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Regionalkonferenz in Bad Kötzting: Ländlicher Raum braucht Förderung

BAD KÖTZTING.Bei der Forderung einiger „Zentrumspolitiker“, künftig nur die Ballungsräume zu fördern und dem ländlichen Raum nur zu geben, was noch übrig bleibt, „müsste eigentlich jedem von uns das Messer in der Tasche aufgehen“, sagte Landrat Zellner gestern zu Beginn der Regionalkonferenz über die „Kompetenzpartnerschaft für den ländlichen Raum“.

Am Ende der vierstündigen Konferenz im Haus des Gastes blieb als Kernforderung, dass ländliche Gebiete in Bayern unbedingt eine Förderkulisse brauchen, die ihnen eine vergleichbare Entwicklung wie in Ballungsräumen garantiert. Ganz klar brachten Landrat Zellner und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner zum Ausdruck, wie wichtig eine zeitgemäße Landesplanung ist, um auch kleineren Kommunen die Chance für angemessene Ausweitungen oder eine Dorferneuerung zu geben.

Vehement forderte Landrat Theo Zellner, bei diesem lebenswichtigen Thema (angesichts der Abwanderung junger Menschen) endlich aus der Phase der Diskussion heraus und zu Taten zu kommen. Erfolgreiche Projekte wie die Dorferneuerung, die Cluster Forst und Holz oder Mechatronik, die Aktionsbündnisse „Künisches Gebirge“ oder die Cerchov-Region nannte der Landrat als Beispiele für Innovation auf dem Land, das „eigenständiger Arbeits-, Lebens- und Freizeitraum“ bleiben müsse.

Zentralismus entgegenwirken

Wenn politische Kräfte im Landtag vehement die „Stärkung der Zentren“ fordern, werde klar, wie wichtig es ist, für gleichwertige Chancen im ländlichen Raum zu kämpfen, machte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner deutlich. Wie zuvor Landrat Zellner forderte er eine zeitgemäße Internet-Breitbandversorgung únd hob als positives Beispiel unter anderem die „Sozialkontrolle“ im ländlichen Raum hervor, die solche Entwicklungen wie bei den jugendlichen Gewalttätern von Solln fast unmöglich mache.

Brunner nannte es „offensichtlich, dass Bayern nur stark sein kann, wenn auch seine ländlichen Räume stark sind“, denn sie umfassen 80 Prozent der Landesfläche, und hier erwirtschaften mehr als die Hälfte der bayerischen Bürger rund 53 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft, ein hier besonders wirksamer „Globalisierungsdruck“, vor allem aber die Abwanderung junger Menschen in Ballungszentren seien die große Herausforderungen für den ländlichen Raum. Deshalb wäre es wichtig, die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft zu verbessern und langfristig eine flächendeckende Landbewirtschaftung zu sichern. Obwohl Bayern seine Bauern am stärksten von allen Bundesländern fördere, sei es aber absolut unmöglich, den Preisverlust am Markt auszugleichen, erklärte der Minister unter Hinweis auf die indiskutabel niedrigen Milch-und Getreidepreise.

Der Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten propagiert deshalb die „integrierte ländliche Entwicklung“, mit jeweils auf die Region, oder sogar auf einzelne Gemeinden zugeschnittenen Förderungen. Dorferneuerung, die vielfach wegen der größeren Betriebseinheiten erforderliche Flurneuordnung, Leader-Programme und das Netzwerk Forst und Holz seien geeignet, neue Arbeitsplätze im ländlichen Bereich zuschaffen und bestehende Netzwerke zu sichern, so Brunner.

Regionale Spezialitäten essen

Die Zukunft müsse auch den Nahrungsmitteln aus der Region gehören, sagte der bayerische Landwirtschaftsminister und verwies auf Österreich, wo die regionale Vermarktung viel weiter fortgeschritten sei als bei uns. Die Ziele beim „Cluster Ernährung“ stünden für frische Waren, nachvollziehbare und kurze Wege sowie für hohe Qualität.

Staatssekretär Markus Sackmann verwies auf die deutlich bessere Lebensqualität, die der ländliche Raum gegenüber den Großstädten biete. Nicht allein die aktuellen Arbeitslosenzahlen dürften ausschlaggebend für eine regionale Förderung sein, sondern auch die Arbeitsplatzdichte und vor allem die Mobilität der Menschen müssten als Kriterien herangezogen werden, forderte Sackmann unter Hinweis auf die vielen Pendler aus der Region.

Gemeinden mit einer guten Infrastruktur seien auch in der Lage, dem demografischen Wandel zu trotzen und eine Geburtenrate zu halten, die der in Großstädten vergleichbar ist, sagte Sackmann, der auch bürgerschaftliche Engagement belohnen und das Ehrenamt stärken will.

Die Entwicklung im Aktionsbündnis Cerchov, der fünf Gemeinden und die Stadt Waldmünchen sowie 15 Gemeinden auf tschechischer Seite angehören, erläuterte Bürgermeister Franz Löffler, Er beschrieb auch die Bioenergie-Dörfer Schäferei und Moosdorf und schilderte die sehr gut laufende Ausbildung zum Energiewirt im Raum Waldmünchen.

Lebensqualität verbessern

Lebens-, Arbeits- und Freizeitraum sollen die ländlichen Gebiete in Bayern bleiben. Dazu bedarf es nach Überzeugung der Politiker einer gezielten Förderung, aber auch der Bündelung eigener Initiativen, die zur Verbesserung der Lebensqualität auf dem Land beitragen.

Beispiele dafür boten bei der Regionaltagung im Haus des Gastes Renate Schedlbauer vom Amt für Landwirtschaft und Forsten, die das Konzept der Erlebnis- und Wellness-Bauernhöfe erläuterte, ehe Irene Feiner aus Engelmannsbrunn über ihre Stoffdruckkurse und Kräutergartenführungen berichtete, die sehr guten Zuspruch finden. Mit rund 50 Stoffdruckkursen für Erwachsene, die noch durch eigene Schulungen für Kinder ergänzt werden, ist sie gut ausgelastet.

„Der Stoff aus dem die Chancen sind“ war der Vortrag von Diplom-Holzwirt Markus Blenk überschrieben, der anschaulich erläuterte, warum der Cluster Forst und Holz eine „Schlüsselbranche“ in Bayern ist und zu einem starken Netzwerk ausgebaut werden muss. „Das ist die einzige Branche, die schon immer aktiv Umweltschutz betreibt“, erklärte der Fachmann und wies darauf hin, dass in der Holzgewinnung und im Holzhandel so viele Arbeitsplätze geboten werden, wie im Fahrzeugbau.

Von den 3,5 Milliarden Festmetern Holzvorrat in Deutschland wachsen 2,5 Milliarden Festmeter in Bayern, wo pro Sekunde ein Festmeter Holz zuwachse und dabei eine Tonne Kohlenstoff gebunden werde.

Holz müsse als Universalbaustoff stärker ins Bewusstsein gerückt werden, regte Markus Blenk an. So sei angedacht, ein Nullemissionshaus und einen Kindergarten aus dem Holz von Bayerwaldtannen zu bauen.

In der Diskussion unter Leitung von Sabine Hofer aus dem Funkhaus Regensburg schilderte Bürgermeister Franz Haberl aus Pemfling, welche Probleme die Erweiterung eines Betriebes in seiner Gemeinde macht, weil die Höhere Landesplanungsbehörde die Zustimmung verweigert und auf Gewerbegebiete in nahegelegenen Städten verweist. So sei es unmöglich, einen Bürger, der sich i n seiner Heimat mit einem Betrieb ansiedeln will, Arbeitsplätze schaffen zu lassen, kritisierte Haberl.

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