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Region Cham
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Pläne

Radio Cham geht auf Sendung

Das neue Rundfunkmuseum will für Technik begeistern: Schüler sollen eigene Radios bauen und ihre Stimmen daraus hören.
Von Christoph Klöckner

Das ist ein Prototyp des Radios, wie es die Schüler selbst bauen sollen. Es funktioniere besser als sein Autoradio, hat Michael Heller beim Test herausgefunden. Dazu kostet es vom Warenwert her nur zehn Euro. Foto: Klöckner

Cham.Das könnte Bilder auslösen wie aus den 20er oder 30er Jahren. Damals scharte sich die Familie ums Radio, um auf wundersame Weise Neues aus der Welt zu erfahren. Aus diesem viereckigen Zauberkasten, der sogar Musik in die Wohnstube bringt. Das könnte in Cham wieder passieren. Denn wenn plötzlich die Stimme der eigenen Kinder aus dem Radio ins Wohnzimmer grüßt, dann will das jeder hören – von der Tante bis zur Oma. Dabei geht der Filius doch noch auf die Schule – und schon die Radiokarriere?

Zukunftsmusik ist das nicht mehr, seit in diesem Jahr das Chamer Radiomuseum eröffnet hat. Auf 900 Quadratmetern ist dort die Weltgeschichte der Rundfunkhistorie versammelt – mit vielen Extras und einzigartigen Geräten, die es deutschlandweit nur dort zu sehen gibt. Begonnen mit dem Sammeln hat irgendwann Michael Heller, der mittlerweile viel Geld und noch mehr Zeit und Engagement in das Projekt investiert hat. Er hat die Immobilie zur Verfügung gestellt – heute steht das Museum mit Träger- und Förderverein auf festen Beinen.

Nichts Unberührbares

Geplant ist laut Heller auch, die Inhalte der Schülerzeitung des Robert-Schuman-Gymnasiums sollen übers Radio verbreitet werden. „Die Kinder sollen sehen, wie Technik funktioniert“, erklärt Heller das Ziel. Foto: Klöckner

Doch stehen bleiben will das Museum deshalb nicht. Und die Ausstellungsstücke sollen keinesfalls wie die Unberührbaren sein, an denen man vorbeischlendert und staunt – aber immer das Schild davor steht: „Bitte nicht anfassen!“ Im neuen Jahr wird das Gegenteil der Fall sein: Es soll ausprobiert, gelötet und geschraubt werden, die Knöpfe gedrückt die Schalter gedreht werden: Das Museum wird zum Versuchslabor, zur Bildungsstätte. Dafür bauen sie bis Februar einen großen Physiksaal für spannende Versuche und ein Rundfunkstudio. So stellt sich das Gründervater Michael Heller mit seinem engagierten Team aus ehrenamtlichen Technikfreaks vor. Und bekommt derzeit ein großes Echo auf sein Angebot, was er den Schulen nun unterbreitet. „Günter Habel vom Schuman hat gleich zugesagt, ebenso ist das Fraunhofer-Gymnasium ganz heiß auf die Sache“, sagt Heller nach einer ersten Sondierung. Die Kinder der vierten bis siebten Klassen von Mittelschule bis Gymnasium sollen hier die Faszination der Technik erleben, die Heller selbst seit Jahrzehnten „befallen“ hat. Dabei hat dieses MINT-Projekt – benannt nach den Anfangsbuchstaben von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – des Museums einen ernsten Hintergrund. Fachkräftemangel und immer weniger Studenten in MINT-Fächern reißen Löcher: Bald fehlen einige zehntausend Nachwuchs-Ingenieure. Deshalb versuchen Staat und Schule seit Jahren mehr Schüler in diese Richtung zu lenken.

Mithilfe von Chamer Firmen

Neben dem Sende und dem Rundfunkstudio wird auch ein großer Physiksaal bis Februar im Museum entstehen, um Funk und Strom in Versuchen direkt erfahrbar und sichtbar zu machen. Foto: Klöckner

Das Projekt hat dafür fast alle Voraussetzungen im Museum. Den Sender etwa haben zwölf Museums-Begeisterte in München Ismaning abgebaut und im Museumseingang in Cham wieder aufgebaut. „Dass wir den wieder ans Laufen bringen, hat uns keiner zugetraut“ – in den Worten Heller klingt auch Stolz durch. Zu recht, denn: „Solch ein Sender ist einzigartig in Deutschland!“ Bereits ab Mitte Dezember soll ein tägliches Chamer Radioprogramm (MW/AM 801 Kilohertz) über Mittelwelle zu empfangen sein – sozusagen der erste Landkreissender – empfangbar je nach Witterung manchmal sogar bis nach Amberg.

Um den Schülern für den Bau des Radios genug Platz und Werkzeug an die Hand zu geben, würden Kappenberger&Braun ihre Lehrwerkstatt zur Verfügung stellen, sagt Heller. Die Firma Zollner habe umgehend Hilfe bei der Materialbeschaffung zugesagt. Auch die Zusage der Chamer Unternehmen hängt mit Begeisterung zusammen. So sei Professor Weber im Museum gewesen, erzählt Heller, habe sich alles angeschaut und sei am Ende als ein Fan des Museums gegangen.

Wie viele – seit der Eröffnung gab es schon 22 Führungen. Und auch der Förderverein ist gewachsen auf 230 Mitglieder. Geöffnet hat das Museum immer, „sieben Tage die Woche“, sagt der 70-Jährige. Nach Anmeldung nehmen sich die ehrenamtlichen Museumsführer Zeit für Besuchergruppen. Und Zeit sollte man mitbringen, denn zu entdecken gibt es viel – ob die Krönung der Queen 1953 im Museumsfernsehen oder den Nipper im Café Nostalgie.

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