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Pflege zu Hause – nur eine Last?

Expertin Elisabeth Flogaus machte bei ihrem Vortrag in Grafenkirchen deutlich, dass sich Angehörige oft zu viel zumuten und überfordert sind.
Von Albert Schießl

Einen Angehörigen daheim pflegen oder ihn in einem Heim unterbringen? Vor dieser Frage steht nahezu jede Familie einmal. Foto: dpa

Grafenkirchen. Die examinierte Altenpflegerin Elisabeth Flogaus hat auf Einladung von Pfarrgemeinderat und Frauenbund Grafenkirchen zum Thema „Pflege zu Hause – nur eine Last?“ referiert. Sie sprach unter anderem über Möglichkeiten der ambulanten Pflege. Im Pfarrheim von Grafenkirchen lauschte eine ausschließlich weibliche Zuhörerschaft den Ausführungen und Erfahrungsberichten von Flogaus, die seit 24 Jahren in einer ambulanten Sozialstation in Weiden tätig ist. Die Referentin erklärte zunächst, dass das Thema „Pflege“ immer mehr an Bedeutung gewinne, da die Menschen zwar immer älter werden, aber nicht unbedingt in Gesundheit altern. Während die Pflegedauer in den 1950er Jahren bei durchschnittlich einem halben Jahr lag, beträgt sie heute zwischen zwei und fünf Jahren.

Geist, Seele und Umwelt

Flogaus war es ein Anliegen, besonders die Person und das Umfeld der pflegenden Person herauszustellen. Genauso wie man nämlich bei dem zu pflegenden Menschen nicht nur die Gebrechen zu pflegen versuche, sondern auch seine Herkunft, sein Umfeld und seinen seelischen Zustand im Auge haben müsse, genauso wirkten bei der Pflegekraft körperliches Befinden, Geist, Seele und Umwelt zusammen. Sie leisteten ihren Beitrag zu dem Rahmen, in dem jemand Pflegeaufgaben wahrnehmen könne.

Warum und wann entscheide ich mich für die Pflege eines Bedürftigen daheim? Für viele Angehörige spielt hier der moralische Gesichtspunkt eine wichtige Rolle. Viele scheuen sich davor, den Schwerkranken oder einen alten, gebrechlichen und pflegebedürftigen Angehörigen in ein Heim zu geben, um nicht bei Verwandten oder Nachbarn ins Gerede zu kommen. Ob aber die erforderliche Hilfeleistung gegenüber dem zu Pflegenden auch gewährleistet ist, werde oft außer Acht gelassen. Sehr oft werden auch die räumlichen Verhältnisse sowie die finanziellen Gesichtspunkte nicht bedacht. Auch ist es heutzutage keine leichte Entscheidung, eine Berufstätigkeit für längere Zeit ruhen zu lassen oder für womöglich mehrere Jahre ganz aufzugeben. So zeige es sich immer wieder, dass die Pflegekräfte, meist Töchter oder Schwiegertöchter, sich zu viel zumuten und mit der Pflegearbeit überfordert sind. Die Folge davon ist, dass die Motivation nachlasse und die medizinische und gewissenhafte Versorgung des Kranken leide.

Früher war es leichter

In früheren Zeiten war das Verhältnis anders gewesen. Die Menschen wurden damals im Schnitt noch nicht so alt und es gab noch die intakte Großfamilie. So stellte sich hier gar nicht die Frage „Wohin mit den kranken Eltern, Kindern oder Geschwistern?“. Diese wurden ganz selbstverständlich in der Familie mitversorgt. Heute jedoch könne eine Pflegesituation – ohne familiäre Unterstützung und mit Blick auf die deutlich längeren Pflegezeiten – für die pflegende Person zu einer enormen Belastung werden.

Generell sei es ratsam, rechtzeitig fachkundigen Rat einzuholen und sich über die vielfältigen Hilfsangebote und die damit verbundenen Kosten genau zu informieren. Dann falle die Entscheidung für oder gegen eine häusliche Pflege, die oft mit vielen Mühseligkeiten und Entbehrungen verbunden ist, wesentlich leichter.

Trotz aller Schwierigkeiten, sagte die Referentin, sei die Pflege zu Hause auch eine schöne Aufgabe, die viel Freude bringe. Aus christlicher Sicht sei dies im wahrsten Sinne Dienst am Nächsten. Die Entscheidung solle aber trotzdem ganz individuell getroffen werden und keinesfalls von falschen moralischen Zwängen ausgehen.

Flogaus stellte in Grafenkirchen auch Hilfsmittel vor und ging auf die Pflegeversicherung ein. Sie erläuterte die verschiedenen Pflegestufen und Möglichkeiten der ambulanten Pflege und wies auf die Tages- und Verhinderungspflege hin.

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