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Energie

Pumpspeicherkraftwerk am Osser gestorben

Ministerin Aigner beerdigt Pläne für neue Pumpspeicherkraftwerke im Freistaat. Eine Genehmigung für Investor Vispiron am Osser rückt in weite Ferne.
Von Fritz Winter und Stefan Weber, MZ

  • Unmittelbar neben dem Kleinen Osser (linker Gipfel) und dem Großen Osser (Gipfel mit Schutzhaus) ist an dem nach rechts abfallenden Hang das Oberbecken des Pumpspeicherkraftwerks geplant. Luftbild: Claus Wietek
  • Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner legt Pläne für neue Pumpspeicherkraftwerke zu den Akten. Foto: dpa
  • Amir Roughani, CEO der Vispiron Group, will am Pumpspeicherprojekt am Osser festhalten. Foto: Vispiron

Bad Kötzting.Klare Ansage der bayerischen Staatsregierung: Das vom Münchner Investor Vispiron geplante Pumpspeicherkraftwerk am Osser ist unwirtschaftlich und es wird nicht kommen. „Das Projekt ist eigentlich gestorben“ verlautete am Wochenende aus dem Umfeld der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). In einem Interview hatte Aigner gesagt: „Die Frage nach einem Neubau von Pumpspeicherkraftwerken stellt sich in Bayern und eigentlich in ganz Deutschland derzeit nicht. Es gibt dafür einfach kein Geschäftsmodell“. Damit hatte sie aktuell auf das Pumpspeicherkraftwerk am Jochberg im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen bezogen. Gegenüber der MZ hieß es aus dem Wirtschaftsministerium, diese Aussage sei so zu interpretieren, dass damit auch das geplante Pumpspeicherkraftwerk am Osser gemeint sei. „Niemand ist bereit, die Kosten für Energie aus Pumpspeicherkraftwerken zu bezahlen“. Zum Jochberg sagte Aigner weiter: „Es wird sich kein Investor für diese Projekte finden.“ Es sei „ohnehin keine gute Idee“ gewesen: „Das ist ein Ausflugsberg und wäre mit der Bevölkerung und auch unter Umweltgesichtspunkten ohnehin schwer zu realisieren“.

Platzt das Genehmigungsverfahren?

In Aigners Umfeld geht man nach intensiven Beratungen davon aus, dass nach den klaren Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung auch ein von der Regierung der Oberpfalz geplantes Raumordnungsverfahren für das Projekt am Osser nicht zu einem positiven Ergebnis führen wird. „Eine Genehmigung dürfte unter diesen Umständen sehr schwierig werden“, hieß es. Nach derzeitiger Einschätzung der Regierung der Oberpfalz stellt der beabsichtigte Bau des Kraftwerks in einem sehr sensiblen Bereich eine überörtlich bedeutsame Maßnahme dar. Mit Hilfe eines Raumordnungsverfahrens kann von Seiten der Regierung vor Durchführung der eigentlichen Genehmigungsverfahren die Verträglichkeit – und damit auch die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit – von Vorhaben untersucht werden, deren Verwirklichung erhebliche Auswirkungen auf Natur und Landschaft, die Bevölkerung oder weitere Belange erwarten lässt.

Vispiron hält am Projekt fest

Amir Roughani, der Geschäftsführer der Vispiron Group erklärte am Sonntag, man halte weiter an den Plänen fest. Das Unternehmen werde die „Rechte in der Sache nutzen“, da die Wirtschaftlichkeit eines Projektes von Hunderten von Parametern abhängig sei und es keine Pauschalurteile geben könne. „Wenn ein Autobauer ein Werk plant, dann bekommt er ja auch keine Absage von der Politik, weil man das Projekt für nicht wirtschaftlich halte“, sagte er. Das sei Angelegenheit der Investoren und nicht der Politiker – sonst würde es sich um Planwirtschaft handeln.

Projekt am Osser kostengünstiger

Verständnis zeigte Roughani dafür, dassAigner das Projekt auf dem Jochberg für nicht wirtschaftlich halte. Dort sei ein viel großerer Eingriff in die Landschaft als am Osser geplant. Beim Projekt der Firma Vispiron gehe es um ein viel kleineres und – nicht zuletzt durch die vorhandene Infrastruktur – auch um ein viel kostengünstigeres Projekt als am Jochberg.

Gegner setzen auf Aigner

Aigners Aussage gebe Anlass zur Hoffnung. Aigners Aussage gebe Anlass zur Hoffnung, sagte Paul Winterstetter vom „Aktionsbündnis gegen ein Pumpspeicherkraftwerk am Osser“ am Sonntag. „Es fällt einem wirklich ein Stein vom Herzen“. Der Osser könne so ohne die zu erwartenden großen Zerstörungen der noch ursprünglichen Landschaft der Nachwelt erhalten bleiben. Bereits Ende August hatte der Grünen-Abgeordnete Jürgen Mistol aus Regensburg eine schriftliche Anfrage an das Wirtschaftsministerium gestellt, in der er die Osser-Region als ein ökologisch sehr sensibles Gebiet bezeichnet. Parallelen zumJochberg könnten also durchaus gezogen werden, so Winterstetter.

Kritik kommt von den Grünen

Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann kritisierte im „Münchner Merkur“, deutschen Strom in Österreich zu speichern werde teuer. Dafür müssten auch weitere Stromleitungen gebaut werden. Bayern brauche Pumpspeicherkraftwerke.

Der Tölzer Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) sagte, auf lange Sicht könnte ein Pumpspeicherkraftwerk am Jochberg vielleicht kommen. „Aber mittelfristig ist es vorbei, unsere Politikergeneration muss sich damit nicht mehr auseinandersetzen.“ Der Kochler Bürgermeister Thomas Holz (CSU) sagte: „Es fällt einem wirklich ein Stein vom Herzen.“

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