mz_logo

Region Cham
Montag, 20. August 2018 27° 2

Klassentreffen

Rebellische 68er besuchen ihre Schule

Eine 68er-Abiturklasse kommt am Fraunhofer-Gymnasium nach 50 Jahren zum zweiten Mal zusammen
Von Max Riedl

Christian Nowotny, Studiendirektor a.D. und Vorsitzender des Fördervereins desJvFG, führte zwölf (von 21) Klassenkameraden der ehemaligen 13a durchs renovierte Gymnasium. Foto: Riedl
Christian Nowotny, Studiendirektor a.D. und Vorsitzender des Fördervereins desJvFG, führte zwölf (von 21) Klassenkameraden der ehemaligen 13a durchs renovierte Gymnasium. Foto: Riedl

Cham.Welch bleibenden Eindruck unsere Klasse noch ein Vierteljahrhundert nach unserem 1968er-Abitur an der Schule hinterlassen hat, davon konnte sich unser Klassenkamerad Franz-Peter Hunger im Jahre 1993 ein Bild machen. Wegen seines Sohnes kam er nach fünfundzwanzig Jahren erstmals wieder ins Fraunhofer Gymnasium – und sah das Abiturzeitungsfoto unserer Klasse (ohne Hemden, aber mit langer Hose und Krawatte auf blankem Oberkörper) im Sekretariat aufgepinnt. Weil Direktor Drauschke noch ein Telefonat hatte, erfuhr er im Gespräch mit der Sekretärin, dass das Foto zur Abschreckung dienen sollte, welche Sorte von Klasse man nie mehr im Fraunhofer sehen wollte – solche Klassen, wie unsere eine war.

Franz-Peter Hunger, Rechtsanwalt, verwies darauf, dass doch aus jedem etwas einigermaßen Ehrbares geworden sei. Zum Beispiel Arzt, Zahnarzt, Rechtsanwalt, Architekt, Apotheker, Lehrer, Bürgermeister... Einige Tage später kam er noch einmal ins Sekretariat – das Foto fehlte. Warum? Es sei nun lange genug da gehängt, erfuhr er.

Weise war es auch nun, 50 Jahre später, dass wir kein Remake unseres 68er-Klassenfotos vor den Eingangsstufen des Fraunhofer-Gymnasiums gemacht haben. Wenn schon die Körper der Zwanzigjährigen solch denkwürdigen Eindruck gemacht hatten, um wie viel mehr hätten die Oberkörper der nun in die Jahre gekommenen Siebzigjährigen schockiert!?

Jedenfalls führte uns zwölf Klassenmitglieder der A-Klasse Christian Nowotny, nunmehr pensioniertes ehemaliges Mitglied der Schulleitung, durch die heiligen Hallen des in eineinhalb Jahrzehnten renovierten Gymnasiums. An manchen Stationen wie in der Mensa bot sich ein Vergleich zu früher einfach an, dass halt doch früher nicht alles besser war: Während wir 1968 für eine „sexy“ Wurstsemmel (mit einer weiteren Scheibe Wurst) in der Abi-Zeitung gekämpft haben, schwelgt die jetzige Schülergeneration in dem Luxus, sich bereits Tage vorher online aussuchen zu können, was Leckeres die Woche über gegessen werden könne. Bezahlt wird per Chip. Auch die Toiletten verdienen im Vergleich zu 1968 ein Prädikat.

Ein Klassenzimmer gibt es, das kommt ohne Tafel, Schwamm und Kreide aus, da per Smartboard und Beamer oder auch Tabletts gearbeitet wird. Zum Ausgleich dafür gibt es eine Klasse mit Hund.

Und wer hätte am Ende gedacht, dass so eine Klasse wie die unsrige sich einmal ins Goldene Buch der Schule eintragen darf.

Erinnerungen

Dreharbeiten: „Begonnen haben wir noch mit 40 Schülern.. Während wir die Aufnahmeprüfung 1959 machten, guckten unsere uns begleitenden Mütter den Dreharbeiten von Bernhard Wickis Schwarz-Weiß-Film „Die Brücke“ zu, die nicht nur am Regen, sondern auch am Gymnasium stattfanden.“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht