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Musik

Programmvielfalt, die die Zuhörer faszinierte

Ruth Spitzenberger, Mathias Achatz und Bernhard Peschl freuten sich über den überwältigenden Besuch ihres Neujahrskonzerts.
Johann Reitmeier

Bernhard Peschl, Ruth Spitzenberger und Mathias Achatz – drei exzellente Musiker mit großer Bandbreite – gestalteten das Neujahrskonzert in Runding.  Foto: Johann Reitmeier
Bernhard Peschl, Ruth Spitzenberger und Mathias Achatz – drei exzellente Musiker mit großer Bandbreite – gestalteten das Neujahrskonzert in Runding. Foto: Johann Reitmeier

Runding.Welch angenehme Überraschung über diesen überwältigenden Besuch! Der wiederum ist sicherlich einerseits dem künstlerischen Aufgebot des Neujahrskonzertes in der Rundinger Pfarrkirche St. Andreas zuzuschreiben. Andererseits zeigt dieser Zulauf bei bestem Ausflugs-Winterwetter (!), dass das regionale Publikum die langjährige, erfolgreiche KlangFarben-Reihe mit großem Namen rund um die großartige Vleugels-Orgel schon ein wenig schmerzlich vermisst.

Doch sind heuer nun wieder zwei Künstler in die Bresche gesprungen, die auch den exzellenten Ruf von St. Andreas als Konzertplatz repräsentieren: die quasi „Hausorganistin“ Ruth Spitzenberger aus Bad Kötzting und der ebenfalls längst über Bayern hinaus geschätzte Trompeter Mathias Achatz. Und, zur Verwirklichung ihres festlichen Programmes, haben sie sich eine weitere Koryphäe mitgebracht, den Trompeter Bernhard Peschl. Der wiederum kommt von den Münchner Philharmonikern.

Programme wie das von den drei Musikern aufgeführte sind ohne Zweifel etwas Besonderes: weil sie sich nicht nur auf die üppige Festlichkeit barocker Kompositionen beschränken, sondern zwischen Händel, Telemann, Scarlatti, Franceschini, Bach und Co. auch Platz lassen für spannende musikalische Gedankenflüge der ganz anderen Art. Wie beispielsweise die „Meditation für zwei Trompeten und Orgel“ über das Grundthema „Dona nobis pacem“ (Gib uns Frieden) – ein intensiver Spazierganz durch Seelenbefindlichkeiten von der in Australien geborenen Trompeterin und Komponistin Anna Freeman (geboren 1954). Ein faszinierendes, Gänsehaut provozierendes Stück, das sich den herkömmlichen Regeln entzieht.

Mit überschäumender Spielfreude gelang der Einstieg beim „Bestseller aus dem 18. Jahrhundert“: „Die Ankunft der Königin von Saba“ aus dem Händeloratorium Salomon gibt ja bekanntlich jede Menge Futter, um die hohen Trompeten glanzvoll in Szene zu setzen. Das ist das pure Ohrenkino – man sieht vor dem inneren Auge förmlich die orientalische Prachtentfaltung mit exotischen Tieren und Menschen. Die Trompeten stehen nach dem vorherrschenden Concerto-grosso-Prinzip der Orgel in dieser Bearbeitung des üppigen Tongemäldes gegenüber und ergänzen sich in vitalem Strahlen.

Dann waren es wieder die beiden Trompeter, die mit dem majestätischen Moderato des „Concert g-Moll“ von Georg Philipp Telemann die Abfolge kurzer Sätze begannen. Jeweils mit knappem Orgel-(Orchester)-Vorspiel (sehr geschickt gewählte Registrierungen) wurde es erneut ein faszinierendes Zusammenspiel dreier Ausnahmekönner: Einem unglaublich melodiösen und schönen Largo folgten Passagen, in denen sich diese Spitzentrompeter in schwindelnden Höhen verwirklichen können.

Ruth Spitzenberger schätzt die Rundinger Vleugels-Orgel nicht zuletzt wegen ihres expressiven Farbenreichtums. Beim Charakterstück „Claire de Lune“ (Mondschein) hat sie nicht nur in genialer Weise die richtigen Register gezogen, sie malt mit ihnen auch höchst anschaulich Bilder der Ruhe silbrigen Mondlichts über Wiesen und Feldern – auch hier wieder plakatives Ohrenkino. Ganz im Gegensatz hierzu brilliert sie mit J. S. Bach: Die „Toccata d-Moll“ verlangt die außerordentlichen technischen Fähigkeiten, blitzende Klanggewitter entstehen zu lassen mit ausufernden Läufen und ineinandergreifenden Themen – ein Meisterwerk, meisterlich gespielt. Wiederum ein konträres Orgelgefühl vermittelte die Organistin in der Komposition „Offertoire sur Deux Noels“ (Weihnachtslieder). Sanft, verträumt und vertraut klingen die zwei Liedbearbeitungen etwa von „Tochter Zion...“ und „Wir beten an den Herre Christ“. (cjr)

Finale

  • „Toccata D-Dur“

    von Alessandro Scarlatti: Die Organistin gab tüchtig Gas im ersten Teil, wobei im zweiten Abschnitt die Trompeten vorgaben und Glanz und Virtuosität verbreiteten – ein Werk, das, vom ehemaligen Regensburger Domkapellmeister Eberhard Kraus (gestorben 2002) bearbeitet, die spannende Steigerung für den Ausklang darstellte.

  • Beifall:

    Dementsprechend gab’s dann auch vehement Schlussapplaus schon vor der Zugabe. (cjr)

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