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Grenztradition

Quelle des Böhmischen Brunnens versiegt

Rund 200 Wanderer kamen jetzt zur traditionellen Schließung des Böhmischen Brunnens und erlebten eine Überraschung.

  • Dem Further Waldverein hatten sich rund 30 Wanderer angeschlossen, um zur trditionellen Schießung des Böhmischen Brunnens zu marschieren.
  • Auf die Beendigung der Wandersaison wurde ausnahmsweise mit „Becherovka“ angestoßen.

Furth im Wald.Bei nasskaltem Herbstwetters fanden sich am Samstag rund 200 Wanderer, darunter etwa 30 Teilnehmer von der bayerischen Seite, zur traditionellen Schließung des Böhmischen Brunnens/Ceská Studánka ein. Es wurde bei den Ansprachen darauf hingewiesen, dass solche Treffen vor 30 Jahren noch unvorstellbar gewesen wären. Inzwischen sei das aber schon zur Normalität geworden.

Quelle ohne Wasser

Doch die Wanderer erlebten am Böhmischen Brunnen eine Überraschung, denn Quelle war überraschend ohne Wasser. Forstdirektor Jan Benda von den Städtischen Wäldern Domažlice wusste aber auch, warum: „Am Osthang des Cerchov hat es in diesem Jahr zu wenig geregnet. Woanders waren mehr Niederschläge zu verzeichnen.“ Doch gut, dass es in Tschechien die 13. Karlsbader Heilquelle gibt, nämlich den Kräuterschnaps „Becherovka“. So musste als Ersatz für das Wasser der hochprozentige Kräuterschnaps herhalten.

Die Tschechen sind da bekanntermaßen flexibel. Die rund 30-köpfige bayerischer Wandergruppe, die sich dem Further Waldverein angeschlossen hatte, war entweder vom Grenzübergang Schafberg oder aber von der Hochstraße zum Böhmischen Brunnen aus gestartet.

Freudiges Wiedersehen

Die Wanderer aus Tschechien und Bayern sind gute Freunde geworden.
Die Wanderer aus Tschechien und Bayern sind gute Freunde geworden.

Schließlich, an der Quelle angekommen, gab es ein freudiges Wiedersehen mit den böhmischen Wanderfreunden und es zeigte sich einmal mehr, dass sich Deutsche und Tschechen an der Basis bestens verstehen. Der Vorsitzende des Touristikclubs Domažlice, Petr Matejka, hieß neben den Wanderfreunden besonders stellvertretenden Bürgermeister Stanislav Antoš (Domažlice), 3. Bürgermeister Franz Former (Furth im Wald), Bürgermeister Radek Gerberg (Ceská Kubice), Forstdirektor Jan Benda sowie den stellvertretenden Vorsitzenden des Bezirks Pilsen, Karel Kašpar und als Vertreter des Further Waldvereins Hans Schlosser willkommen.

Der Männergesangsverein „Haltravan“ aus Klencí pod Cerchovem bei seinen Auftritten .  Fotos: fkr
Der Männergesangsverein „Haltravan“ aus Klencí pod Cerchovem bei seinen Auftritten . Fotos: fkr

Er zeigte sich erfreut, dass trotz des schlechten Wetters so viele Wanderfreunde gekommen waren. Leider sei aber der Brunnen ohne Wasser. Matejka bat am Brunnen um ein Gedenken für den verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden des tschechischen Touristikclubs, Jan Strašký, der bei der Rückübereignus des Kurzturms auf dem Cerchov den Touristikclub Domažlice hervorragend unterstützt habe.

An die Ereignisse vor 30 Jahren in Prag erinnerte der stellvertretende Bürgermeister Stanislav Antoš. Damals seien die demonstrierenden Bürger von den Sicherheitskräften aufgefordert worden, nach Hause zu gehen – mit dem Hinweis, dass die Demonstration verboten ist.

KCT-Vorsitzender Petr Matejka (rechts) und Hans Schlosser sperrten symbolisch die Quelle des Brunnens zu.
KCT-Vorsitzender Petr Matejka (rechts) und Hans Schlosser sperrten symbolisch die Quelle des Brunnens zu.

In Berlin sei die Mauer gefallen und später sei auch an der tschechisch-deutschen Grenze der Grenzzaun abgebaut worden, so dass danach die freundschaftlichen Treffen möglich wurden. Antoš wünschte sich, dass künftig wieder genug Regen fällt, damit zum Aufschließen des Böhmischen Brunnens im Frühjahr im Brunnen wieder genug Wasser ist.

Aufschwung genommen

Bei der Grünen Hütte konnte man sich am offenen Feuer aufwärmen.
Bei der Grünen Hütte konnte man sich am offenen Feuer aufwärmen.

Die Grüße des Further Stadtoberhaupts Sandro Bauer überbrachte 3. Bürgermeister Franz Former. Er wies darauf hin, dass man nun schon zum 27. Male an der Schließung des Böhmischen Brunnens teilnimmt. Dies zeige, welchen Stellenwert diese Veranstaltung für Furth im Wald habe. Former ließ nicht unerwähnt, dass die Region um Gibacht und Cerchov durch die Errichtung eines zertifizierten grenzüberschreitenden Nordic Aktiv-Zentrums einen enormen Aufschwung genommen hat.

Former sprach die Hoffnung auf eine gute Wintersaison aus, in der sich die Besucher in der Natur erholen können. Former bemerkte, dass im kommenden Jahr das 30-jährige Jubiläum des Abbaus des Grenzzauns gefeiert werden kann. Dieses Ereignis vor 30 Jahren sei ein wunderbares Erlebnis gewesen, das seitdem die Treffen in Frieden, Freiheit und Freundschaft ermöglicht.

Gute Verbindungen schaffen

Als Vertreter des Further Waldvereins verwies Hans Schlosser auf Verwandte in der damaligen Tschechoslowakei, denen er vor der Samtenen Revolution Farbe für das Haus bringen wollte. Doch diese hätten dies damals abgelehnt mit dem Hinweis, dass man nicht auffallen dürfe. Schlosser zitierte den Pilsner Bischof Tomáš Holub, der dazu bei einem Treffen in Maxov aufgefordert habe, dass die Bürgermeister und die Kirchenvertreter von beiden Seiten der Grenze gut zusammenarbeiten, um gute Verbindungen zwischen den Nachbarn zu schaffen.

Forstdirektor Jan Benda nannte die momentane Lage in den böhmischen Wäldern katastrophal.

Zum fünften Mal wasserlos

Auch die bayerischen Wanderer beteiligten sich an dem Treffen im Kulturhaus in Chodov.
Auch die bayerischen Wanderer beteiligten sich an dem Treffen im Kulturhaus in Chodov.

Der Böhmische Brunnen sei schon zum fünften Male ohne Wasser und alleine im Bereich dieses Platzes hätten rund 2000 Festmeter Fichtenholz wegen des Borkenkäfers geschlagen werden müssen. Nachdem der Brunnen symbolisch geschlossen wurde, marschierten die Wanderer zur Grünen Hütte, wo sie bestens mit Getränken versorgt wurden. Anschließend ging es weiter in das Kulturhaus nach Chodov, wo noch ein gemütliches Beisammensein der böhmischen und bayerischen Wanderer angesagt war. Der Männergesangsverein „Haltravan“, der schon die Zeremonie am Brunnen gesanglich umrahmt hatte, sang schöne Lieder. Zudem sorgte eine Kapelle für die musikalische Unterhaltung, zu der auch fleißig das Tanzbein geschwungen wurde.

Ein Bus brachte die bayerischen Wanderer schließlich wieder zum Ausgangspunkt zurück. (kja)

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