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Umweltschutz

Quintett kämpft für den Artenschutz

Es geht um mehr als die Bienen, aber nicht gegen die Landwirte. Ein Generationengespräch in Waldmünchen zum Volksbegehren
Von Petra Schoplocher

Optimistisch, was die Quote für das Volksbegehren betrifft, aber nachdenklich bezüglich der Entwicklungen im Bereich Arten- und Naturschutz: (von links) Demian Wolfering, Robert Kurzmann, Stefan Schröpfer, Manfred Ruhland und Andreas Dirscherl. Foto: Schoplocher
Optimistisch, was die Quote für das Volksbegehren betrifft, aber nachdenklich bezüglich der Entwicklungen im Bereich Arten- und Naturschutz: (von links) Demian Wolfering, Robert Kurzmann, Stefan Schröpfer, Manfred Ruhland und Andreas Dirscherl. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.„Die Uhr tickt“, sind sich die fünf Männer am Tisch einig. So unterschiedlich ihr Hintergrund auch ist – junger Vater, Rentner, Schüler, werdender Opa, Mitten-im-Leben-Stehender – gemeinsam ist ihnen die Herzensangelegenheit Artenschutz. Deswegen treten sie generationenübergreifend für das Volksbegehren ein. Wenngleich Manfred Ruhland, mit Robert Kurzmann der Älteste in der Runde, bewusst nicht die Überschrift „Rettet die Bienen“ benutzt. Denn: „Es geht um weit mehr, wenn nicht um Alles“, fasst er seine Sicht der Dinge zusammen.

„Jeder muss sein Handeln hinterfragen“

Dass der Waldmünchener sich gerade jetzt „so reinhängt“, liegt mit daran, dass er erstmals Großvater wird. Zwei, drei Tage, nachdem er dies erfahren hat, begann es in ihm zu arbeiten. „Du musst jetzt was tun, denn, wenn das System 30, 50 Jahre so weiter läuft, möchte ich mir gar nicht ausmalen, unter welchen Bedingungen mein Enkelkind dann einmal leben muss.“ Im Grunde sei das aber eine Frage, die „jeden umtreiben müsste“. Mit der Folge: „Jeder muss hinterfragen, ob er sein Handeln gegenüber nachfolgenden Generationen vertreten kann“, formuliert Robert Kurzmann.

Engagiertes Gespräch: Manfred Ruhland, Stefan Schröpfer, Andreas Dirscherl, Robert Kurzmann und Demian Wolfering. Foto: ps
Engagiertes Gespräch: Manfred Ruhland, Stefan Schröpfer, Andreas Dirscherl, Robert Kurzmann und Demian Wolfering. Foto: ps

Demian Wolfering, mit 23 Jahren der Jüngste in der Runde, hatte ein Aha-Erlebnis der anderen Art, das ihn zum Umdenken und -handeln bewegte: „Massenweise tote Korallen am Great Barrier Reef“ in Australien hätten ihn tief bewegt. Neben seinem Ausstieg aus dem gelernten Beruf des Fahrzeuglackierers bedeutete dies für den jungen Saarländer, der derzeit die Technikerschule in Waldmünchen besucht, dass er sich seit einiger Zeit vegan ernährt. Wolfering, macht sich sehr wohl Sorgen, „ob wir das Ruder noch rumreißen“. In Deutschland passiere nicht wirklich viel, lautet seine Erkenntnis, seit er sich mit dem Thema Umweltschutz beschäftigt. „Wirtschaftliche Interessen scheinen vorzugehen.“ Er sieht in dem Volksbegehren die Chance, dass sich etwas in Richtung Ökologie bewege.

Emotionale Gespräche

Stefan Schröpfer hat einen achtjährigen Sohn und eine acht Monate alte Tochter – Verpflichtung für ihn persönlich, „jetzt etwas zu tun“ und im Umfeld für Aufklärung zu sorgen. Umweltschutz stehe bei den wenigsten an vorderer Stelle, schildert er seine Erfahrungen, oft sei es nicht leicht, gegen anderslautende Meinungen anzukommen. Zumal wenn sie, Stichwort Landwirtschaft, oftmals von Emotionen begleitet seien. Was ihn auch „wurmt“: Viele seiner Altersgenossen hätten schlicht keine Vorstellung von dem, was in der Natur in den vergangenen Jahren schon kaputtgemacht wurde.

Immer weniger Vögel im Waldmünchener Garten

„Bestimmte Dinge sind nicht mehr umkehrbar“, streicht auch Andreas Dirscherl heraus, anders formuliert: Ausgestorbene Arten kämen nicht wieder. Auch ihm ist schon aufgefallen, dass sich manche Vogelart rar macht. Der 38-Jährige versucht, mit Streuobstwiesen und einem naturnahen Garten inklusive Lehmhaufen der Natur zu helfen. „Ich bin überzeugt, dass jeder etwas tun kann.“ Und zwar mehr, als zu unterschreiben.

So wünschenswert das sei, berge es doch Gefahren. „Der ein oder andere mag das als Freikaufen sehen“, warnt Dirscherl. Seiner Meinung nach müssten die Themen Konsum, Komfort und Umweltschutz viel mehr zu den Menschen und vor allem auch in die Schulen getragen werden.

Ein Schnitzel für 99 Cent, kann das sein?

„Die Verantwortung beginnt damit, dass ich nicht in den Supermarkt renne und nach dem 99 Cent-Schnitzel suche“, betont Manfred Ruhland. Bei derartigen Preisen müsse sich jeder Verbraucher fragen, ob das sein könne. „Da müssen doch Tierwohl und Umwelt unter die Räder kommen!“, nimmt er die Antwort vorweg.

„Da darf man keinem Landwirt einen Vorwurf machen: Die müssen so produzieren, um zu überleben.“

Robert Kurzmann, Naturschützer

Robert Kurzmann legt in den Zusammenhang Wert auf die Feststellung, dass den Bauern dafür die Schuld anhaftet: „Da darf man keinem Landwirt einen Vorwurf machen: Die müssen so produzieren, um zu überleben.“ Deswegen sei das Volksbegehren so wichtig. „Wir müssen auf die Politik Druck ausüben, dass wir eine andere Landwirtschaft wollen; eine, in der auch die Bauern überleben können.“ Ein Beispiel, mit dem die Politik bewiesen habe, dass sie sehr wohl die Richtung vorgeben kann: Nachdem Horst Seehofer als damaliger Landwirtschaftsminister die Flächenbindung abgeschafft hat, wurde Deutschland vom Fleisch-Im- zum Exporteur.

Regional und hochwertig

Der BN-Kreisvorsitzende berichtet dazu aus Schweden: In dem nordeuropäischen Land wäre heimisches Schweinefleisch doppelt so teuer wie importiertes – „und 70 Prozent kaufen das schwedische!“. Da könne man gerne mal den Bekanntenkreis durchgehen, wer dazu bereit wäre, meint Kurzmann und fügt hinzu, dass „Aufklärung da absolut nottut“. Stefan Schröpfer wünscht sich, dass sich die Erkenntnis durchsetzen möge, „lieber seltener Fleisch, dafür regional und von guter Qualität“. Das helfe den Landwirten, ist er sicher.

„Wo sind denn bei uns die Vertreter der christlichen Organisationen?“

Manfred Ruhland

Ob man denn, wenn man so heraushört, wie sehr dem Quintett die Landwirtschaft am Herzen liegt, das Volksbegehren überhaupt guten Gewissens unterschreiben kann? „Auf alle Fälle“, unterstreicht Kurzmann. Schließlich seien Nachbesserungen möglich und so müsse es doch im weiteren Verfahren drin sein, die kleinen und mittleren Betriebe „nicht hinten runter fallenzulassen“.

Nicht unerwähnt lassen will er, dass das Volksbegehren vom Innenministerium geprüft worden sei. „Wäre es so existenzgefährdend, wie oftmals zu lesen war, hätte die Staatsregierung versagt, weil sie es niemals hätten zulassen dürfen.“

Hintergründe

  • Gesprächspartner

    Manfred Ruhland (62) war lange Jahre Ortsvorsitzender der SPD und sitzt im Stadtrat. Robert Kurzmann ist Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. Die „Oldies“ führten ein engagiertes Gespräch mit Stefan Schröpfer (31), Andreas Dirscherl (38) und Demian Wolfering (23).

  • Eintragen

    Am Dienstag besteht von 8 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 20 Uhr die Möglichkeit, sich einzutragen. Am Mittwoch steht das Rathaus von 13 bis 16 Uhr offen.

  • Hürde

    Stand Montag Vormittag hatten sich 667 Männer und Frauen eingetragen. Nachdem die Zahl der Wahlberechtigten bei 5386 liegt, haben die Waldmünchener die Zehn-Prozent-Hürde locker genommen. (ps)

Schlimmer als der Klimawandel

Für die Natur sei das Artensterben bedrohlicher als der Klimawandel für den Menschen, zitiert Robert Kurzmann und verdeutlicht damit noch einmal, warum Biene und Co. so wichtig sind. Er wolle keine Panik verbreiten, wohl aber die dramatischen Folgen ins Bewusstsein rufen, wenn „wir in Sachen Plastikmüll, Emissionen, Konsumverhalten et cetera so weiter machen“.

Einen Kritikpunkt mit ganz anderer Stoßrichtung muss Manfred Ruhland dann doch noch loswerden: „Wo sind denn bei uns die Vertreter der christlichen Organisationen?“, fragt er in die Runde. Schließlich könne all das, was das Volksbegehren fordert, unter dem Schlagwort „Bewahren der Schöpfung“ zusammengefasst werden.

Auch bei dieser Formulierung sind sich alle einig, der Bald-Opa, der Familienvater, der Rentner, der Schüler.... „Wir alle, jeder Einzelne, tragen die Verantwortung!“

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