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Justiz

Prügelei beim Karteln endet im Arrest

Der 18-jährige Angeklagte hat auf drei Mitbewohner seiner Unterkunft in Rettenbach mit einem Wasserkocher eingeschlagen.

Der Angeklagte muss nun für ein Wochenende hinter Gitter. Foto: David Ebener dpa
Der Angeklagte muss nun für ein Wochenende hinter Gitter. Foto: David Ebener dpa

Rettenbach.In einer dezentralen Asylunterkunft in Rettenbach, kam es an Heiligabend 2017 zu einer schweren Auseinandersetzung. Beteiligt waren mehrere junge Flüchtlinge, dabei hatte der Abend zunächst friedlich begonnen. Die jungen Männer waren zusammengekommen, um gemeinsam Karten zu spielen. Als eine Person hinsichtlich seines Kartenspiels kritisiert wurde, schlug die Situation plötzlich um. Er soll einen Wasserkocher genommen haben und damit auf die Person eingeschlagen haben. Zwei weitere Mitspieler sollen dann in Schlichtungsabsicht ebenfalls Schläge mit dem Haushaltsgerät abbekommen haben.

Der genaue Ablauf sollte nun in einer Gerichtsverhandlung am Amtsgericht Cham rekonstruiert werden. Der Angeklagte, zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt, zeigte sich teilgeständig. Seiner Erinnerung zufolge habe er jedoch lediglich auf eine Person eingeschlagen.

Zunächst beschrieb ein Polizist die Situation vor Ort. Blutspuren und der Wasserkocher wurden schnell gesichtet. Der Angeklagte sei nach Eintreffen der Polizei noch vor Ort gewesen und habe zunächst mal alles abgestritten. Bei einem Opfer seien erhebliche Verletzungen am Arm sichtbar gewesen. Alkoholisiert habe der Angeklagte nicht gewirkt, gleichwohl einen nüchternen Eindruck gemacht.

Die Beweisaufnahme wurde mit den Aussagen der Zeugen fortgesetzt. Deckungsgleich kam zum Vorschein, dass der Angeklagte den Wasserkocher nicht nur geworfen hatte, sondern gezielt auf alle Drei eingeschlagen hatte. Besonders schlimm erwischte es einen 18-jährigen Afghanen, der mit Platzwunde ins Krankenhaus gebracht werden musste. Die Wunde musste mit vier Stichen genäht werden. Die Angaben der Zeugen ergaben auch, dass durchaus Provokationen gegen den Angeklagten vorlagen, teilweise habe man dies aber für Spaß gehalten und nicht mit einer derart heftigen Reaktion des Iraners gerechnet.

Neben den Angriffen mit dem Wasserkocher seien auch weitere Gegenstände, wie beispielsweise Gläser geflogen. Die Situation sei undurchsichtig gewesen, die drei Zeugen und Geschädigten hatten die Szenerie mehr oder minder die ganze Zeit hinweg beobachtet.

Der Hauptgeschädigte erklärte, dass es zu keiner Aussprache mit dem Angeklagten gekommen sei und er daran auch kein Interesse habe. Der Iraner sei ohnehin nur ein flüchtiger Bekannter gewesen. Nicht ganz so kühl handhabte ein weiterer Anwesender die Geschehnisse: Er habe an einer Strafverfolgung kein Interesse, obwohl auch er Schläge abbekommen hatte. Er sei es auch nicht gewesen, der bei der Polizei Beschwerde eingereicht hätte – schließlich sei der Angeklagte sein Freund.

Nach der mit Unterstützung eines Dolmetschers durchgeführten Zeugenbefragung stand für die Staatsanwaltschaft die Schuld des Angeklagten fest. Gefährliche Körperverletzung in drei Fällen sei hier zu behandeln und zu bestrafen, der Wasserkocher als gefährliches Werkzeug einzustufen. Jugendstrafrecht sei zur Anwendung zu bringen, da Reifeverzögerungen zumindest nicht auszuschließen seien. Ein gewisses Maß an Reue im Rahmen der Verhandlung sei zugunsten des Iraners zu werten. Insgesamt seien zwei Freizeitarreste sowie 40 Arbeitsstunden zu verhängen.

Richter Wolfgang Voit verurteilte den jungen Mann zu einem Freizeitarrest. 100 Stunden gemeinnützige Arbeit sollen zudem zum Nachdenken anregen. Es handle sich durchaus um eine jugendtypische Verfehlung, so dass Jugendstrafrecht angemessen sei. Rechtsmittelverzicht wurde erklärt.

Im Anschluss an das Urteil nahm sich der Richter Zeit für die Fragen einer neunten Klasse des Robert-Schumann-Gymnasiums. Dass die Schülerinnen und Schüler den Prozess aufmerksam und mit Interesse verfolgt hatten, zeigten ihre zahlreichen Fragen. Richter Voit erklärte beispielsweise, dass im Fall von Erwachsenenstrafrecht sechs Monate Freiheitsstrafe pro Tat das Minimum gewesen wären. Ein Freizeitarrest beträgt die Dauer von einem Wochenende, der kurze Hafteindruck soll auf Verurteilte abschreckend wirken. (cya)

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