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Vögel

Regental – Paradies für Wiesenbrüter

Experte Peter Zach zog am Vogelturm in Untertraubenbach Bilanz. Der Rotschenkel war mit 1,33 Jungen je Brutpaar am erfolgreichsten.
von Jakob Moro

  • Das erfahrene, aktive Wiesenvogelberaterteam (v. l.) Alfons Fischer, Peter Zach und Jutta Vogl freut sich über die guten Ergebnisse bei den Wiesenbrütern in der Regentalaue. Fotos: Jakob Moro
  • Von hier aus lassen sich die Vögel in der Regentalaue hervorragend beobachten.
  • Die Beachtung dieser Schilder ist für Bruterfolge in der Regentalaue sehr wichtig.

Cham.Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Rotschenkel und Kiebitz sind die vier charakteristischen Wiesenbrüter, die im Fokus stehen. Alle stehen auf der bayerischen Roten Liste in der Kategorie 1 – vom Aussterben bedroht. Wiesenvögel brauchen als Lebensraum weiträumiges, feuchtes Wiesengelände. Wiesenvögel gehören zu den bedrohten Vogelarten der Agrarlandschaft.

Der bayernweite Brutbestand der meisten Arten ist in den vergangenen 20 Jahren katastrophal zurückgegangen. Der Landkreis Cham beherbergt eine der größten und wichtigsten Wiesenvogelpopulationen Bayerns. 40 Prozent aller bayerischen Uferschnepfenpaare (von 20 sind allein in der Regentalaue sieben zu finden) und über 50 Prozent aller bayerischen Rotschenkelpaare (von zehn sind allein in der Regentalaue sechs zu finden) brüten im Naturschutzgebiet der Regentalaue.

Bayerns wichtigstes Brutgebiet

Für den Rotschenkel ist die Regentalaue das wichtigste Brutgebiet in Bayern, und die Uferschnepfe hat ihr einziges regelmäßiges Brutgebiet in Bayern außerhalb des Altmühltals im Regental. Im Zuge des Naturschutzprojektes Regentalaue ist es in den vergangenen Jahren gelungen – entgegen dem bayernweiten Trend – den Rückgang der Wiesenbrüter im Naturschutzgebiet zu stoppen.

Die Regentalaue und die Rötelseeweiher sind ein Gebiet mit einer außergewöhnlichen biologischen Vielfalt. Auf engstem Raum kommt hier eine hohe Anzahl seltener Tier- und Pflanzenarten vor. Vor allem die Vogelwelt macht das Gebiet einzigartig. Im neuen bayerischen Brutvogelatlas wird das Gebiet neben dem oberbayerischen Ammersee als der artenreichste Vogellebensraum Bayerns aufgeführt. Das Naturschutzgebiet der Regentalaue ist eines der bedeutendsten und erfolgreichsten Wiesenbrütergebiete in Bayern. Durch die gute Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und ein gezieltes Flächenmanagement ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die Wiesenbrüterbestände vor dem Aussterben zu bewahren.

Am vergangenen Donnerstag hat Peter Zach, ehrenamtlicher Wiesenbrüterberater des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, auf die Brutsaison 2019 zurückgeblickt. „Die Zukunft der Wiesenbrüter hängt maßgeblich vom Bruterfolg ab“, so Zach. Zur Bestandserhaltung ist eine nachhaltige Nachwuchsrate der flügge werdenden Jungen notwendig. Rund 800 Stunden jährlich kümmern sich das Wiesenvogel-Beraterteam Regentalaue mit Peter Zach sowie Alfons Fischer und Jutta Vogl sowie die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Cham. Dieses Team ist seit 2014 aktiv in der Regentalaue und leistet jährlich fast 1000 Stunden für den Vogelschutz und die Wiesenbrüter.

Zach: „Ein erfahrenes, aktives Wiesenvogelberaterteam ist für den Erhalt der Wiesenbrüter sehr, sehr wichtig. Wir gehen aktiv auf die Landwirte zu, beraten sie. Wir fahren auch mal mit beim Mähen. Die Wiesenbrüter sind brutorttreu. Sie sind derzeit in Südspanien, Marokko, Südfrankreich oder Westafrika. Im Frühjahr, so hoffen wir, kommen sie zu uns zurück.“

Neben der Intensivierung der landwirtschaftlichen Bodennutzung, der Grundwasserabsenkung, der Zunahme der Freizeitaktivitäten, der Klimaveränderung (Frühjahrstrockenheit) wirke sich aus unterschiedlichen Ursachen auch die Zunahme der Beutegreifer, Fuchs, Marder und Wildschweine, negativ auf die Bestandsentwicklung der Wiesenbrüter aus, so Zach im Gespräch.

Wiesenvögel zählten zu den größten Sorgenkindern im Naturschutz. Veränderungen in der landwirtschaftlichen Bodennutzung, zunehmender Freizeitdruck sowie die Zunahme nachtaktiver Beutegreifer wie Fuchs und Wildschwein hätten sie an den Rand des Aussterbens gebracht. Von dieser Entwicklung seien auch die Wiesenvögel in der Regentalaue nicht verschont geblieben. Nahezu alle Arten hätten sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten bis zu 50 Prozent ihres Bestandes verloren. Im Chambtal seien sie sogar gänzlich verschwunden. Trotz dieser negativen Bilanz zähle die Regenaue zwischen Cham und Pösing neben dem Wiesmetgebiet in Mittelfranken, dem Königsauer Moos im unteren Isartal und dem Nördlinger Ries in Schwaben zu den vier wichtigsten Wiesenbrütergebieten in Bayern.

Der Große Brachvogel gilt laut Zach neben dem Kiebitz als die Charakterart der Regentalaue. Nach einem massiven Bestandsrückgang hat sich in den letzten zehn Jahren der Brutbestand stabilisiert. Im vergangenen Jahr brüteten in der Regentalaue 14 Brutpaare des Großen Brachvogels. Nur sieben Junge wurden flügge.

Die Uferschnepfe ist ein großer Schnepfenvogel, der in der Größe zwischen Großem Brachvogel und Rotschenkel steht. Nur 20 Brutpaare gibt es in Bayern, davon sieben in der Regentalaue. Von den sieben Brutpaaren wurden 2019 nur vier Uferschnepfen flügge. „Hieran kann man ablesen, wie schwierig es ist, die Uferschnepfe zu erhalten“, sagte Zapf.

Der wohl seltenste Wiesenbrüter, der Rotschenkel, mit seinen leuchtend roten Beinen und seiner kräftigen Stimme kommt bayernweit nur mit zehn Brutpaaren vor, davon wurden sechs Brutpaare in der Regentalaue gezählt. Hier ist die Hoffnung der Betreuer der Regentalaue am größten, wurden im ablaufenden Jahr immerhin von den sechs Brutpaaren acht Junge flügge. Die Flügelspannweite variiert um einen halben Meter und ist damit etwa nur halb so groß wie die des Großen Brachvogels. Der Rotschenkel ist, was die Bodenfeuchte angeht, die anspruchsvollste Wiesenbrüterart, erläuterte Zach.

Sorgenkind: der Kiebitz

Er gilt als Sorgenkind der Zukunft: Der Kiebitz, taubengroß, kommt bayernweit noch am häufigsten vor. 4000 Brutpaare haben die bayerischen ehrenamtlichen Betreuer gezählt, davon findet man in der Regentalaue immerhin 105 Brutpaare. 77 junge Kiebitze wurden flügge und lassen hoffen. Der Kiebitz legt sein Gelege in Wiesen mit Feuchtstellen an. Häufig werden Gelege durch Walzen der Wiesen zerstört. Daraufhin legt er meist ein Zweitgelege auf einer Ackerfläche an, wo das Gelege wiederum gefährdet ist, infolge der Bewirtschaftung zerstört zu werden.

Als allgemeine Gründe für den starken Rückgang der Wiesenvögel nennt Zach: Intensivierung der landwirtschaftlichen Bodennutzung, Grundwasserabsenkung, Verluste durch Beutegreifer (Prädatoren), zum Beispiel Fuchs, Marder, Wiesel, Krähen, Zunahme der Freizeitaktivitäten, Klimaänderung (Frühjahrstrockenheit)

Als Gründe für die Bestandsstabilisierung bzw. -erholung in der Regentalaue führt der Vogelexperte an: Durchführung zahlreicher den Lebensraum verbessernder Maßnahmen (z. B. Anlage wasserführender Seigen- und Muldensysteme, Wiedervernässung von Wiesenbrüterkernzonen), Besucherlenkungskonzept (z. B. Sperrung bestimmter Wege in der Brutzeit), Bau von Elektroschutzzäunen (Vermeidung von Gelege- und Jungvogelverlusten durch Bodenprädatoren), gute und kooperative Zusammenarbeit mit den Landwirten und Jägern.

Wiesenvögel: Bayern und Regentalaue

  • Großer Brachvogel:

    480 Brutpaare in Bayern, 14 Brutpaare in der Regentalaue

  • Uferschnepfe;

    20 Brutpaare in Bayern, 7 in der Regentalaue

  • Rotschenkel:

    10 Brutpaare in Bayern, 6 in der Regentalaue

  • Kiebitz:

    circa 4000 Brutpaare in Bayern, 105 in der Regentalaue

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