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Geschichte

Petition soll Chamer Stadtschloss retten

Chamer Kunsthistoriker Florian Schröter hat 1400 Unterschriften für den Erhalt des Gebäudes und Rückendeckung vom Denkmalamt.
Von Johannes Schiedermeier

Diese Postkarte von 1913 zeigt die Höchstetter-Brauerei mit Biertor und Klosterkirche. Zu sehen ist auch der Schornstein für den Qualm der mit Kohle betriebenen Dampfmaschine. Foto: Stadtarchiv Cham
Diese Postkarte von 1913 zeigt die Höchstetter-Brauerei mit Biertor und Klosterkirche. Zu sehen ist auch der Schornstein für den Qualm der mit Kohle betriebenen Dampfmaschine. Foto: Stadtarchiv Cham

Cham.Die Stadt hat einer Anfrage der Besitzer zugestimmt und einem Abriss des ehemaligen Chamer Stadtschlosses zugestimmt. Nun warten alle auf eine Entscheidung aus dem Landratsamt, während die Denkmalschützer entrüstet Sturm laufen. Derzeit läuft eine Internet-Petition des Chamer Kunsthistorikers Florian Schröter, der dort bereits 1400 Unterschriften gesammelt hat, die dem Landrat überreicht werden sollen.

Dabei würdigt Schröter durchaus die Verdienste der Besitzerfamilie um den Denkmalschutz, die durch die Restaurierung des Biertors samt angrenzendem Gebäude sowie des Spatzenturmes entstanden seien. Nun aber werde anstelle eines wertvollen Ensembles ein unsensibler Neubau geplant. „Ein so leichtfertiger Umgang mit historischer Bausubstanz sollte eigentlich im 21. Jahrhundert nicht mehr möglich sein“, so Schröter. Er stört sich vor allem daran, dass eine Entkernung des Baus unter Beibehaltung des historischen Erscheinungsbildes nicht einmal ernsthaft diskutiert worden sei.

Widerstand der Denkmalpflege

Rückendeckung erhält der Chamer vom Landesamt für Denkmalpflege. Auch Oberkonservator Dipl.-Ing Raimund Karl hatte in einer ersten Stellungnahme bereits im November schwere Vorwürfe bis hin zum Verdacht der Rechtswidrigkeit gegen die Genehmigungsbehörden erhoben. Die aktuelle Entwurfsplanung verschenke nach Auffassung des Landesamtes nahezu alle Möglichkeiten, zeitgemäßen und trotzdem außergewöhnlichen Wohnraum zu schaffen. Bis heute gebe es keine bauhistorische Untersuchung des Brauereikomplexes. Das Landesamt für Denkmalpflege sei in den aktuellen Planungsprozess in keiner Weise einbezogen worden. „Die Forderung nach einer „Positivplanung“ wurde seitens der Genehmigungsbehörde offenbar frühzeitig verworfen oder auch grundsätzlich abgelehnt. Mit Hinweis auf den Verfassungsrang der Denkmalpflege in Bayern kann dieses Vorgehen als zumindest nicht nachvollziehbar und gar rechtswidrig bezeichnet werden.“, so Karl.

Baugeschichte des Chamer Stadtschlosses

  • Biertor und Burgtor:

    Als man die Stadt Cham im 13. Jahrhundert an ihre heutige Stelle verlegte, errichteten sich die Landesherren einen repräsentativen Wohnsitz direkt neben dem Biertor (damals: „Burgtor“). Im frühen 15. Jahrhundert wurden Stadttor und Schloss nach einem Brand neu aufgebaut, wobei man die Stadtmauer in das Gebäude integrierte. Reste vom Vorgängerbau (u. a. romanische Säulenbasen aus dem 13. Jh.) dienten als Baumaterial und sind bis heute im Mauerwerk sichtbar – sie gehören zu den ältesten erhaltenen Bauelementen in der Altstadt. Chams.

  • Das Hauptgebäude:

    Das Hauptgebäude der Anlage stammt im Kern aus dieser Bauphase, mittelalterliches Mauerwerk ist bis zur Dachtraufe sichtbar. Auf alten Stadtansichten von Cham (z. B. Merian 1644) ist das Gebäude weitgehend in seiner heutigen Form abgebildet. Es wurde gegen 1750 umgebaut und erhielt ein neues Dach. Obwohl beide Hälften dieses Gebäudes unter demselben Dach stehen und dieselben Geschoßhöhen besitzen, ist nur der rechte (gelb gestrichene) Teil denkmalgeschützt und saniert, weshalb der derzeit unverputzte Gebäudeteil abgebrochen werden soll.

Das Landesamt für Denkmalpflege habe eine Umnutzung des früheren Brauereigeländes zu attraktiven Wohnungen stets befürwortet. Voraussetzung sei allerdings immer eine abgestimmte Lösung unter weitgehendem Erhalt historischen Bausubstanz. Nachdem bis jetzt nicht erkennbar sei, ob das gleiche Planungsziel unter Erhalt von historischen Gebäuden möglich ist, lehne das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege den vorliegenden Entwurf strikt ab. Der Oberkonservator fordert eine Machbarkeitsstudie. Durch die statische Untersuchung sei belegt, dass auch der Erhalt größerer Partien der bauzeitlichen, stützenfreien Dachwerke machbar ist. Eine Wohnnutzung sei möglich.

Stellungnahme überholt

Diese Stellungnahme ist aus Sicht des Landratsamtes überholt, so Pressesprecher Friedrich Schuhbauer. Im Übrigen seien die Vorwürfe gegen das Landratsamt nicht gerechtfertigt. „Obwohl dem Landesamt für Denkmalpflege die Gebäude seit langer Zeit bekannt sind, wurde deren historische Bedeutung über mehr als ein Jahrzehnt hinweg nicht so hoch eingeschätzt, dass sie als Denkmal betrachtet und Aufnahme in die Denkmalliste gefunden hätten!“, so der Sprecher des Landrats. Das Handeln des Landratsamtes Cham sei nie rechtswidrig gewesen. Im Gegenteil, es werde seiner Verantwortung gerecht, indem es den Hauseigentümer bei der Neugestaltung im Sinne des Denkmalschutzes begleitet. Der Begriff „Stadtschloss“ sei aus historischer Sicht nicht zu belegen.

Das Biertor und das ehemalige Stadtschloss ist immer wieder Objekt für Leserfotos wie diesem von Uschi Gillitzer.Foto: Gillitzer
Das Biertor und das ehemalige Stadtschloss ist immer wieder Objekt für Leserfotos wie diesem von Uschi Gillitzer.Foto: Gillitzer

Dem Landratsamt liege eine Bauvoranfrage vor. Inhalt sei der Abbruch Nebengebäude der ehemaligen Weißbierbrauerei, die kein Denkmal sind sowie die Wiederbebauung des Areals mit einer Wohnanlage. Nachdem sich das Vorhaben nicht im Geltungsbereich eines Bebauungsplanes befinde, beurteile sich die Zulässigkeit danach, ob sich das Vorhaben in die Eigenart der Umgebung einfügt. Davon sei auszugehen. Die Stadt Cham habe das Einvernehmen erteilt.

Denkmalrechtlich handelt es sich laut Schuhbauer um einen „Nähefall“, bei dem zu prüfen ist, ob das Vorhaben (Abbruch und Neubau) zu einer Beeinträchtigung des überlieferten Erscheinungsbildes. Im konkreten Fall spiele die Nähe zu dem südlich angrenzenden denkmalgeschützten Hauptgebäude der ehemaligen Weißbierbrauerei sowie zum daran anschließenden Baudenkmal Biertor insbesondere bei der Neugestaltung der geplanten Bebauung eine wesentliche Rolle. Auf den Bestand und auch auf das Erscheinungsbild dieser Baudenkmäler muss bei der Neubebauung Rücksicht genommen werden. Dies werde derzeit in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege intensiv geprüft. Die Entscheidung werde „zeitnah“ erfolgen.

Aus dem Denkmalamt dokumentiert die Stellungnahme von Pressesprecherin Dorothee Ott tatsächlich eine kleine Wende im Umgang: „Zur Klosterstraße 10 in Cham kann ich Ihnen aktuell mitteilen, dass nach wie vor die gemeinsame Suche nach einer denkmalgerechten Lösung das erklärte Ziel sowohl des Leiters des Landesamts für Denkmalpflege, Generalkonservator Prof. Pfeil, als auch des Landrates Franz Löffler ist. Da es sich um keine Standardbaumaßnahme auf der grünen Wiese handelt, laufen derzeit die Gespräche, weshalb ich über den Inhalt und den Verlauf im Moment noch keine Auskunft geben kann.“

Hier finden Sie den Link zur Petition.

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