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Bio-Lebensmittel

Pionier gegen Verpackungsflut

Bayerns Grünen-Chef Eike Hallitzky besuchte den Boierhofladen. Familie Hausladen bietet 3000 Produkte an.
Von Hans Schmelber

Grünen-Chef Eike Hallitzky (von links), Andrea Leitermann, Michael Doblinger, Julia, Matthias und Regina Hausladen Foto: Hans Schmelber
Grünen-Chef Eike Hallitzky (von links), Andrea Leitermann, Michael Doblinger, Julia, Matthias und Regina Hausladen Foto: Hans Schmelber

Willmering.„Verpackungsmüll ist immer noch ein zunehmendes Problem bei uns“, schrieb Michael Doblinger, seines Zeichens Kreisvorsitzender der Grünen in Cham, in seiner Einladung. „Selbst bei Kunststoffen, die wir brav in den richtigen Container geworfen haben, können wir nicht sicher sein, dass sie nicht einfach auf einer Deponie in Asien oder irgendwo im Meer landen. Und weil es Pioniere braucht für weniger Verpackungsmüll“, hieß es weiter, „besuchen wir mit dem Landesvorsitzenden der Grünen in Bayern, Eike Hallitzky, den Hofladen am Boierhof der Familie Hausladen“, stand weiter zu lesen.

„Wir stehen vor dem Problem den Plastikmüll massiv zu reduzieren und wir stehen vor der Herausforderung, Bio-Absatzmärkte zu schaffen, damit wir unsere Ziele zur Stärkung der biologischen Landwirtschaft hinbekommen und hier in diesem Boierhof-Laden verbindet sich dies in einer idealen Form“, versicherte der Landesvorsitzende im Gespräch mit unserer Zeitung. Hallitzky sieht den Bioladen einerseits auf gutem Weg in Richtung Unverpackt-Laden. Der Grünenpolitiker betonte aber auch, dass wir eine biologische Landwirtschaft stärken müssen. „Da ist natürlich so sein Hofladen ideal. Der wird zwar nicht alles abdecken können, aber er erzeugt Wissen, Geschmack und Attraktivität. Wir brauchen die großen Läden, wir brauchen aber auch in der Fläche Pioniere und da kann sich hier die Gemeinde glücklich schätzen, dass sie so einen Hofladen hat.“

Die EU ist uns weit vorausgegangen mit dem Verbot von Kunststoff-Wegwerfprodukten ab 2021. Das sei ein kleiner, aber wichtiger Schritt zur Eindämmung der Plastikflut. Die Grünen hätten wiederholt Ansätze gebracht im Bayerischen Landtag, speziell für Initiativen gegen Mikroplastik in Kosmetika, und sie wollen da weit vorangehen.

Der Vorwurf, dass nur mit Verboten gearbeitet werde, wollte Hallitzky nur in Bezug auf Kosmetik gelten lassen. Sehr viel laufe mit Aufklärung, aber auch in Richtung Bewusstseinsbildung. „Aufklärung ist das Wichtigste und deshalb ist es gut, dass es vor Ort, so wie hier einen Bioladen gibt“, führte er dazu aus.

„Das besonders an unserem Laden ist das ganzheitliche Konzept von der Produktion des Urprodukts über die Veredelung in unserer Küche bis hin zur Vermarktung direkt an den Kunden, mit dem Ziel zu zeigen, wo das Produkt herkommt und dass Lebensmittel wertvoll sind“, betonte die Bioladen-Chefin Julia Hausladen. In ihrem Geschäft sind Bio-Spezialitäten zu kaufen, darunter auch viele unverpackte Lebensmittel, für die es sogar Leihbeutel gibt.

„Für uns ist der logistische Aufwand enorm“, stellte im Gespräch Matthias Hausladen, der Ehemann von Julia, fest. „Viel erhalten wir über den Ökoring, eine Vernetzung der regionalen Biohändler.“

Für die 3000 Produkte gibt es 27 Lieferanten mit einem Einzugsbereich von rund 300 Kilometern. Die Familie bearbeitet aber auch selbst knappe 100 Hektar Ackerfläche sowie gut einen Hektar Gemüse.

Neben über 50 verschiedenen Gemüse und Kräuterkulturen gibt es auch Beerenobst, Steinobst, Kernobst, Sonderkulturen und essbare Blüten.

„Sie haben einerseits hier Ihren Markt. Wir haben die Forderung, dass in den nächsten Jahren der biologische Anteil an der Landwirtschaft auf 30 Prozent gehen soll. Können Sie hier verstärkt in den Schulen, Kitas, Kreiskrankenhäusern, Großküchen verkaufen, 30 Prozent wären ein breiter Sockel dafür?“, fragte Hallitzky nach.

Julia Hausladen schilderte ihm dazu ein Beispiel. „Wir haben vor drei Wochen eine Anfrage aus einer Schulkantine bekommen, die gerne auf Biogemüse in der Salattheke umstellen will. Das ist etwas, was viel stärker gefördert werden müsste“, forderte sie, „denn es ist gerade Schulen gar nicht möglich, mit dem finanziellen Limit das sie haben wirklich ernsthaft biologisch regional erzeugte Lebensmittel einzukaufen. Wir haben uns darauf geeinigt, dass sie Ausschussware bekommen, dass sie zum Selberernten kommen können, damit es überhaupt irgendwie umsetzbar wird. Denn zu diesem Preis, was ein Essen da kosten darf, kann man kein Bioessen produzieren. Das ist die Realität“, schilderte sie.

Sie wollten mit ihrem Projekt Biohof und Bioladen einfach zeigen, dass es möglich ist. „In unserer schnelllebigen Gesellschaft hat nicht jeder die Zeit, sich über alles Gedanken zu machen und ich glaube, es ist auch gut wenn man sagt, ihr könnt hier mit einem möglichst CO2-neutralen Fußabdruck einfach einkaufen. Ihr müsst nicht nachlesen, nachschauen oder sonst was. Wir machen das bestmöglich für unsere Kunden“, sagte Julia Hausladen abschließend. (fsh)

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