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Premiere

Poetry Slam begeisterte Zuhörer im RAUM

Stephan Schmidbauer trat auf der Kleinkunstbühne als einheimischer Künstler an – und Dorothee Mügge holte sich den Sieg.

  • Die Poetry Slam-Künstler: Siegerin Dorothee Mügge, Stephan Schmidbauer, Max Brodbeck, Joe Oldman, Chris Ortega, Moderation Maron Fuchs, Ann Katharina Re Foto: Franz Bauer
  • Versierte Moderation: Maron Fuchs Foto: Franz Bauer

Cham.Wer das „Känguru“ von Marc-Uwe Kling oder die Geschichten von Torsten Sträter kennt, dem sagt wahrscheinlich auch das Genre Poetry Slam etwas. Poetry Slam ist kurz gesagt ein literarischer Wettbewerb, bei dem selbstverfasste Texte innerhalb einer bestimmten Zeit vorgetragen werden und die Zuhörer den Sieger küren. Diese Art der Veranstaltung organisierten die RAUM-Macher letzten Samstag das erste Mal – mit großem Erfolg.

Lisa Montag vom RAUM erklärte, dass es ihr seit langem eine Herzensangelegenheit war, ein solches Format auf die eigene Bühne zu bringen und künftig einmal im Jahr anzubieten. Möglich wurde dies mit der Bayerischen Vizemeisterin im Poetry Slam, Maron Fuchs, die mit unglaublicher Energie und viel Hintergrundwissen die Moderation übernahm. Sie wird übrigens am Muttertag auch einen Workshop im kreativen Schreiben leiten, so dass sich Interessierte für den nächsten Slam hierbei viele Tipps und Infos holen können. Das RAUM-Team freut sich schon jetzt auf Bewerbungen für die nächste Veranstaltung.

Applaus-Barometer im Einsatz

Das Chamer RAUM-Publikum outete sich auf Anfrage, dass es vorwiegend noch nie einen Slam besucht hatte, so dass Maron Fuchs sehr unterhaltsam erklärte, wie der Abend abläuft und welche Aufgabe den Zuschauern als Jury zukommt. Die unterschiedliche Stärke und Dauer des Applauses wurde mittels Barometer von „war ok, haut mich aber nicht um“ bis „diese Poetin kidnappe ich, damit ich den Text auch zu Hause hören kann“ ausgetestet. Wichtig war auch, dass das Publikum sich auf ein gemeinsames Erkennungswort – im Folgenden in Anführungszeichen gesetzt – einigen konnte. Hierbei überraschten die RAUM-Zuschauer die Moderatorin immer wieder mit großer Synchronität.

Vor dem eigentlichen Start durfte Joe Oldman, bekannt von der Talent-Bühne, als musical Featured Artist seinen ganz eigenen Bavarian Fingerstyle auf seiner Gitarre mit selbst geschriebenen Texten in tiefstem Oberpfälzer Dialekt darbieten – eine wunderschöne Bereicherung für diesen Abend.

Und nun ging‘ los: Maron Fuchs brachte vier PoetInnen aus Franken mit, und Stephan Schmidbauer aus Schorndorf war der Lokalmatador, der sich der Herausforderung dieses Wettbewerbs stellte. In der ersten Runde durften alle KünstlerInnen einen circa siebenminütigen Text performen und dabei wurde schon deutlich, wie unterschiedlich Poetry Slam sein kann.

Von Dorothee Mügge, die das Publikum mit einer sanften Stimme einlud, die Augen zu schließen, um sich die schönsten Situationen und unerfüllten Wünsche als umgekehrter „Irrwicht“ vorzustellen, über Max Brodbeck, der davon erzählte, wie „Herr Glücklich“ seinen Sonntagabend verbringt, um montags entsprechend seinen Kollegen begegnen zu können, bis zu Ann-Katrin Re, die humorvoll die Situationen des „Erwachsen“-Werdens beschrieb, ging die Palette.

Gespannt waren die Zuhörer auf den Auftritt von Stephan Schmidbauer aus Schorndorf, der verschmitzt ankündigte, dass er seinen kritischen Text über Generationenkonflikt bzw. „Evolution“ für seine Ü50-Freunde im Publikum herausgesucht hat. Cris Ortega überraschte mit seiner teils frustrierten, teils unsterblich verliebten und dynamisch vorgetragenen Performance zum Thema „Scheiß-Liebe“ und sicherte sich damit schon mal den Einzug ins Finale.

Nach der Pause gab es einen Durchlauf zwischen den restlichen vier Künstlern, aus denen wiederum eine Künstlerin ins Finale gewählt wurde, so dass am Ende Cris und Dorothee gegeneinander antraten. Die schlussendliche Siegerin war überraschend diejenige, die beim ersten Durchlauf den geringsten Applaus bekommen hatte. Hier zeigte sich, wie sehr die Bewertung von vielen Faktoren abhängt: die Auswahl und Reihenfolge der Texte, die Darbietung, die Publikumsgunst oder einfach nur der Zufall.

Der Vollständigkeit halber hier noch eine kurze Auflistung des zweiten Teils: Stephan glänzte mit einem „Bewerbungsgespräch“, bei dem nicht nur der Interviewer blöde Fragen stellt, Max stellte sehr unterhaltsam ein wunderbares „Traumpaar“ vor, das sich nach 30 Jahren beruflicher Zusammenarbeit endlich privat findet und innerhalb von fünf Minuten den Beziehungswahn der letzten Jahrzehnte aufholt, so dass es sich bereits wieder trennt, Ann-Kathrin wurde sehr nachdenklich über die Kriegskindheit ihrer Großmutter, und besonders hervorzuheben war der schlüpfrige Text über das Sexualleben einer „Single“-Frau von Dorothee, bei dem sie sehr blumige Begriffe für eine bestimmte Tätigkeit gefunden hat.

Dorothees Siegertext

Schließlich durften die Zuschauer im Finale noch einmal Cris erleben, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleiben konnte, wenn er vom „Busfahren“ mit Asperger-Syndrom erzählte. Der Siegertext von Dorothee befasste sich mit der aktuellen politischen Situation und ihrer Bitte, es sollte doch auch mal möglich sein, keine 100-prozentige Meinung zu haben, wenn Themen wie Migration oder Klimaschutz nicht mit Schwarz-Weiß-Malerei, sondern vielen Schattierungen zu beantworten seien.

Als Lohn für den Sieg gab es außer dem wohlverdienten Applaus ein leckeres Stück Torte aus dem hauseigenen Café Ludwig, bei dem sich wie immer die Gäste mit Kleinigkeiten in der Pause versorgen konnten.

Poetry Slam

  • Workshop:

    mit Maron Fuchs am Sonntag, 10. Mai, von 14 bis 17.30 Uhr im RAUM

  • Kursgebühr:

    Erwachsene 40 Euro, Schüler und Studenten 30 Euro

  • Info und Anmeldung:

    bei Lisa Montag, Tel. 01 79/4 02 64 56 oder unter info@raum-fuer.de

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