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Problemfällung im Tierpark

Der vom Käfer befallene Baum stand direkt neben dem Streichelzoo. Also fällten Experten den 25-Meter-Riesen von oben.
von Maria Frisch

Florian Dachs hat als erfahrener Baumkletterer keine Höhenangst.  Foto: Maria Frisch
Florian Dachs hat als erfahrener Baumkletterer keine Höhenangst. Foto: Maria Frisch Foto: Maria Frisch

Lohberg.Bäume, die nicht vom Boden motormanuell gefällt werden können, werden von Fachleuten mit Hilfe der seilunterstützenden Klettertechnik bestiegen und von oben abgetragen. Diese Fällungen lassen sich meistens ohne größeren Aufwand auf engstem Raum durchführen. So geschehen auch am Dienstag im Bayerwald-Tierpark.

Die Tierpfleger achten immer genau auf eventuellen Borkenkäferbefall in dem Waldgrundstück, in das die Lohberger Gehegeanlagen eingebettet sind. Am Montag bemerkten sie bei ihren Kontrollen Bohrmehl an einer Fichte und informierten Bürgermeister Franz Müller, der den Verdacht bei einer Besichtigung nur bestätigen konnte: In den Stamm mit mehr als 25 Metern Länge hatte sich der Baumschädling eingebohrt. Deshalb war eine sofortige Fällung unumgänglich. Eine klassische Baumfällung war an dem schwierigen Standort in der unmittelbaren Nähe des Streichelzoos problematisch. Franz Müller kontaktierte daher Christian Hartl aus Prackenbach, der bereits am Dienstag mit seinem Kollegen Florian Dachs anrückte. Mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen wurde die Fichte am Stamm ausgeastet und von der Krone her zerstückelt.

Fällung genau zur rechten Zeit

Die Tierpfleger kümmerten sich um die Abfuhr des befallenen Materials. Der Bürgermeister und die Tierpark-Mitarbeiter hoffen, dass die Fichte ein Einzelfall war und sie dem Holzschädling durch das schnelle Handeln Einhalt gebieten konnte. „Wir müssen das Areal weiter genau beobachten“, sind sie sich einig.

Dass der Stamm zu Recht weichen musste, zeigte ein Blick hinter die Rinde, den Bürgermeister Müller, selbst erfahrener Waldbesitzer, gleich selber vornahm. „Der Käfer muss sich erst frisch eingebohrt haben“, sagte er. Bisher wurden scheinbar noch keine Larven gelegt. Jene Bäume umzuschneiden, die vom Käfer schon wieder verlassen wurden, wäre der falsche Weg. Stattdessen müsse man frühzeitig erkennen, wo der Käfer eingedrungen ist und diesen Stamm fällen sowie abtransportieren. Das sei die einzige Chance, den Schädling aufzuhalten.

Käferbäume gehören eigentlich weniger zum Spektrum der beiden Industriekletterer. „Die meisten Aufträge sind Pflegearbeiten“, sagt Christian Hartl. Mit speziellen Baum-Steigeisen, die entgegen denselben für Bergsteiger nur einen Dorn haben, erklomm Florian Dachs am Dienstag aber die Krone der Käferfichte und sägte auf dem Weg dorthin bereits die Äste ab, während auf dem Boden der Durchgang gesperrt war. Dann trennte er den Gipfel ab, der mit einem lauten Krach herabstürzte, während alle in Deckung gegangen waren.

So schnell einen Problemfäller auftreiben zu können, war ein glücklicher Zufall für die Gemeinde Lohberg als Träger des Bayerwald-Tierparks, wie Christian Hartl erklärte. Er war die letzten Tage auf der Meisterschule in Nürnberg gewesen und hatte ein freies Zeitfenster, um den Auftrag kurzfristig einzuschieben.

Die jüngste Qualifizierung des Prackenbachers hat damit zu tun, dass er viele Baumkataster und Baumgutachten anfertigt. „Es gibt für den Baum Messgeräte wie für den Menschen, um ihn eingehender zu untersuchen“, sagte er. Der Fachagrarwirt Florian Dachs ist wie Hartl selbständig, die beiden arbeiten aber oft zusammen. Auch Dachs verfügt über eine fundierte Ausbildung und mehrere Fortbildungen.

Höhe ist kein Problem

Als zertifizierter Baumkontrolleur hat Christian Hartl eine Menge mit Artenschutz, Habitatbäumen und Naturdenkmälern zu tun, deren Pflege aufwendig und kostspielig sein kann. Arbeiten in luftiger Höhe war für ihn noch nie ein Problem. Hebebühnen, Hubsteiger oder gar Kräne, um Ausbesserungen und Wartungen auszuführen, stünden in keinem Verhältnis zu den auszuführenden Arbeiten. Hier bietet sich der Einsatz von Höhenarbeitern und Industriekletterern an, die mit geringem technischen Aufwand seilunterstützte Maßnahmen an exponierten, schwer zugänglichen Stellen durchführen. (kfl)

Tierpark Lohberg

  • Einschränkungen:

    Es gelten die gängigen Hygiene- und Abstandsregeln. Speisen und Getränke werden nur zum Mitnehmen ausgegeben, es gibt keinen Futterverkauf, das Innengehege ist geschlossen. Der Spielplatz ist aber zugänglich.

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