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Region Cham
Donnerstag, 16. August 2018 27° 1

Gesundheit

Prävention und Arbeitsschutz als Ziele

Betriebe aus ganz Bayern interessieren sich für die Gesundheitsförderung aus Bad Kötzting – das BRK legt als erstes vor.
Von Alois Dachs und Stefan Weber

BRK-Präsident Theo Zellner (2.v.r.) unterzeichnete mit Prof. Horst Kunhardt (2.v.l.) einen Kooperations-Vertrag, durch den ein betriebliches Gesundheits-Management für die Pflegekräfte im BRK installiert wird – Projekt-Manager ist Stephan Fimmers (hintere Reihe, 3.v.r.). Fotos: S. Weber (2)/Dachs (1)/dpa (1)
BRK-Präsident Theo Zellner (2.v.r.) unterzeichnete mit Prof. Horst Kunhardt (2.v.l.) einen Kooperations-Vertrag, durch den ein betriebliches Gesundheits-Management für die Pflegekräfte im BRK installiert wird – Projekt-Manager ist Stephan Fimmers (hintere Reihe, 3.v.r.). Fotos: S. Weber (2)/Dachs (1)/dpa (1)

Bad Kötzting.Betriebliches Gesundheits-Management war am Mittwoch gleich zwei Mal großes Thema im Sinocur. Am Nachmittag kamen die Referatsleiter der stationären, teilstationären und ambulanten Einrichtungen des Bayerischen Roten Kreuzes im Landkreis, um der Unterzeichnung des Rahmenvertrages zur Auftragsforschung für das betriebliche Gesundheitsmanagement in der Pflege durch BRK-Präsident Theo Zellner und Prof.Horst Kunhardt von der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) beizuwohnen.

Mit dieser bayernweit einzigartigen Kooperation, die zudem wissenschaftlich begleitet werde, erklärte Zellner, beschreite das BRK völlig neue Wege. Für die Stadt als Gesundheitsstandort sowie den Gesundheitscampus werde sie eine „Schrittmacher-Funktion“ haben. Zudem wolle das BRK so auch auf den Beruf an sich aufmerksam machen und ihm zusätzliche Attraktivität verleihen. „Betriebliches Gesundheits-Management ist eine feste Säule eines modernen Personal-Managements“, zeigte er sich überzeugt.

Rund 500 Mitarbeiter sind im beim BRK im Landkreis Cham im Bereich Pflege beschäftigt, täglich werden 800 hilfsbedürftige Menschen betreut.
Rund 500 Mitarbeiter sind im beim BRK im Landkreis Cham im Bereich Pflege beschäftigt, täglich werden 800 hilfsbedürftige Menschen betreut.

Am Abend ging es vor zahlreichen Betriebsvertretern aus ganz Bayern im Sinocur-Hörsaal um die Kombination von Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung für Mitarbeiter. Mitinitiator war die VBG, eine der großen Berufsgenossenschaften in Deutschland, von der über neun Millionen Versicherte aus über 100 Branchen vertreten werden. Die gesundheitliche Prävention spielt neben dem Arbeitsschutz bei der VBG eine große Rolle, wie Harry Jung erläuterte. Einschlägigen Studien zu Folge bringe ein Euro Einsatz in der Gesundheitsvorsorge mittelfristig einen Nutzen im Wert von 2,30 bis 5,90 Euro – je nach Branche. Einerseits müsse die Berufsgenossenschaft Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz besonders im Auge haben, mindestens ebenso wichtig sei es aber, die Mitarbeiter zu einem gesunden Lebensstil anzuleiten, der es ihnen ermöglicht, volle Leistung, möglichst bis zum Rentenalter zu bringen, ohne häufiger zu erkranken, erläuterte Jung.

Auch für kleine Betriebe

Die Kooperation mit der VBG solle einerseits dazu dienen, das individuelle Gesundheitsmanagement mit dem Bad Kötztinger Lebensstilprogramm zu fördern und mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement den Arbeits- und Gesundheitsschutz auszubauen, den der Gesetzgeber vorschreibe, sagte Bürgermeister Markus Hofmann in seiner Begrüßung. Vor allem biete sich durch diese Zusammenarbeit die Chance, auch kleinere und mittelständische Betriebe einzubinden, die keine eigene Gesundheitsförderung für ihre Mitarbeiter anbieten können. Die bisherigen Erfahrungen im IGM-Gesundheitsmanagement der Stadt hätten gezeigt, dass es den Weg „von oben vorzuleben“ gelte, das Vorbild des Chefs habe hier große Bedeutung.

Das einjährige Projekt wird wissenschaftlich durch die THD betreut, die Ergebnisse sollen auf ganz Bayern Anwedung finden.
Das einjährige Projekt wird wissenschaftlich durch die THD betreut, die Ergebnisse sollen auf ganz Bayern Anwedung finden.

Prof. Stephan Gronwald von der THD zeigte auf, wie durch die theoretische Begleitung und die Auswertung der Befragungen vor allem kleine und mittelständische Betriebe in dem Programm eingebunden werden können. Die Tatsache, dass 30 Prozent der jungen Handwerker in Ostbayern ihre Ausbildungsbetriebe verließen, führte er vor allem darauf zurück, dass ihnen keine beruflichen Perspektiven aufgezeigt werden können. „Hier wurde alles ausprobiert“, sagte Gronwald, deshalb sei der Kurort Bad Kötzting ideal, um jene Probleme anzugehen, die meist erst durch detaillierte Befragungen erkannt werden. „Gesundheit muss etwas Bleibendes sein“, nannte Prof. Gronwald als Hauptziel, das man gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft VBG erreichen wolle.

Kurdirektor Sepp Barth zeigte die Entwicklung des Kurwesens seit 1995 auf und erläuterte, wie es zu dem Bad Kötztinger Lebensstilprogramm gekommen ist, dessen Hauptforderung sei, die Eigeninitiative der Teilnehmer zu stärken. Hier zeichne sich der Wandel „vom Kurort zum Lernort“ ab, bei dem Bad Kötzting bayernweit Vorreiter sei. Eine nachhaltige Verbesserung der Gesundheit von Mitarbeitern nannte Lena Görlich vom IGM-Gesundheits-Management als Ziel der Zusammenarbeit mit den im VBG organisierten Betrieben. Es gelte, „maßgeschneiderte Lösungen“ für jeden Betrieb zu finden, dabei seien die bisher in Bad Kötzting gemachten Erfahrungen sehr hilfreich.

Erst gar nicht krank werden

Der VBG-Arbeitsmediziner Dr. Karl Stöckl nannte es das wichtigste Ziel der Prävention und des Arbeitsschutzes, sicherzustellen, dass Mitarbeiter erst gar nicht krank werden. Vor allem die psychische Belastung vieler Arbeitnehmer sei heute ein Problem, sagte Dr. Stöckl, wobei unbestreitbar das größte Problem für die Psyche sei, „wenn man keine Arbeit hat“. Wie die Belastungen am Arbeitsplatz empfunden werden und wie unterschiedlich einzelne Mitarbeiter diese beurteilen, ist nach den Worten von Professor Gronwald besonders interessant. „Nicht, was die Führungskraft sieht, sondern was der Mitarbeiter empfindet, ist ausschlaggebend“, machte er klar. Das belegten auch Studien aus dem Rettungsdienst eindeutig, wie er schon am Nachmittag beim BRK erklärt hatte.

Gesundheitscoach Christine Wensauer berichtete mit Bürgermeister Hofmann über Workshops mit Mitarbeitern aus drei unterschiedlichen Branchen, darunter ein Kindergarten mit zehn Mitarbeitern und eine Versicherungsagentur. Trotz der unterschiedlichen Probleme am Arbeitsplatz hätten die Workshops große Erfolge gebracht. Das gelte auch für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des Bauhofes, berichtete der Bürgermeister, die erst im Laufe des Gesundheitsprogrammes richtig erkannt hätten, wo ihre Probleme liegen. Prof. Gronwald beschloss den Abend mit der Hoffnung, dass viele Führungskräfte, die den Vortrag hörten, das Angebot für ein Gesundheitsmanagement annehmen.

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