaben – Abbruch und Neubau – zu einer Beeinträchtigung des Wesens, des überlieferten Erscheinungsbildes oder der künstlerischen Wirkung dieser Baudenkmale führe und ob gewichtige Gründe für die unveränderte Beibehaltung sprächen.

  • „Das Landratsamt

    Cham hat noch keine abschließende Entscheidung getroffen, weil die denkmalschutzrechtliche Prüfung noch nicht abgeschlossen ist“, so Schuhbauer. Der Ball liege beim Landesamt für Denkmalpflege, das die schon vor Wochen angeforderte, fachliche Stellungnahme bisher nicht vorgelegt habe. (ck)

Und auch neueste Arbeiten, etwa die des Archäologen Dr. Bernhard Ernst, der die Rundinger Ausgrabungen auf der Burg betreute und eine Doktorarbeit zu Burgen in Ostbayern verfasste, habe trotz Sichtung zahlreicher Quellen und Literatur nichts von einem Chamer Stadtschloss geschrieben, so Bullemer. Vielmehr sei zu vermuten, dass in dem Stadtbereich die Chamer Burg gestanden habe, so der Stadtarchivar, zumal das Biertor früher Burgtor hieß. Das sei zumindest gängige Meinung der Forscher.

Der demnach eher irreführende Begriff eines Schlosses geht vermutlich auf einen Mitkämpfer um den Erhalt, auf Florian Gruber, zurück. Der sprach bei dem Anwesen vom „Chamer Stadtschloss“, um damit aus seiner Sicht deutlich zu machen, dass das Gebäude wertvoller ist, als bisher vermutet.

In seinem Schreiben an den Landrat schildert Florian Schröter, dass er mit großem Entsetzen vor einigen Wochen erfahren habe, dass der Chamer Stadtrat dem Antrag zum Abriss des ehemaligen „Schlosses“ und späteren Weißbierbrauhauses zugestimmt habe. „Die Zerstörung eines historisch zutiefst bedeutenden Gebäudes, das zudem an exponierter Stelle prägend für das Stadtbild ist, sollte im 21. Jahrhundert eigentlich undenkbar sein“, so Schröter. Dann weist er Landrat Löffler auf das Petitionsergebnis hin: 1903 Unterzeichner, davon 475 aus dem Landkreis Cham. Der Text der Petition sowie die Unterschriftslisten legte er dem Schreiben bei, dazu eine Auswahl der Online-Kommentare. Die Stadt könne zeigen, dass sie modern sei und ihre Geschichte schätze. Wobei diese Kritik nicht trifft – gerade erst hat die Stadt einige Millionen für die Sanierung des Blauen Hauses ausgegeben. Schröter appelliert an den Landkreischef: „Ich hoffe, dass Sie als Landrat eine Entscheidung gegen den Abriss und zugunsten einer behutsamen Modernisierung treffen werden.“

Gegen den Leerstand

„Ich will aber keine Entscheidung, die nur der Denkmalpflege dient, und hinterher habe ich ein leerstehendes Gebäude“, hatte Landrat Franz Löffler bereits einmal zum Thema gesagt. Aktuell begrüßt er, dass sich viele Menschen über dir Petition für das Thema interessieren, „auch wenn der weit überwiegende Teil der geleisteten Unterschriften überraschenderweise nicht von Einwohnern Chams, sondern aus allen Teilen Deutschlands stammt.“ Er versichert, dass sich das Landratsamt Cham der Bedeutung des Areals bewusst sei. Allerdings brauche man auch umsetzbare Lösungen für eine künftige Nutzung des Areals – „Wohnen in der Altstadt“ könne eine solche Lösung sein. Die vorgetragenen Bedenken würden gewürdigt, auch wenn sie letztendlich nicht entscheidend sein könnten. Alleiniger Maßstab seien die gesetzlichen Vorgaben.

Weitere Informationen gibt es unter www.openpetition.de/!stadtschloss.

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